Fußball: Regionalliga
Warten auf Entscheidungen bei den Preußen

Münster -

Die positiven Meldungen rund um Preußen Münster lassen auch knapp 14 Tage nach dem Abstieg auf sich warten. Ein paar Rahmenbedingungen sind immerhin abgesteckt, doch obwohl sich der Sturz in die Regionalliga lange angedeutet hatte, ist noch vieles im Unklaren.

Montag, 13.07.2020, 20:24 Uhr aktualisiert: 13.07.2020, 21:02 Uhr
Vor elf Jahren: Mehmet Kara (links) und Torschütze Wojciech Pollok mach dem Last-Minute-Ausgleich zum 1:1 in Essen
Vor elf Jahren: Mehmet Kara (links) und Torschütze Wojciech Pollok mach dem Last-Minute-Ausgleich zum 1:1 in Essen Foto: Jürgen Peperhowe

Seit knapp zwei Wochen steht der SC Preußen Münster als Absteiger in die Regionalliga fest. Die schnellen Entscheidungen über die ersten beiden wichtigen Personalien sind dabei weder beschlossen noch verkündet. Den Preußen fehlen ein Trainer und ein Sportlicher Leiter, nur mit diesem Gespann kann der Club den Neuanfang in der vierten Liga in Angriff nehmen und ein wettbewerbstaugliches Aufgebot auf die Beine stellen. Transfers und Vertragsverlängerungen bei Spielern kommen erst dann.

Die Marschroute ist klar, dass keine Spieler verpflichtet oder verlängert werden, ehe das sportliche Entscheidungsduo ernannt ist. „Wir werden dem Trainer keine Spieler vorschreiben“, erklärte Bernhard Niewöhner, der kaufmännische Geschäftsführer der ausgegliederten Profi-Abteilung. Was letztlich auch heißen soll: eines nach dem anderen. Zumindest die Trainerfrage soll in dieser Woche geklärt sein, die des Sportlichen Leiters zeitlich nicht weit entfernt davon.

Przondziono ein Thema?

Bislang stehen beim SC Preußen sieben Spieler aus dem Drittliga-Aufgebot unter Vertrag. Gian-Luca Przondziono (SF Lotte) soll dem SCP angeboten worden sein. Der 22 Jahre alte Defensivspezialist Okan Erdogan ist dagegen von anderen Vereinen umworben, hat aber einen gültigen Kontrakt in Münster. Akteure wie Luca Schnellbacher, Lucas Cueto, an dem Viktoria Köln interessiert sein soll, der achtfache Torschütze Heinz Mörschel oder Seref Öczan stehen vor dem Absprung, ihre Verträge haben in der Regionalliga keine Gültigkeit mehr. Was aus den Routiniers, angefangen bei Torwart Max Schulze Niehues über die Verteidiger Simon Scherder und Ole Kittner bis zu Winter-Transfer Jan Löhmannsröben wird, ist zudem offen. Die Profis befinden sich praktisch auf Standby, Geduld ist gefragt.

Preußen-Saisonstatistik 2019/20

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  • Einsätze: Kapitän Julian Schauerte verpasste nur eine Partie (in Mannheim) gelbgesperrt. 34-mal am Ball waren Heinz Mörschel und Torhüter Max Schulze Niehues. Auf 33 Einsätze kam Luca Schnellbacher, auf 32 Simon Scherder, Okan Erdogan und Seref Özcan, auf 31 Kevin Rodrigues Pires. Insgesamt wurden 26 Akteure eingesetzt. Ugur Tezel, Naod Mekonnen (1 Spiel) und Marcel Hoffmeier (2) firmierten als Kurzarbeiter. Im Schnitt waren die Profis auf dem Feld 26,1 Jahre alt. Zehn Teams waren aber noch jünger.

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  • Spielminuten: Die 3330 von Schauerte sind natürlich unübertroffen. Stolze Werte liefern aber auch Schulze Niehues (3060) und Scherder (2806). Der Abstand auf Schnellbacher (2246), Mörschel (2215), Fridolin Wagner (2193), Rodrigues Pires (2120) und Özcan (2036) ist schon gehörig.

