Menschenrechte
Mehrere norwegische Erstliga-Clubs für Boykott von Katar-WM

Oslo (dpa) - Mehrere norwegische Erstliga-Clubs fordern BVB-Star Erling Haaland und seine Nationalmannschaft zum Boykott der Fußball-WM in Katar auf.

Freitag, 26.02.2021, 19:41 Uhr aktualisiert: 26.02.2021, 19:44 Uhr
Soll nach Willen mehrerer norwegischer Erstliga-Clubs mit der Nationalmannschaft die WM in Katar boykottieren: Erling Haaland.
Soll nach Willen mehrerer norwegischer Erstliga-Clubs mit der Nationalmannschaft die WM in Katar boykottieren: Erling Haaland. Foto: Stian Lysberg Solum

Seit mehreren Jahren seien der Weltverband FIFA und Katar wegen der fragwürdigen WM-Vergabe und der unwürdigen Bedingungen für Arbeiter aus dem Ausland kritisiert worden, schrieb der Eliteserien-Verein Tromsö IL in einer Mitteilung. Kritik und der versuchte Dialog hätten zu nichts geführt, ein jüngst veröffentlichter Bericht des «Guardian» zu Tausenden gestorbenen Arbeitern sei nun völlig niederschmetternd gewesen.

«Wir haben das Gefühl, dass es an der Zeit ist, einen Schritt weiterzugehen: Boykott», schrieb der Verein. Geld sei ein Teil des Fußballs und werde immer ein Teil des Sports bleiben. Dies dürfe aber trotzdem nicht mit sich bringen, dass Korruption, lebensgefährliche Arbeitsbedingungen und Wegschauen akzeptiert würden. Tromsö IL rufe den norwegischen Fußballverband NFF deshalb zum WM-Boykott auf. «Wir sind der Meinung, dass wir Nein sagen sollten zu einer Reise nach Katar, wenn wir uns qualifizieren.»

Tromsös Ligakonkurrenten Strömsgodset und Viking unterstützen die Forderung mittlerweile, wie die Nachrichtenagentur NTB berichtete. Auch andere Clubs erwägen demnach, sich dahinter zu stellen.

In Katar sind in den vergangenen zehn Jahren nach Recherchen des britischen «Guardian» mehr als 6500 Arbeiter aus fünf asiatischen Ländern gestorben. Dabei handele es sich um Arbeiter aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka, hatte die Zeitung berichtet.

Katars Regierungspressestelle erklärte auf Anfrage, in dem Emirat lebten mehr als 1,4 Millionen Menschen aus den genannten Ländern. Zu ihnen gehörten Studenten, Ältere und Arbeiter in verschiedenen Industrien. Weitere Millionen hätten in den vergangenen zehn Jahren in Katar gelebt und seien in die Heimat zurückgekehrt. Von diesen Millionen Menschen sei ein «kleiner Prozentsatz» verschieden, heißt es weiter. Die Sterberate liege in einem Bereich, der für diese Größe und diese demografische Zusammensetzung zu erwarten sei.

Die Fußball-WM 2022 war 2010 an das reiche Emirat vergeben worden. Das Land steht international immer wieder wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern in der Kritik. Katars Regierung erklärt hingegen, dass sie in den vergangenen Jahren mit Reformen die Lage der Arbeiter deutlich verbessert habe. Auch Menschenrechtler räumen Fortschritte ein, mahnen aber, die Reformen würden unzureichend umgesetzt.

© dpa-infocom, dpa:210226-99-612006/2

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