Premier League
Rebellen vom Tabellenende: Kein Abstieg oder Liga-Blockade

Es dürfte hoch hergehen. Die sechs Vereine von Platz 15 abwärts in der Premier League wollen sich nur unter einer Bedingung beugen und ihr Nein gegen Spiele auf neutralem Boden aufgeben. Der Blick wird dabei auch nach Deutschland gehen.

Sonntag, 10.05.2020, 13:42 Uhr aktualisiert: 10.05.2020, 13:44 Uhr
Geisterspiele in neutralen Stadien werden vom FC Watford abgelehnt.
Geisterspiele in neutralen Stadien werden vom FC Watford abgelehnt. Foto: Bradley Collyer

London (dpa) - Ein halbes Dutzend Rebellen, eine klare Forderung: Die Lage im englischen Fußball hat sich unmittelbar vor der womöglich entscheidenden Konferenz über die Fortsetzung der Premier-League-Saison weiter zugespitzt.

Ob Jürgen Klopp sich mit dem FC Liverpool noch zum Meister küren lassen kann, hängt auch von der Blockade-Haltung der sechs Vereine ab, die die letzten sechs Plätze in der Tabelle belegen.

Einem Bericht des «Mirror» zufolge wollen sie ihren erbitterten Widerstand gegen die neutralen Spielorte beim «Projekt Re-Start» nur aufgeben, wenn der Abstieg in dieser Saison ausgesetzt wird. Einige würden diese sechs schon als «Projekt Sabotage» bezeichnen, schrieb der «Indenpendant».

Eine Spaltung im englischen Fußball sei seit langem schon als unvermeidlich angesehen worden, aber die jetzige Situation durch die Folgen der Coronavirus-Pandemie habe die wachsende Kluft umgekehrt: Es sind nicht die großen sechs gegen den Rest. Es sind die kleinen, zumindest, was den Blick auf die Tabelle betrifft, die den Aufstand proben: Norwich City (Tabellen-20.), Aston Villa (19.), der AFC Bournemouth (18.), der FC Watford (17.), West Ham United (16.) und Brighton & Hove Albion (15.).

Watfords Geschäftsführer Scott Duxbury sagte der «Times», dass es nicht fair sei, wenn die Vereine ihre Heimspielstätten nicht nutzen könnten. «Wir haben medizinisches Clubpersonal, das unter Bedingungen arbeitet, mit denen kein Arzt oder Physiotherapeut jemals Erfahrungen gemacht hat», schrieb Duxbury.

Amtskollege Paul Barber von Brighton & Hove Albion machte auf der Vereins-Homepage deutlich, was für ihn Vorrang hat: «Mein Verein.» Dann komme die Liga, dann der Fußball als Ganzes. Er warnte zudem mit eindringlichen Worten vor einem zu frühen Neustart. «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den falschen Schritt machen. Denn wenn wir es tun, könnte es Leben ruinieren. Es könnte Leben kosten», sagte er der «Daily Mail»: «Das können wir uns nicht erlauben.» Am 10. Mai wurde dann ein weiterer positiver Corona-Fall bei dem Club bekannt, es ist der dritte bei Brighton & Hove Albion bisher.

29 von 38 Spieltagen hat die Premier League bisher absolviert. Die Saison soll am 12. Juni wieder aufgenommen werden und mit dem Finale um den FA-Cup am 8. August enden. Am 11. Mai wollen die 20 Vereine der Premier League konferieren, um über die Fortsetzung zu beraten. Am 14. Mai soll zudem ein Meeting von Vertretern der Premier League, des nationalen Verbandes FA, der English Football League, den zuständigen Sport-, Medien- und Kultur-Behörden des Landes und des englischen Gesundheitswesens folgen.

Dabei dürften die Blicke auch immer wieder nach Deutschland gehen. Viel werde nun davon abhängen, ob die 1. und die 2. Bundesliga nach der Quarantäne für den Zweitligisten SG Dynamo Dresden wie geplant am 16. Mai wieder losgehen werde, meinte die «Daily Mail». Großbritannien ist offiziellen Statistiken zufolge das Land mit den meisten Todesfällen in Europa durch das Coronavirus. Die Anzahl der Toten stieg am vergangenen Freitag um 626 auf 31.241.

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