So., 16.09.2018

1899 Hoffenheim Nagelsmann nach 1:2 bei Aufsteiger Düsseldorf bedient

1899 Hoffenheim: Nagelsmann nach 1:2 bei Aufsteiger Düsseldorf bedient

Foto: Marius Becker

Aus den Spielen gegen die Europacup-Teilnehmer Leipzig und Hoffenheim holt Aufsteiger Düsseldorf vier Punkte - dank Trainer-Fuchs Friedhelm Funkel. Die Hoffenheimer lassen viel zu viele Chancen liegen.

Von dpa

Düsseldorf (dpa) - Julian Nagelsmann war bedient. Der Jungspund musste sich der geballten Erfahrung und Cleverness von Trainer-Fuchs Friedhelm Funkel stellen - am Ende zum Leidwesen des Jüngeren.

Artig gratulierte der 31-jährige Nagelsmann dem 33 Jahre Älteren zum 2:1 (1:0)-Sieg von Aufsteiger Fortuna Düsseldorf gegen Champions-League-Starter 1899 Hoffenheim.

Es war ein Generationenduell auf der Bank. Auf der einen Seite Laptop-Nagelsmann, der immerhin schon seinen 85. Bundesligaeinsatz als Coach hatte und damit zu den Hoffenheim-Rekordmännern Ralf Rangnick und Markus Gisdol aufschloss. Auf der anderen Seite Funkel, der als Trainer mit dem Erstligarückkehrer aus dem Rheinland die 460. Partie in der deutschen Fußball-Beletage erlebte.

Und irgendwie wurde Nagelsmann ausgetrickst von Funkel, dessen 5-3-2-Taktik und der mehr als aufopferungsvollen Grundeinstellung, die der gebürtige Neusser den Spielern des Zweitligameisters eingeimpft hat. Nagelsmann wurde indes auch von seinen eigenen Leuten überlistet - im negativen Sinn, obwohl sie in puncto Ballbesitz und Kombinationsfreude eigentlich eine tolle Performance boten.

Wären da nicht die im Fußball oft so folgenschweren Versäumnisse der Kraichgauer gewesen! «Wenn wir hier 2:0 führen, kann sich keiner beklagen», hielt Nagelsmann zurecht fest. Aber weil sein Team glasklare Möglichkeiten leichtfertig vertändelte, wurde es nichts mit der gelungenen Generalprobe für den Champions-League-Auftakt am Mittwoch bei Schachtjor Donezk.

Schlimmstes Beispiel für das, was Nagelsmann später konstatierte: Kroatiens WM-Zweiter Andrej Kramarić traf in der 32. Minute aus vier Metern das leere Tor nicht. Eine «tausendprozentige Chance» sei das gewesen, betonte Nagelsmann, der sich merklich zurückhalten musste mit zu scharfer Kritik nach der zweiten Niederlage im dritten Spiel der neuen Bundesligasaison.

Im Anschluss an den Kramarić-Fauxpas sei ein Bruch im Spiel gewesen, bemerkte Nagelsmann in einer korrekten Analyse. Und: «Mich ärgern nicht die vergebenen Chancen, sondern die zwölf Minuten danach.» Alle seien damit beschäftigt gewesen, die Führung verpasst zu haben. «Wir verlieren komplett die Linie.»

Und das baute den Gegner so richtig auf. Dass die Fortuna erstligatauglich sein würde, war Nagelsmann spätestens seit dem 1:1 der Funkel-Mannschaft bei Europa-League-Teilnehmer Leipzig klar. «Es war ein leidenschaftlicher Sieg für Düsseldorf», sagte Nagelsmann mit einem indirekten, aber ehrlichen Lob an Funkel.

Schlimmere Folgen für die Auseinandersetzung mit Donezk fürchtet Nagelsmann nicht. Denn seinem Team war eines klar, wie Jung-Nationalspieler Nico Schulz deutlich machte: «Wir müssen konsequenter sein, die Chancen reinmachen und Tore schießen. Darum geht es im Fußball. Wenn du das nicht machst, wird es gegen jeden Gegner schwer. Man hat ja heute gesehen, wie man dann so ein Spiel verlieren kann.»

Ausschlaggebend seien zwei No-Go-Aktionen gewesen, klagte Nagelsmann. Eine davon führte nach dem 1:0 durch Alfredo Morales (45. Minute) und dem Ausgleich durch die eingewechselte Hoffenheimer Arsenal-Leihgabe Reiss Nelson (86.) zum Foulelfmeter, den der belgische Fortuna-Joker Dodi Lukebakio eiskalt zum Siegtreffer (88.) und zum ersten Bundesligasieg des Traditionsclubs nach 2037 Tagen verwandelte. Und Nagelsmann war um eine Erfahrung reicher: Auch Trainer-Oldies haben Fußball-Finesse - viel sogar.



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