Fußball: SC Preußen Münster
Volltreffer, Pechvögel und ein Rücktritt nach dem Abstieg aus der 3. Liga

Münster -

16 Spieler haben den Drittliga-Absteiger SC Preußen Münster im Sommer verlassen. Fast ein kompletter Kader. Was ist aus ihnen geworden? Mit Ex-Abwehrchef Ole Kittner hat ein Kicker sogar seine Fußball-Stiefel an den Nagel gehangen.

Donnerstag, 07.01.2021, 17:54 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 17:05 Uhr
Pechvogel nach der Preußenzeit: Maurice Litka
Pechvogel nach der Preußenzeit: Maurice Litka Foto: Jürgen Peperhowe

Der vierte Abstieg des SC Preußen Münster in den vergangenen 75 Jahren schickte den Club aus der 3. Liga in die Regionalliga West. 16 Spieler verließen den Verein am Saisonende, zwei bereits in der Winterpause der Spielzeit 2019/20 – also praktisch ein kompletter Kader. Münster benötigte insgesamt drei Trainer, wobei nach Sven Hübscher (17 Spiele) und Interimslösung Arne Barez (Drei Partien) nun Sascha Hildmann auch am Neuaufbau mitwirkt. Auch der Sportchef wurde gewechselt, von Malte Metzelder ging das Amt auf Peter Niemeyer über. Wie erging es den Ex-Preußen, ein gutes halbes Jahr nach dem Abstieg? Ein Duo spielt zweitklassig, fünf Spieler landeten in der 3. Liga, sieben Akteure in der Regionalliga, einen verschlug es in die Türkei, einen anderen in die USA, einer ist im Wartestand und einer beendete seine Karriere. Hier der Überblick:

Torwart Oliver Schnitzler:Der erst 24 Jahre alte Keeper wechselte zum Drittliga-Absteiger SG Sonnenhof Großaspach. Nach sechs Partien und zehn Gegentoren dürfte er wieder das Prädikat Pechvogel für sich in Anspruch nehmen. Erst eine Rot-Sperre, dann ein Achillessehnenriss – die Saison für Schnitzler ist wohl gelaufen, Großaspach ist im Übrigen Viertletzter in der Regionalliga Südwest und damit auf einem Abstiegsrang.

Torwart Marian Prinz: Der 20-Jährige war die Nummer drei beim SCP und spielte kaum, auch nicht in der Oberliga-Reserve, ein Wechsel zu Viktoria Köln platzte, er ist vereinslos.

Abwehrspieler Ole Kittner: Der 32 Jahre alte Recke hätte gerne noch eine Saison gespielt, aber nur in Münster in der Regionalliga. Das Angebot gab es nicht, eines vom Wuppertaler SV schlug er aus, Drittligisten klopften nicht an. Also richtet sich der ausgebildete Psychologe in seinem neuen Leben gerade erst ein. Ohne aktiv Fußball zu spielen.

Abwehrspieler Alexander Rossipal:Die Leihgabe vom SV Sandhausen kehrte zum Zweitligisten zurück, kam seitdem in einer Partie zum Einsatz. Der Durchbruch lässt auf sich warten, sein Vertrag läuft bis Sommer 2021. Beim SCP enttäuschte er nicht.

Abwehrspieler Oliver Steurer: Die zweite Leihgabe der Preußen aus der Winterpause, er kehrte zum 1. FC Heidenheim zurück, verbuchte immerhin drei Meisterschaftseinsätze in der 2. Bundesliga und eine im Pokal. Auch er ist noch keine Stammkraft. Sein Vertrag endet im Sommer, beim SCP wusste er durchaus zu überzeugen.

Abwehrspieler Ugur Tezel:Der Rechtsverteidiger verabschiedete sich in der Winterpause bereits zum Nordost-Regionalligisten Berliner AK, seine wenigen Partien für Münster waren nicht berauschend. Nach schleppendem Start ist er nun Stammkraft in der Hauptstadt nach elf Einsätzen mit zwei Toren beim Tabellenfünften.

Mittelfeldspieler Jan Löhmannsröben:Münsters Sportchef Niemeyer wollte ihn halten, der 29-Jährige, erst im Winter gekommen, zog weiter. Bei Hansa Rostock ist er Führungsspieler in der 3. Liga, spielte 16-mal, traf einmal, sah eine Rote Karte – und darf berechtigt vom Zweitliga-Aufstieg träumen.

Mittelfeldspieler Philipp Hoffmann:Nach sechs Saisons in Münster gehörte er beim SCP praktisch zum Inventar. Sein Kontrakt nicht verlängert, der Ex-Saarbrücker wechselt zum Südwest-Regionalligisten FC Homburg. Beim früheren Erstligisten – auch bekannt geworden durch seine Trikotwerbung für Kondome im Jahr 1987 – schlug er voll ein, markierte zwölf Scorerpunkte in 14 Partien. In Münster waren es in 161 Einsätzen dagegen „nur“ 13 Tore und 20 Vorlagen.

