Fußball: Regionalliga West
Preußen auch in Homberg schmucklos, glanzlos, gegentorlos

Duisburg -

Die Ausbeute stimmt, der Einsatz auch. Trotzdem fehlt es momentan noch an einigen Elementen im Spiel der Preußen. Nach dem 1:0-Sieg beim VfB Homberg setzte sich aber die Erkenntnis durch, dass bei schwierigen Platzverhältnissen wie in diesen Wochen andere Tugenden zählen.

Sonntag, 07.02.2021, 14:30 Uhr aktualisiert: 07.02.2021, 15:15 Uhr
Keeper Max Schulze Niehues (2.v.l.) musste mit seinen Vorderleuten teilweise Schwerstarbeit verrichten.
Keeper Max Schulze Niehues (2.v.l.) musste mit seinen Vorderleuten teilweise Schwerstarbeit verrichten. Foto: Jürgen Peperhowe

Mehrfach griff sich Joel Grodowski ins Gesicht. In diesen Jubel waren viele, viele Emotionen verpackt. Es hatte keine privaten Gründe, sondern war einfach nur eine Erlösung nach zahlreichen vergebenen Chancen in den vergangenen Monaten. „Ich mache mir immer Druck, auch wenn mein Vater und mein Berater mir sagen, dass ich das nicht muss. Ich will immer treffen – also freue ich mich fürs Team, aber auch ein bisschen für mich. Es wurde wieder Zeit“, sagte der Siegtorschütze beim 1:0 (1:0) von Preußen Münster beim VfB Homberg.

Letztmals hatte er im November zu Hause gegen Düsseldorf II geknipst, seitdem fehlte er sogar dreimal. Alles kein Grund zur Beunruhigung, doch der 23-Jährige hat höchste Ansprüche an sich und war zuletzt unzufrieden mit seiner Ausbeute. Eine „freie Rübe“ benötige er, hatte Trainer Sascha Hildmann auf Nachfrage mit Blick auf die laufenden Vertragsverhandlungen gesagt. Spielt die Ungewissheit eine Rolle? „Vielleicht unterbewusst. Aber mir geht es ums Hier und Jetzt, ich denke von Tag zu Tag, gebe Gas. Was im Sommer ist, weiß ich nicht.“ Sportchef Peter Niemeyer wird in dieser Personalie noch Geduld brauchen.

Hoffmeier und Schwadorf neu drin

Zwei Änderungen nahm SCP-Trainer Sascha Hildmann im Vergleich zum 1:0 in Bergisch Gladbach vor 14 Tagen vor. Marcel Hoffmeier kehrte im Abwehrzentrum nach abgesessener Gelbsperre zurück, während diesmal Simon Scherder wegen der fünften Verwarnung fehlte. Roshon van Eijma blieb daneben im Team. Trotz diverser Fehler beider Innenverteidiger (Stellungsspiel, Mann-gegen-Mann, Aufbau) war der Coach im Grunde mit beiden zufrieden. Vorne links erhielt Jules Schwadorf den Vorzug vor Benedikt Zahn. Aus dem Kader, der aktuell keine Verletzten aufweist, schafften es Osman Atilgan, Justin Möbius, Gianluca Przondziono, William Møller und Naod Mekonnen nicht ins Aufgebot.

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Die war auch gerade in der ersten Hälfte am Samstag nötig. Der Ertrag aber stimmte wieder. Im dritten Spiel der Rückserie gab’s zum dritten Mal die volle Ausbeute für die Adler, zum dritten Mal stand die Null. So weit, so gut. Auch die Leidenschaft auf wie erwartet sehr tiefem und holprigem Geläuf stimmte nach einer etwa halbstündigen Orientierung. „Der Einsatz ist da, die Jungs kämpfen immer. Es kam, wie ich gesagt hatte, auf den Willen an“, sagte Hildmann, der gerade in den zehn Minuten vor der Pause eine Steigerung sah.

Allerdings war auch eine Portion Glück dabei, dass der bissige, aggressive und spielfreudige Gastgeber in seinen starken Phasen nicht traf. Cottrell Ezekwem köpfte in die Arme von Max Schulze Niehues (13.), Danny Rankl vergab sogar zweimal sichere Treffer, als er allein vor dem Keeper drüber schoss (47.) und später eine Flanke von Ricardo Antonaci aus ganz kurzer Distanz in den Himmel nickte (83.). Bei der letzten Szene war Münster nach der Ampelkarte gegen Ahmad Jafari (Arm im Gesicht von Alexander Langlitz/67.) schon in Überzahl. Souverän über die Bühne brachte der Favorit die Nummer aber keineswegs, zumal die Hausherren wütender denn je anliefen.

