Fußball: 3. Liga
13 Preußen-Verträge laufen aus, aber Lokalmatadoren sollen bleiben

Münster -

Nur knapp die Hälfte des aktuellen Preußen-Kaders besitzt einen Vertrag für die kommende Saison. 13 Spieler wissen noch nicht, wie es für sie weiter geht. Es deuten sich allerdings umfangreiche Umbaumaßnahmen an. Die Chancen stehen bei manchen gut, bei anderen weniger.

Dienstag, 19.02.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 19.02.2019, 18:42 Uhr
Fünf Preußen, vier von ihnen besitzen auflaufende Verträge: (v.l.) Martin Kobylanski, Tobias Rühle, René Klingenburg, Fabian Menig. Einzig Kapitän Simon Scherder (2.v.r.) ist bis 2020 gebunden.
Fünf Preußen, vier von ihnen besitzen auflaufende Verträge: (v.l.) Martin Kobylanski, Tobias Rühle, René Klingenburg, Fabian Menig. Einzig Kapitän Simon Scherder (2.v.r.) ist bis 2020 gebunden. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Saison läuft unterm Strich besser als erwartet: Hierarchie, Miteinander und Teamgefüge scheinen beim SC Preußen aktuell so gut wie lange nicht zu funktionieren. Trotzdem ist ein starker Umbruch im Sommer vorprogrammiert. Der ist nicht unüblich in der 3. Liga, hängt in Münster aber auch mit finanziellen Zwängen und dem Weggang von Trainer Marco Antwerpen zusammen.

Die Trainer des SC Preußen Münster seit 2010

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  • Im Dezember 2017 trat Marco Antwerpen den Trainerjob bei Preußen Münster an. Seinen bis Sommer 2019 laufenden Vertrag wird er nicht verlängern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann kam im Herbst 2016 in höchste Not und rettete mit einer starken Rückserie den SCP vor dem Abstieg. Der Routinier war im Verein extrem beliebt, doch im Dezember 2017 musste auch er gehen, nachdem die Preußen wieder auf einen Abstiegsplatz gerutscht waren und der Trend fatal wirkte. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Horst Steffen kam an Heiligabend 2015 als Nachfolger von Ralf Loose und musste Anfang Oktober 2016 die Preußen wieder verlassen. Als Trainer ist er gescheitert, das belegte die Tabelle, die saisonübergreifende Schreckensbilanz des 47-Jährigen und vor allem die allzu häufig leb- und ratlosen Vorstellungen der Spieler. Dennoch hat Steffen in Münster Eindruck hinterlassen. Er war immer gesprächsbereit, stets offen, selbstkritisch und bei Fans wie Spielern beliebt – vor allem war er angetreten mit der Idee eines sehenswerten Offensivfußballs. Leider schaffte diese Idee viel zu selten die Platzreife. Außerhalb des Platzes stimmte die Chemie – auf dem Feld verpuffte das Experiment mit einem leisen Zischen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nach einer Talfahrt trennte sich der SC Preußen im Dezember 2015 von Ralf Loose (5.9.2012 bis 19.12.2015). Der 52-Jährige war der elfte Trainer, der im dritten Jahrtausend die Adlerträger betreute, der neunte, der vorzeitig seine Aufgabe beenden musste, aber wohl auch der, der mit der hochkarätigsten Platzierung seinen Dienst quittieren musste. Loose hinterließ seinen SCP auf Platz sechs der 3. Liga. Lediglich Georg Kreß war im April 2007 besser platziert.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Carsten Gockel war vom 5. bis 15.9.2012 Interimstrainer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pavel Dotchev trainierte die Preußen vom 24.1.2012 bis 5.9.2013. Dotchev hatte den SCP im Januar 2012 im Abstiegskampf ans sichere Ufer geführt, dann fußballerisch weiterentwickelt. Der Vertrag des 47-Jährigen wäre noch bis Sommer 2014 gelaufen und hätte sich im Fall des Zweitliga-Aufstiegs bis 2015 verlängert. In der Vorsaison aber verpasste der SCP auf der Zielgeraden den Zweitliga-Aufstieg und stolperte bis auf Rang 16 – drei Punkte vor einem Abstiegsrang. Beim Abschied des Trainers schwang viel Sympathie mit. Einige Spieler rangen mit den Tränen, auch Dotchev kämpfte um Fassung. Interimsmäßig sprangen Gockel und Co-Trainer Babacar N´Diaye ein.

