Di., 02.12.2014

Borussia Dortmund Der Absturz eines Riesen

Ins Grübeln geraten: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach der Niederlage in Frankfurt. Der Deutsche Meister von 2011 und 2012 ist inzwischen Schlusslicht der Bundesliga. Klopp stellt sich der Verantwortung.

Ins Grübeln geraten: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach der Niederlage in Frankfurt. Der Deutsche Meister von 2011 und 2012 ist inzwischen Schlusslicht der Bundesliga. Klopp stellt sich der Verantwortung. Foto: dpa

Münster - 

Unlängst hat Lucien Favre, der Trainer von Borussia Mönchengladbach, dieses gesagt: „In der Bundesliga ist jedes Wochenende ein Kampf. Egal, gegen wen du spielst.“ Beim Liga-Konkurrenten Borussia Dortmund hätten sie solche Sätze vor einem Jahr noch weggelächelt.

Von Wilfried Sprenger

Unter Trainer Jürgen Klopp ging Schwarz-Gelb Samstags raus, schob sich die Bälle elegant zu, schlug ein paar Haken, schoss ein paar Tore. Und das alles wie selbstverständlich. Ganz großer Fußball-Zirkus, den sogar der FC Ba­yern spürte: Erst wurde er vom BVB in die Knie gezwungen und dann in direkter Folge zu gewaltigen Anstrengungen auf dem Personal-Sektor. Dass die Münchner dabei ins Revier des lästig-aufsässigen Konkurrenten vordrangen, war keineswegs illegitim. Aber es zeigte, wie ernst der Branchenprimus die gelbe Gefahr nahm.

Inzwischen ist der über drei Jahre erbittert geführte Zweikampf Geschichte. Die Bayern spielen wieder in einer eigenen Liga, Lichtjahre entfernt von Dortmund , das ebenfalls auf dem Weg in eine andere Liga ist: Auch dort kann der Weg nach Frankfurt führen, aber nicht zur Eintracht – wie beim die Krise befeuernden 0:2 am Sonntag – sondern zum kleinen FSV.

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Wir müssen daran arbeiten, dass die Mannschaft weiter an sich glaubt. Wenn es keiner im Umfeld mehr tut, müssen wir das ganz alleine für uns machen.

Jürgen Klopp

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Das ist natürlich Spekulation, da ist noch gar nichts spruchreif. Trotzdem tut der BVB gut daran, sich (auch) mit dem schlimmsten Fall zu beschäftigen. „Abstieg“ heißt das Unwort, Sportdirektor Michael Zorc hat es am Sonntag nach der Pleite in Frankfurt erstmals über die Lippen gebracht. Es ist wohl das richtige Signal an alle jene, die lange nichts von einer Krise wissen wollten. Und später, als diese nach der x-ten Niederlage nicht mehr wegzudiskutieren war, forsch und naiv die Meinung vertraten, dass die Misere nur eine Frage der Zeit sei und alles gut werde. Irgendwie. Irgendwann. Und natürlich rechtzeitig.

So zu denken, ist ziemlich kindisch. Fahrlässig noch dazu. Nichts von dem will man den Dortmunder Fußball-Verantwortlichen unterstellen. Doch dass es in der Zentrale am Rheinland-Damm nur anderthalb Jahre nach dem Champions-League-Finale in London und dem damit verbundenen Aufstieg in Europa so brennen würde, haben sich vermutlich weder Boss Hans-Joachim Watzke, noch Zorc oder Trainer Jürgen Klopp vorstellen können.

Inzwischen haben alle dazugelernt und Kenntnis davon, dass sich nichts von allein erledigt und der Sinkflug keine Momentaufnahme war. Watzke hatte die Zeichen als Erster erkannt und bei der Mitgliederversammlung vor neun Tagen „Blut, Schweiß und Tränen“ eingefordert. In Frankfurt blieb die erhoffte Reaktion aus, erstmals in dieser Saison schlug die Stimmung auf den Rängen um. Die Fans sind mit ihrer Engelsgeduld offenbar am Ende.

Vereinzelt geriet sogar Klopp ins Visier der Frustrierten. Der Kulttrainer muss sich seit Wochen unangenehmen Fragen stellen. Die Entscheidungsträger im Verein stehen fest zu ihm, eine Trennung könnte Klopp (Vertrag bis 2018) nur selbst anstoßen. Davon ist der 47-Jährige offenbar noch ein Stück entfernt. „Ich sehe mich hier total in der Verantwortung und stelle mich dem. Ich stehe ganz bestimmt nicht im Weg, aber ich kann auch nicht gehen, bevor es eine bessere Lösung gibt“, sagte er am Sonntag.

Freitag (20.30 Uhr) spielt das Schlusslicht gegen 1899 Hoffenheim. Es wird wohl ein unruhiger Abend in der größten deutschen Fußball-Arena werden.



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