Fußball: 3. Liga
Preußen Münster: die Verlustfalle Geisterspiele?

Münster -

Saisonabbruch oder Geisterspiele? Auch Preußen Münster könnte sich diese Frage in wenigen Tagen stellen, sollten nicht nur in den beiden Bundesligen Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit erlaubt werden. SCP-Geschäftsführer Bernd Niewöhner beziffert den wirtschaftlichen Unterschied: Mindestens 210 000 Euro in der vermutlich sowieso schon negativen Saisonabrechnung oben drauf - bei Geisterspielen.

Montag, 04.05.2020, 18:42 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 11:09 Uhr
Vielleicht nicht mehr lange: Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs beim SC Preußen ist nicht ausgeschlossen.
Vielleicht nicht mehr lange: Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs beim SC Preußen ist nicht ausgeschlossen. Foto: Oliver Werner

Preußen Münster sowieso, aber alle anderen Fußball-Drittligisten auch, warten auf den Mittwoch. Stichtag 6. Mai. Erhalten da die Vereine aus der 1. und 2. Bundesliga „grünes Licht“ für die Fortsetzung der Saison im Geisterspiel-Modus, dann ist die Fortführung in Liga drei auch nicht mehr weit. Die Bundesligisten scharren mit den Hufen, alle Vereine haben längst das von Behörden zu genehmigende Training in Kleinstgruppen aufgenommen.

In der 3. Liga ist das Bild bei Weitem nicht so stringent. Aber immerhin 13 Vereine haben den Übungsbetrieb bereits wieder angekurbelt. Großaspach, Meppen, Jena, Magdeburg, Halle, Zwickau und auch Preußen Münster sind noch in einer Art „Tiefschlaf“, wie es SCP-Geschäftsführer Bernd Niewöhner nennt. Am Wochenende waren es noch acht Clubs, die rigoros für den Saisonabbruch plädierten und eben nicht das Training – in welcher Form auch immer – aufgenommen hatten, nun scherte auch der Chemnitzer FC aus. Die Front der absoluten Gegner einer Wiederaufnahme der Saison bröckelt. Es wird Zeit für Plan B.

Zeitliche Gerüst eigenwillig

Dabei ist das zeitliche Gerüst bereits eigenwillig. Fällt am 6. Mai die Entscheidung pro Geisterspiele, wäre spätestens am 23./24. Mai ein Re-Start der Bundesligen denkbar. Der 3. Liga auch? Eher nicht, aus sportmedizinischen und trainingswissenschaftlichen Aspekten wäre das unklug. Liga drei könnte am 30./31. Mai wieder auf Sendung gehen, dann bliebe ein 30-tägiger Korridor, um die elf Spieltage „durchzuballern“. Denn tatsächlich müssten die 1. und 2. Bundesliga sowie die 3. Liga zeitgleich enden, damit a.) vor dem 30. Juni die Saison endet und b.) Wettbewerbsgleichheit vor den Relegationsspielen besteht. Kurios: Erst am 25. Mai soll der außerordentliche DFB-Bundestag über einen Saisonabbruch in seiner höchsten Spielklasse, der 3. Liga, befinden.

Derweil wurde in der Montags-Ausgabe des Kicker-Sportmagazin für die 3. Liga die Rechnung aufgemacht, wie viel Verlust bei Saisonabbruch oder bei Beendigung im Geisterspiele-Modus droht. „Verschärfte Finanzlage“, lautet die Überschrift – tatsächlich gibt es nur diese Szenarien, und beide kosten die Clubs Geld. Bei sofortigem Saisonabbruch rechnet das Fußball-Fachblatt vor, dass der DFB in einer internen Abrechnung von 31 Millionen Euro Verlust für die Drittligisten ausgeht. Durchschnittlich 1,55 Millionen Euro „Miese“ hieße das, das Delta bei den Vereinen beliefe sich auf 600 000 Euro bis 3,2 Millionen Euro. Der SCP dürfte in dieser Rechnung knapp eine Million Euro verlieren. Dem Verlust von 45 Millionen Euro durch dann fehlenden „Ertrag in Werbung, Merchandising, Catering, TV und Ticketing“ stünden Ersparnisse über „etwa 14 Millionen Euro“ gegenüber, eingerechnet sind Summen bei „Ordnungsdienst, Reisekosten, Stadionnutzung oder Prämien“. Verlust für die Liga: 31 Millionen Euro.

Zweite Verlustrechnung

Anders fiele die Verlustrechnung bei Austragung von Begegnungen ohne Zuschauer aus. Da hätten die Vereine rund 15 Millionen Euro weniger Einnahmen, aber auch rund drei Millionen Euro weniger Kosten. Der Verlust der Vereine würde nach Ansicht des DFB durchschnittlich 600 000 Euro betragen, das Delta betrüge zwischen 60 000 Euro und 1,8 Millionen Euro. Der SCP würde sich in dieser Kalkulation wohl im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich einpendeln. Verlust für die Liga: Zwölf Millionen Euro.

Niewöhner hat derweil für den SCP eine Rechnung aufgemacht, wo der Unterschied zwischen Saisonabbruch und Geisterspielen liegen würde. Münster würde noch Gelder aus der Zentralvermarktung, Sponsoren-Beiträge, einiges aus der Aktion der Supporters und möglicherweise auch die DFL-Gabe von rund 300 000 Euro pro Club unter der Verwaltung des DFB erhalten.

Kosten für Hotels, Geschäftsstelle, aber auch das Ende der Kurzarbeit sowie Beiträge für die Berufsgenossenschaft würden am Ende gegeneinander aufgerechnet. Bilanz: Der SCP hätte bei Geisterspielen weitere 210 000 Euro Verlust gegenüber dem Abbruchszenario – und das ist konservativ kalkuliert.

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