Leverkusen im Formtief
Bosz-Druck wächst: «Jeder Trainer muss Ergebnisse liefern»

Anspruch und Wirklichkeit bei Bayer Leverkusen stimmen nicht immer überein. Dies gilt insbesondere, seit der frühere Bertelsmann-Manager Carro 2018 Clubchef wurde und forsche Ziele vertritt. Der Negativlauf sollte schnell beendet werden, fordert Carro nun.

Freitag, 05.02.2021, 13:46 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 13:50 Uhr
Mit Leverkusen im Form- und Ergebniskrise: Bayer-Coach Peter Bosz.
Mit Leverkusen im Form- und Ergebniskrise: Bayer-Coach Peter Bosz. Foto: Ina Fassbender

Leverkusen (dpa) - Der Druck auf Peter Bosz nimmt zu. Auch wenn Bayer Leverkusens Clubchef Fernando Carro Fragen nach der Situation des Bayer-Chefcoachs trotz der aktuellen Krise noch als «nicht angemessen» zurückweist, könnte es bei weiteren Pleiten für den Niederländer bald unangenehm werden.

«Jeder Trainer muss Ergebnisse liefern, das ist ganz normal», sagte Carro der Deutschen Presse-Agentur vor dem kniffligen Bundesligaspiel am Samstag gegen den auswärts so starken Aufsteiger VfB Stuttgart (15.30 Uhr/Sky).

Bosz weiß um die Situation und auch die aufkommende Unzufriedenheit im Umfeld des Clubs. «Ich verstehe die Fans. Es ist an uns, auf dem Platz Antworten zu geben», sagte der Niederländer. «Es ist meine Aufgabe als Trainer, die Mannschaft wieder in richtige Richtung zu bekommen.» Dafür benötigt Bosz Siege des Tabellenfünften, am besten schon am Samstag. «Unser Ziel ist ohne Wenn und Aber die Champions-League-Qualifikation», sagte Carro noch einmal deutlich. Und die ist alles andere als selbstverständlich.

Nach starkem Saisonstart wähnten sich die Rheinländer Ende des vergangenen Jahres schon als Titelanwärter. Nach der Last-Minute-Niederlage beim 1:2 kurz vor Weihnachten gegen Bayern München ging es aber nur noch bergab. Im neuen Jahr holten die selbstbewussten Leverkusener vier von 18 möglichen Zählern, hinzu kam das peinliche Pokal-Aus beim Viertligisten Rot-Weiss Essen. «Das war der Tiefpunkt, das muss man schon sagen», sagte Bosz.

Das nagt nicht nur am Trainer, sondern vor allem auch an Carros Selbstverständnis. Der frühere Bertelsmann-Manager vertritt seit seinem Amtsantritt 2018 in Leverkusen die Meinung, dass die Bayer-Tochter angesichts der großzügigen Unterstützung des Mutterkonzerns in allen Wettbewerben um den Titel mitspielen muss und verkündet dies auch forsch. «Wir sind sportlich ab sofort nur noch in zwei Wettbewerben vertreten, und ich erwarte, dass wir das Maximale herausholen», sagte der gebürtige Katalane.

Dass Bayer mal einen Titel gewann, liegt aber bereits 28 Jahre zurück. Im Sommer verlor die Bayer-Elf in Top-Talent Kai Havertz und Angreifer Kevin Volland prägende Figuren des Offensivspiels. Trotzdem spielte sich Leverkusen mit viel Aufwand, Tempo und Power zu Saisonbeginn in einen Rausch. Dem Kraftaufwand scheint Bayer nun Tribut zu zollen. Etliche Stammspieler fallen immer wieder für einige Zeit lang aus. Zudem fehlte zuletzt die Effektivität im Abschluss. Bosz wirkt mitunter ratlos. «Im Fußball ist nicht immer alles zu erklären», sagte der 57-Jährige.

Mit Geld versuchte der Bayer-Konzern im Winter die Verletzungsmisere zu lösen. Der Werksclub langte noch einmal beherzt auf dem Transfermarkt zu und verpflichtete für zusammen rund 16 Millionen Euro drei neue Spieler. Jeremie Frimpong (Celtic Glasgow), Timothy Fosu-Mensah (Manchester United) und Demarai Gray (Leicester City) kamen. «Angesichts der vielen zum Teil schweren Verletzungen haben wir einen gewissen Druck gespürt zu reagieren. Diese neuen Spieler sollen einen Beitrag leisten, unser Niveau über diese Rückrunde hinaus weiter anzuheben», sagte Carro, der dies auch als weiteren Hinweis für die Ansprüche verstanden wissen wollte.

«Die Messlatte ist für mich die Serie, die wir bis zum Bayern-Spiel hingelegt haben. Die hat gezeigt, was möglich ist», sagte der 56-Jährige, obwohl Leverkusen von dieser Siegesserie aktuell so weit entfernt ist wie der FC Schalke vom Klassenverbleib. Bosz ist nun gefordert. Spätestens im Mai könnte ein weiteres Verpassen des Champions-League-Ränge wie in der Vorsaison auch für ihn Folgen haben. «Ich nehme immer den Zwei-Punkte-Schnitt als Basis. Demnach müssten wir nach 19 Spieltagen 38 Punkte haben. Wir haben 32. Das ist zu wenig für unsere Ansprüche. Wir werden uns im weiteren Verlauf der Rückrunde nachhaltig steigern müssen», sagte Carro.

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