So., 02.09.2018

Fußball: 3. Liga Preußen Münster liefert Kurzarbeit zum Nulltarif

Geht es langsam abwärts mit den Preußen? Nach dem Abpfiff der Partie gegen den KFC Uerdingen gingen die Blicke von René Klingenburg, Tobias Rühle, Tobias Warschewski und Philipp Hoffmann zumindest Richtung Boden.

Geht es langsam abwärts mit den Preußen? Nach dem Abpfiff der Partie gegen den KFC Uerdingen gingen die Blicke von René Klingenburg, Tobias Rühle, Tobias Warschewski und Philipp Hoffmann zumindest Richtung Boden. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Keine Frage: Schuld war Schiedsrichter Mitja Stegemann. Hätte der Unparteiische rechtzeitig abgepfiffen, hätte der SC Preußen Münster gegen Uerdingen 0:0 gespielt und nicht 0:1 verloren. Aber der Mann in Schwarz ließ weiterspielen, als die Preußen ihre Arbeit längst eingestellt hatten – nach 60 Minuten.

Von Ansgar Griebel

Marco Antwerpen hatte am Samstagnachmittag wenig zur Ehrenrettung seiner Mannschaft beizutragen. Die 0:1-Niederlage gegen einen der erklärten Liga-Favoriten hatte dem Trainer des SC Preußen Münster nicht nur unüberhörbar die Stimmung vermiest, sie hatte ihm regelrecht Schmerzen verursacht. „Ja, das hat mir tatsächlich wehgetan“, gab Antwerpen zu Protokoll und warnte davor, dass dieser akute Schmerz durchaus chronisch zu werden drohe. „Das war heute ein Fingerzeig, wohin unsere Reise geht.“ Dicke Luft, statt Höhenluft, dürfte das in der tabellarischen Umsetzung heißen. Schon jetzt findet sich das Team, das in dieser jungen Saison schon zwei Spieltage als Spitzenreiter beschloss, nur noch auf Rang acht wieder.

Während die Spieler noch mit Vokabeln wie „Augenhöhe“ (Fabian Menig), „unglücklich“ (Max Schulze Niehues), „ärgerlich“ (Martin Kobylanski) und unisono „unnötig“ agierten, blieb Antwerpen in seiner Analyse kompromisslos: Auch, wenn es letztlich nur ein einziger und auch noch von Sandrino Braun abgefälschter Schuss des Uerdinger Tanju Öztürk (78.) war, der zumindest auf der Anzeigentafel den Unterschied machte, sah Antwerpen am Samstag den eindrucksvollen Beleg dafür, dass „wir mit Mannschaften dieses Kalibers nicht mithalten können.“

KFC-Coach sieht „starke Preußen“

Erstaunlicherweise hatte Trainerkollege Stefan Krämer einen etwas anderen Blick auf die vorausgegangenen 90 Minuten. Der Uerdinger Coach hatte „einen Ritt auf der Rasierklinge“ gesehen, ein „offenes Spiel“ mit einer „starken“ Preußenmannschaft. Auch diese Interpretation machte durchaus Sinn. Zumindest mit Blick auf die ersten 60 Minuten, in denen die Preußen mehr vom Spiel und auch die besseren Chancen hatten. Martin Kobylanskis Freistoß an die Latte sowie zwei sehenswerte Abschlüsse von Rufat Dadashov hätten es sicher auf die Vorschlagsliste für die Wahl zur besten Torchance geschafft, wenn die Partie denn torlos über die Bühne gegangen wäre. Ging sie aber nicht.

Fotostrecke: Einzelkritik: SC Preußen Münster gegen KFC Uerdingen

„Wieder einmal“, wie Antwerpen verärgert anmerkte. „Von sechs Spielen haben wir eins zu null gespielt. Das ist viel zu wenig.“ Zuviel „Ballbesitzfußball“, zu wenig „Spiel gegen den Ball“, so könne man keine Spiele gewinnen. Antwerpen fordert von seiner Mannschaft in erster Linie solide Arbeit – und die über 90 Minuten. „Kein Spiel dauert nur 60 Minuten, da darf man nicht aufhören zu spielen.“ Doch am Samstag waren nach ziemlich genau einer Stunde elf Zuschauer mehr im Stadion, die dann aber auch nur noch eine Mannschaft bei der Arbeit sahen. Als Stundenlohn hätten die Preußen tatsächlich mindestens einen Punkt verdient gehabt, für 90 Minuten gab es verdientermaßen: nichts.

Keine Frische von der Bank

„Keine Impulse mehr, keine Frische, keine Ideen“, so Antwerpen, der auch von der Bank statt frischem Wind nur ein abgestandenes Lüftchen einwechseln konnte. Mit Tobias Warschewski für den glücklosen Rufat Dadashov, Philipp Hoffmann für den nur selten auffälligen Lukas Cueto und Kevin Rodrigues Pires für den seltsam ratlosen Sandrino Braun kam neues Personal, aber keine neue Lösungsstrategie für die Probleme, die der KFC Uerdingen in der Schlussphase am späten Samstagnachmittag verursachte.

Junge Abwehr schlägt sich wacker

Bestenfalls zwischen den Zeilen verteilte Antwerpen in homöopathischen Dosen Lob für zumindest Teile seiner Mannschaft, nämlich ausgerechnet die junge Abwehrreihe mit Lion Schweers, Jannik Borgmann, Fabian Menig und Niklas Heidemann: „Die sind ziemlich alleine gelassen worden und haben dennoch alles wegverteidigt.“

Fotostrecke: Einzelkritik: SC Preußen Münster gegen KFC Uerdingen

Bis eben zur 78. Minute, als Uerdingens Öztürk einen ungehinderten Querpass vor dem 16-Meter-Raum der Preußen unbedrängt annehmen und mit Macht ins Preußen-Herz befördern konnte. „Das war ein Mittelfeldmann, wo waren unsere Männer aus dem Mittelfeld?“, so die rhetorische Frage des Trainers, der dennoch in den nächsten Tagen auf eine Antwort im Training wartet. Vom Chancenplus zu Beginn des Spiels wollte Antwerpen nichts mehr hören: „So zwingend war das alles nicht.“ Zudem könne man sich dafür nichts kaufen: Hätte, hätte, Fehlerkette ...



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