Fußball: Regionalliga
Gemeinsame Sache der Preußen-Urgesteine Scherder und Schulze Niehues

Münster -

Erst verlängerte Max Schulze Niehues, dann Simon Scherder. Beide Preußen-Urgesteine wollen also vorangehen, sie zeigen ein Herz für den Verein. Gerade der Verteidiger hatte auch in eine andere Richtung überlegt, doch Sportdirektor Peter Niemeyer und ihn verbindet nicht nur die gemeinsame Herkunft.

Montag, 03.08.2020, 18:28 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 21:33 Uhr
Applaus für Simon Scherder, der an Bord bleibt.
Applaus für Simon Scherder, der an Bord bleibt. Foto: Jürgen Peperhowe

250 Zuschauer waren zum Trainingsauftakt von Preußen Münster auf der Tribüne erlaubt, 250 kamen auch. Ein Zeichen von Neugier, von Interesse, vielleicht auch ein kleiner Vertrauensvorschuss, obwohl allenfalls die Hälfte des endgültigen Kaders mitwirkte.

Das Publikum gab sich wohlgesonnen und hatte gleich zu Anfang Grund zur Freude. Denn als kleinen „Knalleffekt“, wie ihn Sportchef Peter Niemeyer angekündigt hatte, lief Simon Scherder mit ein. Der 27-Jährige, dessen Vertrag ausgelaufen war, hatte mit der 3. Liga und einem Vereinswechsel nach 14 Jahren geliebäugelt, entschied sich nun aber anders. Für wie lange er unterzeichnete, blieb offen, das will der SCP künftig nicht mehr kommunizieren. „Wir brauchen genau solche Spielertypen“, so Sportdirektor Peter Niemeyer.

Beifall, gereckte Fäuste, Jubelschreie

Die Reaktion der Zuschauer gab ihm recht. Beifall, gereckte Fäuste, Jubelschreie waren flächendeckend oder vereinzelt zu sehen. Scherder, der in der C-Jugend nach Münster kam, eine lange Leidenszeit hatte, aber auch Kapitän, Leistungsträger und Identifikationsfigur war oder ist, setzt mit seinem Verbleib auch ein kleines Signal. „Natürlich hat der Abstieg geschmerzt, aber ich möchte die Preußen wieder da hinbringen, wo sie hingehören“, sagt der Abwehrspieler, der auf 141 Drittliga-Einsätze und 15 Tore kommt.

Gilic bleibt, Borgmann fit

Coach Sascha Hildmann hatte wenig zu meckern. „Ist doch gut verlaufen“, sagte er nach der ersten Einheit.“ Er konnte elf gegen elf spielen lassen, obwohl nur 13 Profis im Kader stehen, von denen Okan Erdogan auch noch verletzt ist (rechnet selbst mit vier Wochen Pause). Er sah das Comeback des Pechvogels Jannik Borgmann, der drei Zeh-Operationen in der Vorsaison über sich ergehen lassen musste. Und er nahm seinen Torwarttrainer Milenko Gilic, der seinen Vertrag bis zuletzt nicht verlängert hatte, mit auf den Rasen – alles geklärt. Auch die sportärztlichen Untersuchungen sind inzwischen absolviert.

...

Zwischenzeitlich roch es nach Abschied. „Ja, ich habe auch überlegt“, gesteht er. „Mir wurde dann aber klar gemacht, dass der Verein mich unbedingt halten will.“ Der Dreierwalder Scherder und der Riesenbecker Niemeyer – beides Stadt Hörstel – hatten zudem gleich eine geografisch-kulturelle Grundlage.

Niemeyer, Hildmann und Strässer wenden sich an die Fans

„Da wollte ich dann auch nicht mehr groß rumeiern.“ Interessant: Mit Keeper Max Schulze Niehues, der am Donnerstag verlängerte, war das Eigengewächs im Austausch. Beide sprachen sich also salopp gesagt ab. „Eine gute Rolle können wir auf jeden Fall spielen“, sagt Scherder. „Der Markt gibt noch eine Menge her.“ Nur sein eigener Name ist von dort verschwunden.

