Do., 25.10.2018

Fußball: 3. Liga Preußen-Spielklasse mit bedenklichen Zahlen, aber auch neuen Perspektiven

Telekom Sport überträgt seit 2017 alle Drittliga-Spiele live im Netz und ist damit eine wichtige Drittliga-Geldquelle. Hier interviewt Moderator Cedric Pick SCP-Trainer Marco Antwerpen (l.).

Telekom Sport überträgt seit 2017 alle Drittliga-Spiele live im Netz und ist damit eine wichtige Drittliga-Geldquelle. Hier interviewt Moderator Cedric Pick SCP-Trainer Marco Antwerpen (l.). Foto: imago/Steinbrenner

Frankfurt - 

In der 3. Liga kämpfen viele Vereine mit wirtschaftlichen Herausforderungen, und das ist sehr milde formuliert. Preußen Münster kann ein Lied davon singen. Der DFB hat nun den Saisonreport für diese Spielklasse vorgestellt. Mit bedenklichen Zahlen, aber auch neuen Perspektiven.

Von Harald Pistorius

Die 3. Liga ist auf Erfolgskurs – aber der DFB sorgt sich um die wirtschaftliche Entwicklung mancher Vereine. Bei der Vorstellung des Saisonreports 2017/18 wurde deutlich: Die Clubs geben in dieser Saison im Schnitt deutlich mehr Geld aus für Spieler und Trainer. Der Verband setzt bei der Therapie auf Zuckerbrot und Peitsche. Im Schnitt verwendet aktuell jeder Verein 3,1 Millionen für die Gehälter, zwischen knapp unter 2 bis über 6 Millionen Euro spreizen sich die Etats. Der SC Preußen dürfte sich bei etwas mehr als 3 Millionen Euro befinden.

„Es sind etwa 20 Prozent mehr als zuletzt – und das ist zu viel. Einige Clubs haben nicht den Willen zum positiven Ergebnis“, sagt Manuel Hartmann, beim DFB als Abteilungsleiter Spielbetrieb verantwortlich für das Zulassungsverfahren, mit Blick auf alle Clubs.

Nur vier Vereine schlossen 2017/18 mit einem positiven Ergebnis ab, das durchschnittliche Minus lag bei 662000 Euro, und elf Vereine wiesen ein negatives Eigenkapital aus – eine Gefahr für die wirtschaftliche Existenz. Dabei kann sich die Liga gerade in dieser Saison sehen lassen: Der Zuschauerschnitt lag bei 8300 (Vorjahr: 6132), die Fernsehpräsenz ist so hoch wie nie, der sportliche Wettkampf eng und reizvoll.

„Es hat einen deutlichen Schub nach oben gegeben“, sagt DFB-Direktorin Heike Ulrich und verweist auf viele sportliche Überraschungen, zu denen auch der SCP zählt. Erstmals könnte die deutsche 3. Liga ihr englisches Pendant im Zuschauerschnitt überholen. Bei den Live-Spielen der ARD-Regionalsender schalten bis zu 330 000 ein, die Telekom meldet bei Top-Spielen 100 000 Zuschauer.

Ihr Einstieg hat die TV-Erlöse um 25 Prozent gesteigert. Jeder Verein bekommt aus der Zentralvermarktung 1,28 Millionen Euro, inklusive TV-Honorar und Marketingerlösen sowie den gerade eingeführten Sondermaßnahmen „Financial Fairplay“ und „Nachwuchsfördertopf“. Das ist im Vergleich zur Auftaktsaison 2008/09 eine Steigerung um 135 Prozent, im Vorjahr gab es 937 000 Euro pro Club. „Auf dieser Basis ist es definitiv möglich, Profisport zu betreiben“, so Hartmann, „und es ist möglich, positive Saisonergebnisse erzielen.“

550 000 Euro, die mit Zustimmung der Vereine aus den Erlösen der Zentralvermarktung abgezweigt wurden, werden am Saisonende unter den Clubs aufgeteilt, die mit einem positiven wirtschaftlichen Ergebnis abschließen und ihre Planzahlen erfüllen. Das Finan­cial Fairplay ist ein erster großer Schritt, weitere sollen folgen und werden mit den Vereinen im „Arbeitskreis Finanzen“ ausgetüftelt.

Zudem stehen knapp 3 Millionen Euro aus DFB-Mitteln zur Verfügung, mit denen der Beitrag bei der Talentförderung zu honorieren. Die Führung von Nachwuchsleistungszentren – die Preußen haben keins – wird dabei besonders honoriert.

Die 3. Liga wird ein schwieriges Feld bleiben, die Kluft nach oben ist trotz der Steigerungsraten gewachsen. Aber der DFB hat die 3. Liga mehr im Blick als noch vor einigen Jahren. Die Perspektiven, die der Verband gibt, sollen auch eine dauerhafte Existenz in dieser Klasse wieder lohnenswert machen und nicht allein dominiert werden von einem gefährlichen Rattenrennen um die Aufstiegsplätze.

► 700 Euro kostet Preußen-Trainer Marco Antwerpen sein Verweis auf die Tribüne am 28. September im Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden. Diese Strafe sprach das DFB-Sportgericht aus. Auslöser beim 3:0-Erfolg war ein nicht geahndetes Foul an Fabian Menig, über das sich der Coach zu heftig beschwerte und sich ein Innenraum-Verbot durch Schiedsrichter Guido Winkmann einhandelte.

►Zwei Preußen müssen derzeit im Training kürzertreten. Dominik Lanius klagt über muskuläre Probleme, Lucas Cueto hat sich einen grippalen Infekt eingefangen. Ob das Duo am Sonntag (14 Uhr) beim SV Meppen auflaufen könnte, ist noch offen. Allerdings gehörten beide jüngst gegen Würzburg auch schon nicht zu Aufgebot.



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