Lospech schon im Sommer

Der Aufstieg scheint utopisch, nach unten wird natürlich nichts passieren – die Rückrunde könnte für Preußen Münster tabellarisch eher unspektakulär werden. Zumal ein lohnenswertes Ziel in dieser Saison auch noch entfällt. In den vergangenen Jahren hatte der Landesverband FLVW immer den zweiten Startplatz im DFB-Pokal an den Sieger eines Entscheidungsspiel zwischen dem Oberliga-Meister und dem besten westfälischen Regionalligisten vergeben (der Westfalenpokal-Sieger erhält den anderen). Aufgrund der Termindichte in dieser und möglicherweise auch in der folgenden Spielzeit wurde aber bereits im Sommer entschieden, dass diese zusätzliche Partie entfällt. Das Los entschied, dass der Erste der Oberliga 2021 und der beste Regionalligist 2022 die Tickets erhalten. Bitter für den SCP, der momentan als Fünfter in der Pole-Position wäre. Der Tabellenzweite Borussia Dortmund II darf nicht im DFB-Pokal spielen, der SV Rödinghausen liegt als „Verfolger“ bereits fünf Punkte zurück.

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Mittelfeldspieler Nico Brandenburger:Er konnte sich beim SCP nicht durchsetzen, bei Fortuna Köln ist der 25-Jährige aber erste Wahl in 18 Partien, findet die Anerkennung, die er in Münster nicht hatte – und ist mit den Südstädtern Dritter in der Regionalliga West – vor den Preußen.

Mittelfeldspieler Kevin Rodrigues Pires: Beim Wuppertaler SV ist er Stammkraft, der 29 Jahre alte Techniker schlitterte aber vom Abstiegskampf in Münster gleich in den nächsten im Stadion am Zoo. Bereitete in 14 Partien fünf Tore vor, Job erfüllt.

Mittelfeldspieler Maurice Litka:War bei Hansa Rostock auf dem Weg, zu einem der bemerkenswertesten Offensiv-Kreativen zu werden. In 16 Drittliga-Partien mit zwei Toren und vier Assists, fast immer dabei – nun beendet ein Kreuzbandriss die Saison von Litka an der Ostsee vorzeitig. Ein Pechvogel.

Mittelfeldspieler Fridolin Wagner: Darf sich beim Drittligisten KFC Uerdingen als Stammkraft beweisen – elf Spiele, drei Partien verletzt, zwei Begegnungen nach einer Roten Karte gesperrt. Hängt aber wie alle seine Teamkollegen in der Warteschleife. Mäzen Mikhail Ponomarev und sein Vier-Jahres-Plan zum Zweitliga-Aufstieg erfüllen sich nicht, der Investor zieht sich zurück, Ausgang offen. Mitte Januar soll über den Spielbetrieb und Gehälter für die Restsaison entschieden werden. Uerdingen, ein unsicheres Pflaster.

Mittelfeldspieler Heinz Mörschel:Sportlich setzte der 23-Jährige beim KFC in der 3. Liga durchaus Akzente. Die Saison in Münster hat ihn vorangebracht, sein Marktwert steigt weiter nach 14 Partien und vier Scorerpunkten beim KFC.

Mittelfeldspieler Seref Özcan:Apropos Marktwert. Özcans steigt bei transfermarkt.de auf 275 000 Euro, immerhin. Bei Menemenspor spielt er in der ersten türkischen Liga, was aber de facto die zweite Spielklasse ist. Zehn Einsätze, zwei Scorerpunkte, Rang 13 lauteten seine Kerndaten. Da ist noch Luft nach oben.

Angreifer Lucas Cueto:Der 24-Jährige blieb drittklassig und glänzt bei Viktoria Köln. Da spielen mit Rene Klingenburg und Dominik Lanius zwei weitere Ex-Preußen, dazu ist mit Pavel Dotchev ein ehemaliger SCP-Trainer am Rhein aktiv. Cueto jedenfalls überzeugt auf ganzer Linie mit sechs Toren in 14 Einsätzen für den Tabellenelften. Das nennt man wohl Volltreffer.

Angreifer Luca Schnellbacher:Bei der SV Elversberg liegt viel Preußen in der Luft: Ex-Trainer Horst Steffen betreut die Mannschaft, Sinan Tekerci hat auch früher beim SCP gespielt. Und Schnellbacher (26) trifft regelmäßig: fünf Tore in der Meisterschaft und zwei im DFB-Pokal – auch dank seiner Treffer redet Elversberg im Aufstiegsrennen der Regionalliga Südwest hinter dem SC Freiburg II wohl ein Wörtchen mit. Vier Punkte Rückstand nach 14 Spieltagen sind kein Brett für Schnellbacher & Co.

Angreifer Marco Königs: Der 30-Jährige erhielt keinen neuen Kontrakt in Münster, nach Wuppertal holte ihn Ex-Preuße Stephan Küsters. Nun stehen für ihn ordentliche fünf Treffer in 16 Einsätzen zu Buche – gegen Münster beim 1:1 traf er auch in der ersten Serie. Aber beim WSV steckt er mittendrin im Abstiegskampf der Regionalliga West.

Angreifer Rufat Dada­shov: Wanderte bereits in der Winterpause weiter zum amerikanischen Zweitligisten FC Phoenix ­Rising. Mit 15 Einsätzen und elf Toren sowie der Playoff-Teilnahme fällt seine persönliche Bilanz in Arizona wohl recht gut aus. Die Saison 2021 hat in den USA noch nicht wieder begonnen.

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