Während der Innenverteidiger seinen Dienst im Trainingsspiel verrichtete, wandten sich Niemeyer, Trainer Sascha Hildmann und Präsident Christoph Strässer per Mikro an die Fans. Es kam – keine Sensation – gut an.

Sechs externe und vier interne Gäste

Gleich sechs Trainingsgäste wirkten am Montag mit. Sie bleiben auch allesamt noch einige Tage und füllen nicht nur die Gruppe auf. „Die Jungs sind alle interessant und hier, um sich zu empfehlen“, sagt Sportchef Peter Niemeyer. Florian Zorn (zuletzt U 19 Eintracht Frankfurt) gelang auch gleich der erste Treffer. Außerdem wirkten Linksverteidiger Dylan Kuete (1. FC Kaiserslautern II), der Münsteraner Nico Lübke (VfL Bochum U 19), Mittelfeldmann Gianluca Przondziono (SF Lotte) sowie Linksverteidiger Tobias Mißner und Offensivspieler Cedric Euschen (beide SV Wehen Wiesbaden) mit. Aus der eigenen A-Jugend spielte Deniz Bindemann vor, aus der U 23 waren Loris Deiters, Ousman Touray und der frisch aus dem Nachwuchs des VfL Bochum verpflichtete Florian Püschel dabei.

...

 

Preußen-Saisonstatistik 2019/20

1/20
  • Einsätze: Kapitän Julian Schauerte verpasste nur eine Partie (in Mannheim) gelbgesperrt. 34-mal am Ball waren Heinz Mörschel und Torhüter Max Schulze Niehues. Auf 33 Einsätze kam Luca Schnellbacher, auf 32 Simon Scherder, Okan Erdogan und Seref Özcan, auf 31 Kevin Rodrigues Pires. Insgesamt wurden 26 Akteure eingesetzt. Ugur Tezel, Naod Mekonnen (1 Spiel) und Marcel Hoffmeier (2) firmierten als Kurzarbeiter. Im Schnitt waren die Profis auf dem Feld 26,1 Jahre alt. Zehn Teams waren aber noch jünger.

    Foto: Peperhowe
  • Spielminuten: Die 3330 von Schauerte sind natürlich unübertroffen. Stolze Werte liefern aber auch Schulze Niehues (3060) und Scherder (2806). Der Abstand auf Schnellbacher (2246), Mörschel (2215), Fridolin Wagner (2193), Rodrigues Pires (2120) und Özcan (2036) ist schon gehörig.

    Foto: Peperhowe
  • Tore: Wer hätte das gedacht? Mörschel war mit acht Treffern bester Schütze, der im Winter abgebrauste Rufat Dadashov und Maurice Litka erzielten jeweils sechs, Schnellbacher und Lucas Cueto je fünf Tore.

    Foto: Peperhowe
  • Assists: Nicht schlecht für einen Abwehrspieler – acht Treffer bereitete Schauerte vor. Schnellbacher und Özcan legten sechsmal auf, Rodrigues Pires viermal, Cueto und Ole Kittner dreimal.

    Foto: Peperhowe
  • Scorer: Die Scorer-Wertung führen die Königstransfers Schnellbacher und Schauerte mit elf Punkten an, es folgen Mörschel (9), Litka, Cueto, Dadashov (je 8) und Rodrigues Pires (7).

    Foto: Peperhowe
  • Joker: Am letzten Spieltag setzte sich Litka hier mit zwei Toren nach Einwechslung noch an die Spitze. Auch Grodowski, Dadashov, Cueto, Schnellbacher, Mörschel und Özcan trafen, nachdem sie zunächst auf der Bank gesessen hatten.

    Foto: Peperhowe
  • Karten: Die häufigsten Gelbsünder waren Scherder und Fridolin Wagner (je 9). Auch Jan Löhmannsröben, Litka, Mörschel (je 8), Rodrigues Pires, Erdogan (je 7), Schauerte (6) und Schnellbacher (5) handelten sich eine Sperre ein. Rot sahen Wagner und Niklas Heidemann, die Ampelkarte erhielten Scherder, Kittner und wiederum Wagner, der damit ligaweit auf Platz zwei in der Wertung der „Bösen Buben“ liegt.

