Coronavirus-Pandemie
Hoeneß an Fans: «Das kleinste Übel sind die Geisterspiele»

München (dpa) - Der frühere Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat einen Appell an jene Fußballfans gerichtet, die in der Corona-Krise Spiele ohne Zuschauer zur wirtschaftlichen Rettung der Bundesliga ablehnen.

Donnerstag, 07.05.2020, 12:01 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 12:04 Uhr
Uli Hoeneß vermisst in der Coronavirus-Krise den Optimismus.
Uli Hoeneß vermisst in der Coronavirus-Krise den Optimismus. Foto: Sven Hoppe

«Das kleinste Übel sind die Geisterspiele», sagte der 68 Jahre alte Ehrenpräsident des FC Bayern München im Bayerischen Fernsehen. Die Fortsetzung der Saison in der 1. und 2. Bundesliga ab 15. Mai ist wegen der TV-Gelder in dreistelliger Millionenhöhe entscheidend für die Zukunft der 36 deutschen Profivereine.

«Jeder muss seinen Beitrag leisten, auch der Fußball», sagte Hoeneß zu Partien ohne Publikum in den Stadien. «Ich verstehe den einen oder anderen Fan, dass er sagt, das ist nicht meins. Aber er muss auch begreifen: Wenn er in Zukunft weiterhin Bundesliga sehen will - und zwar live (im Stadion) - dann muss er die Kröte jetzt schlucken. Denn wenn er die jetzt nicht schluckt, gibt es den Fußball in dieser Form nicht mehr. Dann hat er auch nichts davon», argumentierte Hoeneß.

Zur Debatte, zumindest eine gewisse Anzahl Zuschauer zuzulassen, positionierte sich Hoeneß ebenfalls deutlich: «Wenn wir jetzt da eine Sonderregelung für Fußball erreichen wollten, wäre das nicht gut für den Fußball. Jeder muss jetzt seine Opfer bringen. Wenn es kein Oktoberfest gibt, dann kann es auch keine Zuschauer geben. Welche hundert Zuschauer würde man denn reinlassen, wenn 75.000 kommen wollen. Das würde die Probleme nicht lösen.»

Unterstützung erhielt Hoeneß beim Thema Geisterspiele in der BR-Sendung von DFB-Vizepräsident Rainer Koch. «Es geht eben nicht um Profitgier oder Ähnliches, was dem Fußball im Moment vorgehalten wird. Wenn wir jetzt nicht versuchen, diese Spiele in die Wohnzimmer zu bringen und ohne Zuschauer zu spielen, dann wird es diese Bundesliga - und vor allem auch nicht diese 2. Liga und 3. Liga - in der Form geben, wie wir sie über Jahrzehnte liebengelernt haben. Es geht also um viel mehr», sagte der 61-Jährige.

In dieser schwierigen Zeit ruft Hoeneß zu mehr Zuversicht und Tatendrang auf. «Man muss versuchen, aufzuhören, immer nur zu klagen», sagte der 68-Jährige. «Wir alle sind in die Sache reingeraten, ohne dass wir etwas dafür konnten und müssen die Situation akzeptieren.»

Hoeneß rückte die Coronavirus-Krise in einer BR-Sondersendung in einen großen historischen Zusammenhang. «Diese Krise ist fast wie Krieg», sagte der langjährige Manager des deutschen Fußball-Rekordmeisters. «Auch unsere Eltern haben nach dem Krieg das Land wieder aufgebaut.»

Jeder müsse die Ärmel hochkrempeln, forderte Hoeneß. «Man muss schauen, wo man helfen, anpacken und arbeiten kann. Ich vermisse den Optimismus, jeder klagt nur», sagte Hoeneß. Im Vergleich zu anderen Ländern sei es um die Situation in Deutschland sehr gut bestellt. Es sei die «beste Zeit, darüber nachzudenken, wie wir alle aus dem Tief rauskommen».

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