60 Zaungäste

Vor so vielen Zuschauern haben die Preußen seit Oktober nicht mehr gekickt. Nein, im Stadioninneren waren natürlich auch in Homberg keine Besucher zugelassen. Aber die Anlage direkt am Rheindeich gibt es her, dass hinter der deutlich erhöhten Gegengerade im wahrsten Sinne ein paar Zaungäste hinter einer Absperrung einen guten Blick aufs Spielfeld haben. Rund 60 Personen, die allermeisten aus Homberg, teils auch Spaziergänger, hatten sich daher mit dem nötigen Abstand aufgereiht.

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Langlitz, erstmals nach seiner Verletzung wieder eingewechselt, stand nicht nur beim Platzverweis im Mittelpunkt, sondern auch bei einem Innenpfosten-Kopfball nach Julian Schauertes Flanke (70.) sowie einer weiteren Großchance, als er frei an Keeper Philipp Gutkowski scheiterte und Gerrit Wegkamp den Nachschuss vergab (81.). „Wir hätten es früher entscheiden müssen. Da fehlten mir Zielstrebigkeit und Entschlossenheit, obwohl wir Abschlüsse und Umschalten die ganze Woche trainiert haben. Diesen Schritt müssen wir noch gehen, das müssen wir lernen, sowas ohne Stress zu Ende zu bringen. Schließlich kann immer ein Standard oder so durchrutschen“, sagte Hildmann. „So haben wir uns noch etwas gequält.“

Ganz ausblenden ließ sich gerade das erste Drittel aber nicht, als Homberg lauf- und zweikampfstärker auftrat und die Preußen gerade den entscheidenden letzten oder vorletzten Pass nicht genau genug spielten, zudem keinen Druck über die Außen entwickelten und zu wenig in Bewegung waren.

Drei Fragen an Julian Schauerte

Julian Schauerte traf die Latte und bereitete den Pfosten-Kopfball von Alexander Langlitz vor. Für die nächsten Wochen wagte der Kapitän eine Prognose.

Schön war dieser Sieg wieder nicht – oder sehen Sie das anders?

Schauerte: Stimmt, aber das wird wohl vorerst so zäh bleiben. Wir haben uns anfangs schwer getan und haben versucht uns reinzukämpfen. Da nimmt man ein 1:0 wie in Bergisch Gladbach schon gern mit.

Also gehen Sie davon aus, dass spielerische Akzente vorerst Mangelware bleiben?

Schauerte: Darauf müssen wir uns bei schwerem Geläuf schon einstellen. Wobei wir ja ein paar schöne Stafetten dabei hatten. Zum Beispiel meine Großchance war sehr schön rausgespielt.

Der Lattentreffer – hätten Sie den nicht machen müssen?

Schauerte: Ja, ich habe den Ball zu feste getroffen, hätte ihn besser locker geschoben. Den kann man schon machen.

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Nur einmal gelang ein Angriff ohne Makel. Über Wegkamp, Dennis Daube, Jules Schwadorf und Niklas Heidemann landete der Spielzug bei Schauerte, der aber aus bester Position nur die Latte traf (43.). Sehenswert war zumindest auch das einzige Tor, als Daube einen abgewehrten Schwadorf-Eckball wieder in die Gefahrenzone brachte, wo Grodowski aus der Drehung nach guter Annahme ins lange Eck vollendete (52.). Und seinen Gefühlen freien Lauf ließ.

Heimspiele fraglich

Ob diese Woche für die Preußen auch wirklich eine englische wird, steht noch in den Sternen. Nach dem Schneefall in der Nacht zu Sonntag ist auch das Nachholspiel gegen den SV Straelen, angesetzt für Mittwoch (19.30 Uhr), fraglich. Zwar müssen aufgrund der Geisterspiel-Regelung keine Zuschauerzuwegungen berücksichtigt werden, aber das Feld ist natürlich aktuell von einer dichten weißen Schicht bedeckt. Das gilt es nun freizuräumen. Prophylaktisch läuft seit Freitag die Rasenheizung auf halber Stärke, am Montag wird sie auf Volldampf gestellt. Bereits am Samstag steht gegen den Wuppertaler SV das nächste Heimspiel an – zumindest laut Spielplan.

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