    Foto: Peperhowe
  • Noten: Top-Preuße – wen wundert es – ist Keeper Max Schulze Niehues (Schnitt 2,76). Die Winter-Zugänge Löhmannsröben (3,00) und Oliver Steurer (3,16) folgen dahinter. Scherder (3,22), Özcan (3,28), Wagner (3,38), Cueto (3,39), Alexander Rossipal (3,45) und Erdogan (3,46) liegen außerdem noch im passablen Bereich.

    Foto: Peperhowe
  • Teilzeitkraft I: Häufigster Joker war Joel Grodowski mit 14 Einwechslungen bei 15 Einsätzen (1 Tor). Elfmal kam Philipp Hoffmann rein, zehnmal Erdogan und Marco Königs, neunmal Heidemann, Özcan und Mörschel.

    Foto: Peperhowe
  • Teilzeitkraft II: 19-mal ausgewechselt wurde Litka, 15-mal Özcan und Rodrigues Pires, elfmal Schnellbacher, zehnmal Mörschel.
    Zuschauer: In der Coro

    Foto: Peperhowe
  • Zuschauer: In der Corona-Saison eigentlich keine messbare Größe, zumal einige Vereine sechs Geisterspiele zu Hause austragen mussten, andere (wie Münster) nur fünf.  91 716 Besucher kamen in den 14 Partien an die Hammer Straße (Schnitt 6551). Das reicht ligaintern nur für Platz elf hinter Krösus Braunschweig, Kaiserslautern, Magdeburg, 1860 München, Duisburg und Rostock, aber auch hinter Mannheim, Halle, Meppen und Ingolstadt. 

    Foto: Peperhowe
  • Elfmeter: Vier Strafstöße erhielt der SCP in dieser Saison, alle waren drin. Mörschel verwandelte zweimal, Cueto und Dadashov einmal. Vier Elfmeter bekamen die Preußen gegen sich. Einen davon hielt Schulze Niehues.

    Foto: Peperhowe
  • Positivserie: Zwei Siege am Stück gab es für Münster nur einmal: Kurz vor der Corona-Pause kam nach dem 2:0 beim KFC Uerdingen der 1:0-Heimsieg gegen Hansa Rostock.

    Foto: imago-images
  • Negativserie: Zwischen Anfang August und Mitte Dezember warteten die Adler dagegen 13-mal auf einen Erfolg.

    Foto: imago-images
  • Tabellenplätze: Beste Position war Rang vier nach dem zweiten Spieltag. Seit Runde zehn, also Ende September, steht Münster unterhalb der roten Linie. Schlechteste Position war vom 14. bis 21. Spieltag Rang 19, seitdem war der SCP mit einer Ausnahme immer 18.

    Foto: imago-images
  • Heimbilanz: Im Preußenstadion holten die Westfalen sieben Siege und sechs Unentschieden, was bei 27:30 Toren zu 27 Punkten und Rang zwölf in diesem Ranking führt.

    Foto: Peperhowe
  • Auswärtsbilanz: Sie ist grauenhaft. Nur zwei Siege in 19 Anläufen, insgesamt 13 Zähler, vorletzter Platz bei 22:32 Treffern.

    Foto: imago-images
  • Halbzeit: Neunmal führte Münster zur Pause, nur fünfmal langte das zum Sieg. Nur einer von zehn Rückständen zum Seitenwechsel konnte anschließend noch zu einem Erfolg umgebogen werden. Insgesamt steht nach der ersten Hälfte Rang 14 mit 46 Punkten (21:24 Tore) zu Buche. Halbzeit zwei hingegen sieht die Preußen mit 40 Punkten auf dem 19. Rang (28:38 Tore).

    Foto: imago-images
  • Ewige Tabelle: Hier steht Preußen weiter auf Rang sechs. Diese Position dürfte der Club zumindest für eine Saison auch verteidigen, da von hinten nur der Hallesche FC anrauscht (66 Zähler weniger). Münster kommt nach neun Drittliga-Jahren auf 342 Spiele, 125 Siege, 98 Unentschieden, 119 Niederlagen, 450:421 Tore und unterm Strich 473 Punkte.

    Foto: imago-images
  • Die Saisonbilanz im Überblick.

    Foto: Manfred Krieg

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7519971?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686217%2F2820606%2F
Nachrichten-Ticker