    Foto: Christian Butzhammer
  • Marc Fascher trainierte die Preußen vom 21.3.2010 bis 23.1.2012. Der gebürtige Hamburger hatte im März 2010 beim damaligen Regionalligisten aus Münster den beurlaubten Roger Schmidt ersetzt. In der Saison 2010/11 gelang der Gewinn der Meisterschaft und der Aufstieg in die 3. Liga. Es war Münsters erster Aufstieg seit 1989, Faschers Renommee glich ab sofort fast schon dem eines Helmut Horsch. Letztgenannter hatte 1989 den SCP in die 2. Bundesliga geführt. Nach einer Talfahrt der Preußen beendete Fascher im Januar 2012 die Debatten um seine Person, die Hängepartie um eine Vertragsverlängerung, mit einem Handstreich, und ging.

    Foto: Wilfried Hiegemann

13 Verträge laufen aus. Die Chancen auf Weiterbeschäftigung sehen unterschiedlich aus.

Max Schulze Niehues: Unumstritten, sowohl sportlich als auch charakterlich. Wenig spricht gegen die Weiterbeschäftigung des Torwarts, der so lange im Verein und so fest verwurzelt ist mit der Region wie kein anderer. Es sei denn, der 30-Jährige, der parallel an seiner Lehrer-Laufbahn arbeitet, erhält noch mal ein fettes Angebot aus der 2. Bundesliga.

Ole Kittner: Gekommen als Notnagel, inzwischen Abwehrchef und absoluter Führungsspieler, dazu ein waschechter Münsteraner. Die Preußen werden versuchen, ihn zu halten. Sie dürften beim 31-Jährigen auch gute Karten vorfinden, auch wenn es wohl Anfragen gibt.

Lion Schweers: Als Eigengewächs hat der 22-Jährige eine gute Entwicklung genommen, die 2. Liga traut nicht nur er selbst sich zu. Zurzeit aber Reservist, dazu muss er mehr aus sich rauskommen. Es gibt auch Stimmen, die ihm zu einem Tapetenwechsel raten.

Benjamin Schwarz: Der Kaderälteste (32) ist schon seit vier Jahren beim SCP, damals war der Verein noch eine lukrative Adresse. Seine Rückkehr nach München steht nun bevor, obwohl er seit dem Herbst nahezu verletzungsfrei ist. Als Backup und Typ wertvoll, momentan aber zweite Wahl.

Fabian Menig: Die Zukunft des 24-Jährigen ist offen. Er ist Stammkraft und ein echter „Mentalitätsspieler“, hofft aber auch auf eine Chance in der 2. Liga. Kommt von dort ein Angebot, hätte Münster es schwer. Dennoch ist ein Verbleib möglich.

Sandrino Braun: Gerade als Kilometerfresser wieder gefragt, aber vermutlich in seiner letzten Halbserie. Der 30-Jährige wird nicht erneut das aushandeln können, was bei seiner Verpflichtung 2016 noch möglich war.

Danilo Wiebe: Macht nach Kreuzbandriss und einem Jahr derzeit die letzten Schritte Richtung Comeback. Logisch, dass er sich noch so oft wie möglich zeigen will. Ausgeschlossen ist ein Verbleib nicht, dazu darf der 24-Jährige allerdings keinen Rückfall erleiden, denn eine weitere Saison ohne Planungssicherheit kann sich der Verein kaum leisten.

René Klingenburg: Große Aufgaben locken nach einer bislang starken Saison. Vielleicht die 2. Liga, vielleicht England? Der physisch starke Akteur steht hoch im Kurs. Die Preußen haben allenfalls Außenseiterchancen.

Moritz Heinrich: In eineinhalb Jahren konnte er sich nie dauerhaft behaupten. Verbleib daher sehr fraglich. Martin Kobylanski : Der Top-Scorer war enttäuscht, dass mit ihm noch nicht gesprochen wurde. Auch er würde sich gern noch mal höherklassig beweisen. Derzeit mit kleinem Durchhänger. Tendenz Absprung.

Lucas Cueto: Ähnlich wie Heinrich wurde der 22-Jährige nie zur erhofften Angriffswaffe, trotz kleinerer Ausreißer nach oben. Stand im Sommer sogar schon vor dem Aus.

Philipp Müller: Erst Verletzungsprobleme, dann gute Ansätze. Ob er nach einer Spielzeit eine weitere Chance bekommt, hängt auch vom Verlauf der nächsten Wochen ab.

Tobias Rühle: Für den 28-Jährigen gilt fast das Gleiche wie für Braun. Kam vor drei Jahren noch zu völlig anderen Konditionen. Sportlich immer gefragt, aber zuletzt auch nicht mehr unverzichtbar. Dürfte gehen.

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