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  • Tore: Wer hätte das gedacht? Mörschel war mit acht Treffern bester Schütze, der im Winter abgebrauste Rufat Dadashov und Maurice Litka erzielten jeweils sechs, Schnellbacher und Lucas Cueto je fünf Tore.

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  • Assists: Nicht schlecht für einen Abwehrspieler – acht Treffer bereitete Schauerte vor. Schnellbacher und Özcan legten sechsmal auf, Rodrigues Pires viermal, Cueto und Ole Kittner dreimal.

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  • Scorer: Die Scorer-Wertung führen die Königstransfers Schnellbacher und Schauerte mit elf Punkten an, es folgen Mörschel (9), Litka, Cueto, Dadashov (je 8) und Rodrigues Pires (7).

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  • Joker: Am letzten Spieltag setzte sich Litka hier mit zwei Toren nach Einwechslung noch an die Spitze. Auch Grodowski, Dadashov, Cueto, Schnellbacher, Mörschel und Özcan trafen, nachdem sie zunächst auf der Bank gesessen hatten.

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  • Karten: Die häufigsten Gelbsünder waren Scherder und Fridolin Wagner (je 9). Auch Jan Löhmannsröben, Litka, Mörschel (je 8), Rodrigues Pires, Erdogan (je 7), Schauerte (6) und Schnellbacher (5) handelten sich eine Sperre ein. Rot sahen Wagner und Niklas Heidemann, die Ampelkarte erhielten Scherder, Kittner und wiederum Wagner, der damit ligaweit auf Platz zwei in der Wertung der „Bösen Buben“ liegt.

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  • Noten: Top-Preuße – wen wundert es – ist Keeper Max Schulze Niehues (Schnitt 2,76). Die Winter-Zugänge Löhmannsröben (3,00) und Oliver Steurer (3,16) folgen dahinter. Scherder (3,22), Özcan (3,28), Wagner (3,38), Cueto (3,39), Alexander Rossipal (3,45) und Erdogan (3,46) liegen außerdem noch im passablen Bereich.

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  • Teilzeitkraft I: Häufigster Joker war Joel Grodowski mit 14 Einwechslungen bei 15 Einsätzen (1 Tor). Elfmal kam Philipp Hoffmann rein, zehnmal Erdogan und Marco Königs, neunmal Heidemann, Özcan und Mörschel.

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  • Teilzeitkraft II: 19-mal ausgewechselt wurde Litka, 15-mal Özcan und Rodrigues Pires, elfmal Schnellbacher, zehnmal Mörschel.
    Zuschauer: In der Coro

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  • Zuschauer: In der Corona-Saison eigentlich keine messbare Größe, zumal einige Vereine sechs Geisterspiele zu Hause austragen mussten, andere (wie Münster) nur fünf.  91 716 Besucher kamen in den 14 Partien an die Hammer Straße (Schnitt 6551). Das reicht ligaintern nur für Platz elf hinter Krösus Braunschweig, Kaiserslautern, Magdeburg, 1860 München, Duisburg und Rostock, aber auch hinter Mannheim, Halle, Meppen und Ingolstadt. 

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  • Elfmeter: Vier Strafstöße erhielt der SCP in dieser Saison, alle waren drin. Mörschel verwandelte zweimal, Cueto und Dadashov einmal. Vier Elfmeter bekamen die Preußen gegen sich. Einen davon hielt Schulze Niehues.

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  • Positivserie: Zwei Siege am Stück gab es für Münster nur einmal: Kurz vor der Corona-Pause kam nach dem 2:0 beim KFC Uerdingen der 1:0-Heimsieg gegen Hansa Rostock.

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  • Negativserie: Zwischen Anfang August und Mitte Dezember warteten die Adler dagegen 13-mal auf einen Erfolg.

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  • Tabellenplätze: Beste Position war Rang vier nach dem zweiten Spieltag. Seit Runde zehn, also Ende September, steht Münster unterhalb der roten Linie. Schlechteste Position war vom 14. bis 21. Spieltag Rang 19, seitdem war der SCP mit einer Ausnahme immer 18.

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  • Heimbilanz: Im Preußenstadion holten die Westfalen sieben Siege und sechs Unentschieden, was bei 27:30 Toren zu 27 Punkten und Rang zwölf in diesem Ranking führt.

