Fußball: 3. Liga
Fanport-Besuch von Veranstaltungsleiter Hennemann und Preußen-Präsident Strässer geplant

Münster -

Nicht alle offenen Fragen wurden beantwortet, doch fast alle Teilnehmer der Diskussionsrunde zum Sicherheitskonzept beim SC Preußen gingen schlauer und mit einem guten Gefühl heim. Auch Veranstaltungsleiter Thomas Hennemann, der mehrfach unter Beschuss geriet, näherte sich an.

Donnerstag, 06.02.2020, 13:22 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 16:23 Uhr
Veranstaltungsleiter Thomas Hennemann geriet am Mittwoch unter Beschuss, ging aber später auf die Fans zu.
Veranstaltungsleiter Thomas Hennemann geriet am Mittwoch unter Beschuss, ging aber später auf die Fans zu. Foto: SCP

Im ersten Teil der Diskussionsrunde wirkte es so, als wollten viele Preußen-Fans einfach Dampf ablassen. Präsident Christoph Strässer hatte nach den Konflikten der Vorwoche (die später zurückgenommene neue Zuwegung für die Blöcke O, A und B) in die Haupttribüne gebeten – und sofort hagelte es Vorwürfe. Oft thematisierte, aber nie zur Zufriedenheit gelöste Streitpunkte kamen auf den Tisch.

Nicht alles ließ sich ausräumen. Aber doch wurden Dinge im Laufe des Abends verständlicher. Etwa wie es zur Öffnung der Gegengerade für Gäste-Fans im Mai gegen den Karlsruher SC kam (Block H musste entgegen der bisherigen Praxis zu bleiben, Tickets waren jedoch schon verkauft). Auch dass der SCP der übermäßig hohen Anzahl an „Rot“-Spielen mit höchstem Sicherheitsaufwand und der Abgabe von Parkplätzen wegen Vorgaben von Ordnungsamt und Polizei machtlos gegenüber steht, kam bei vielen an. „Sowas darf man aber auch mal öffentlich kritisieren, ein Satz genügt“, sagte ein Teilnehmer und erntete Applaus. Strässer gelobte Besserung.

Schweren Vorbehalten sah sich einmal mehr Veranstaltungsleiter Thomas Hennemann ausgesetzt, der wie seine Familie sogar in der Vorwoche bedroht worden war. „Ich habe auch schon überlegt, die Brocken hinzuwerfen. Für den Posten habe ich mich nicht aufgedrängt“, sagte er. Sein verstorbener Vorgänger Wilfried Kramer sei „Mobbing“ ausgesetzt gewesen, jetzt gehe es in eine ähnliche Richtung. Ein Gast zählte den Ex-Polizisten gar an: „Sie sind nicht tragbar.“

Deutlich wurde: Viele Anhänger finden, dass die im bundesweiten Vergleich seit geraumer Zeit eher harmlosen und selten aggressiven Anhänger in Münster besonders scharfen Restriktionen ausgesetzt sind, die aus der Vergangenheit rühren. „Wir normalen Fans fallen hinten rüber“, lautete ein Beitrag.

Letztlich entzünden sich viele Konflikte, unter denen auch normale Stadionbesucher zu leiden haben, am Reizthema Pyrotechnik. „Polizei und Feuerwehr spielen bei weiteren Vorfällen nicht mehr mit“, sagte Hennemann. „Dann können wir den Betrieb einstellen. Darauf haben wir keinen Einfluss. Wäre es nach ihnen gegangen, hätten wir den Block schon zugemacht.“ Auch der in einer Vereinsmitteilung noch mal beschriebene Fall eines „lebensgefährlich“ Verletzten heizte die Stimmung kurzzeitig auf. Einige Besucher hatten ganz andere Infos, der Betroffene sei sogar von Beamten zur Anzeige gedrängt worden.

Doch beide Seiten näherten sich später ein wenig an. Hennemann, der bisher keinen Kontakt zur aktiven Fanszene pflegte, und Strässer wollen bald das Angebot annehmen, vor einem Heimspiel den Fanport, wo sich auch viele Ultras treffen, zu besuchen. „Ich hatte bisher nie Feedback und beherzige den Vorschlag, vielleicht hatte ich Berührungsängste.“

Warum Verantwortliche gerade in Münster und nirgendwo anders persönlich für Vergehen der Ultras haften sollen, blieben aber im Dunkeln. Oder warum der Bekanntgabe-Zeitpunkt der Blocktrennung letzte Woche gezielt hinter die Jahreshauptversammlung gelegt wurde. Das Pyro-Thema kommt beim nächsten Vorfall auch garantiert wieder auf den Tisch. Mit einem schlechten Gefühl gingen trotzdem nur wenige nach Hause. „Das nächste Mal machen wir so eine Veranstaltung, wenn das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen ist“, sagte Strässer. Der Präsident kündigte für März noch eine Arbeitsgruppe für das lange überfällige Leitbild an. Zwischendurch wirkte der 70-Jährige bei all der Kritik angefasst. Für sein Engagement erfuhr er letztlich aber auch großen Zuspruch.

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