Fußball: Stimmungsbild spricht für Fortsetzung der Saison in der 3. Liga
10:8 – Münster bleibt beim Nein

Frankfurt/Münster -

Die Entscheidung ist vertagt, aber eine Tendenz ist erkennbar. Zehn von 20 Fußball-Drittligisten votierten dafür, dass unter gegebenen Umständen die nach dem 27. Spieltag am 9. März unterbrochene Saison wieder aufgenommen werden soll. Acht Clubs sagten „Nein“, darunter auch der SC Preußen Münster . Interessanterweise enthielten sich mit dem 1. FC Kaiserslautern und dem SV Meppen zwei Vereine.

Montag, 27.04.2020, 21:26 Uhr aktualisiert: 27.04.2020, 21:37 Uhr
Werden ihren SCP wohl länger nicht begleiten dürfen: Die Preußen-Fans, hier beim Gastspiel in Köln am 7. März.
Werden ihren SCP wohl länger nicht begleiten dürfen: Die Preußen-Fans, hier beim Gastspiel in Köln am 7. März. Foto: imago-images

Was verwunderlich war, schließlich hatte der Deutsche Fußball-Bund am Montag in der über vierstündigen Managertagung „nur“ ein Stimmungsbild abfragen wollen. Während im Fußball-Landesverband Westfalen (FLVW) dieses Stimmungsbild zum Beispiel eindeutig war, weil 88 Prozent der Clubs einen Saisonabbruch befürworteten, war das in der 3. Liga deutlich knapper. Zumindest aber: Pro Saison-Fortsetzung.

Peter Frymuth erklärte dazu: „Wir haben nun ein tatsächliches Meinungsbild in der 3. Liga vorliegen. Das Ergebnis der Abfrage ist von allen zu respektieren und akzeptieren. Auch wenn das Bild nicht einheitlich ist, besteht eine mehrheitliche Meinung unter den Clubs, wie im Falle einer veränderten behördlichen Verfügungslage verfahren werden sollte.“ Das sagte er als DFB-Vizepräsident Spielbetrieb und Fußballentwicklung, zuständig für die 3. Liga. Und erzählte damit nicht wirklich alles. Denn die Entscheidung über die Fortsetzung des Spielbetriebes liegt in der Hand von Politik, dann auch beim DFB, und hängt am Ende auch von der Gesundheitslage im Land ab.

Maximal 210 Menschen 

Vor der Marathon-Sitzung war ein Konzept vorgelegt worden, wie die ausstehenden Drittliga-Geisterspiele ablaufen könnten. Die Richtlinien sind dabei identisch zu denen der DFL (1. und 2. Bundesliga), was letztlich Vorbereitung, Training und Test-Organisation betrifft. Maximal 210 Menschen je Spiel wären zugelassen, Spieler, Trainer, medizinisches Personal, Medien. Elf Spieltage und damit 110 Punktpartien sowie die zwei Relegationspartien zum Aufstieg stehen noch aus.

Letztendlich nicht geklärt ist, ob die von Borussia Dortmund, Bayern München, RB Leipzig und VfL Wolfsburg versprochenen 7,5 Millionen Euro für darbende 19 Drittligisten und sechs Frauen-Erstligisten ausgeschüttet werden, wenn keine Geisterspiele ausgetragen werden. Fakt ist, dass die ausgelobten 300 000 Euro finanzielle Probleme bei vielen Vereinen lindern würden. Aber: Geisterspiele würden, so der MSV Duisburg, 260 000 Euro Zusatzkosten bringen – je Partie. Die „Zebras“ wollen als Tabellenführer nur aus einem Grund weiterspielen: Sie hätten beim Saisonabbruch keine Gewissheit, dass sie aufsteigen dürfen.

Kampf um die eigenen Interessen

„Wir haben einen intensiven Diskussionsprozess in den vergangenen Tagen und Wochen hinter uns, in dessen Verlauf leider an einigen Stellen der angemessene Ton verloren gegangen ist“, meldete sich auch Tom Eilers, Vorsitzender des Ausschusses 3. Liga, zu Wort. Waldhof Mannheims Vorstoß, die Saison auch deshalb abzubrechen, weil der Vater eines Spielers am Corona-Virus verstorben sei, wurde von der Konkurrenz als populistisch abgetan. Nur ein Beispiel. Preußen Münster hält fest daran, dass die gesundheitlichen Aspekte und die wirtschaftlichen Realitäten eine Fortführung der Spielzeit ausschließen. Klares „Nein“ von der Hammer Straße.

Natürlich hatten sich Fronten aufgetan. Augenfällig war, dass vor allem Teams mit Aufstiegschancen unbedingt die Wiederaufnahme des Spielbetriebs einforderten. Auf der anderen Seite stecken sieben von acht Vertretern der Fraktion „Saisonabbruch“ im Abstiegskampf fest. Es ist – natürlich – auch ein Kampf um die eigenen Interessen, und da ist die Gangart deutlich härter geworden zuletzt.

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