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  • Auswärtsbilanz: Sie ist grauenhaft. Nur zwei Siege in 19 Anläufen, insgesamt 13 Zähler, vorletzter Platz bei 22:32 Treffern.

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  • Halbzeit: Neunmal führte Münster zur Pause, nur fünfmal langte das zum Sieg. Nur einer von zehn Rückständen zum Seitenwechsel konnte anschließend noch zu einem Erfolg umgebogen werden. Insgesamt steht nach der ersten Hälfte Rang 14 mit 46 Punkten (21:24 Tore) zu Buche. Halbzeit zwei hingegen sieht die Preußen mit 40 Punkten auf dem 19. Rang (28:38 Tore).

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  • Ewige Tabelle: Hier steht Preußen weiter auf Rang sechs. Diese Position dürfte der Club zumindest für eine Saison auch verteidigen, da von hinten nur der Hallesche FC anrauscht (66 Zähler weniger). Münster kommt nach neun Drittliga-Jahren auf 342 Spiele, 125 Siege, 98 Unentschieden, 119 Niederlagen, 450:421 Tore und unterm Strich 473 Punkte.

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  • Die Saisonbilanz im Überblick.

    Foto: Manfred Krieg

Der SCP befindet sich in einer Art Warteschleife, erwartet wird eigentlich die Zusage von Sascha Hildmann, der den Club im Januar übernahm. Ihm wird der Neuaufbau zugetraut. „Wir haben vier, fünf Kandidaten für den Sportlichen Leiter in der Auswahl“, sagt Niewöhner, er berichtet von einer Vielzahl intensiver Gespräche. Und: „Vielleicht wird dieser Kandidat ein ganz anderes Gesicht haben.“ Niewöhner meint damit wohl den Vergleich zum bisherigen Sportchef Malte Metzelder, der neben dem sportlichen Bereich auch andere Gebiete „beackert“ hatte. Viele Namen wurden dabei kolportiert, am Wochenende kamen Ex-Spieler Sercan Güvenisik, der mittlerweile als Spielerberater von European Soccer Connection GM tätig ist, und der „Meistercoach von 2011“, Marc Fascher, dazu. Beide dürften kein Thema beim SCP sein.

Geisterspiele drohen

Niewöhner und seine Mitstreiter müssen vielmehr die Eckdaten für den SCP in der nächsten Saison so gut es geht festzurren. Die Saison soll am ersten September-Wochenende starten, in der 21er-Liga stehen 40 Spieltage an. Allerdings ist nicht klar, ob auch die Regionalliga West mit mehreren Spieltagen im Geisterspielmodus starten wird. In diesem Falle wäre das ein wirtschaftliches Desaster, würde zum Beispiel ein Kassenmagnet wie Preußen Münster gegen RW Essen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen. Die Landesregierung NRW hatte am Sonntag die Zuschauergrenze auf 300 Besucher ausgedeht, für eine noch höhere Kapazität müsste ein entsprechendes Hygienekonzept vorgelegt werden. Niewöhner: „Die Erhöhung auf 300 Zuschauer hilft uns nicht weiter.“

Konkurrent RWE

Der SCP würde in der Regionalliga von einem Zuschauerschnitt von rund 4000 plus x Besuchern ausgehen, zwischen 1,5 und 1,7 Millionen Euro wären für einen schlagfertigen Kader aufzubringen – was weit weg ist von den über vier Millionen Euro, die angeblich RW Essen für sein sportliches Aufgebot ausgeben kann.

Positiv ist gegenwärtig, dass es kaum Regress-Forderungen von Zuschauern oder Sponsoren für entgangene Heimspiele gibt. Auch Vermarkter Sportfive (ehemals Lagardère), so Niewöhner, habe da einen „guten Job in der Krise gemacht“.

Andererseits bleiben offene Fragen, nur ein Auszug ist: Bleibt der Hauptsponsor Sunmaker? Wer bleibt von den bisherigen Sponsoren? Wer kann nur mit reduziertem Engagement bleiben? Wer muss sich in Corona-Zeiten aus dem Sponsorenpool zurückziehen? Ein harter Etat mit validen Zahlen ist wohl erst in einigen Wochen vorhanden.

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