Diskussion um Tuchel
Wann platzt die Blase?

Dortmund -

Wer am Dienstagnachmittag die Homepage des BVB ansteuerte, könnte zu der Ahnung gekommen sein, dass der westfälische Bundesligist gerade in bester Stimmung ist. Doch das trügt.

Mittwoch, 10.05.2017, 08:01 Uhr
Blick ins Leere: Die Zukunft von Thomas Tuchel liegt wohl nicht in Dortmund. Längst wird über mögliche Nachfolger spekuliert.
Blick ins Leere: Die Zukunft von Thomas Tuchel liegt wohl nicht in Dortmund. Längst wird über mögliche Nachfolger spekuliert. Foto: imago/Thomas Bielefeld

Sportdirektor Michael Zorc lacht auf der BVB-Website mit Roman Weidenfeller um die Wette, kurz zuvor hatte der Torhüter seinen Vertrag um eine Saison bis zum Ende der Spielzeit 2017/2018 verlängert. Doch diese Momentaufnahme von Zorc und Weidenfeller trügt und passt so gar nicht ins Bild, das Borussia Dortmund abgibt. Der Club ist nicht fröhlich in diesen Tagen, tatsächlich erlebt er eine extreme Zerreißprobe mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Trainer Thomas Tuchel an den Enden des Seils.

Die Deutsche Presse-Agentur nannte die ausgeuferte Kontroverse „Streit zur Unzeit“. Man könnte zustimmen, schließlich kämpft der BVB noch um die direkte Champions-League-Qualifikation und den Triumph im DFB-Pokal. Andererseits: Gibt es überhaupt eine Zeit für einen Disput dieser Art, in dem alle Beteiligten längst gehörigen Schaden genommen haben?

Freigegeben für wilde Spekulationen

Zwei Wochen vor dem Saisonende ist die stolze Borussia freigegeben für wilde Spekulationen. Der „Kicker“ fragte am Dienstag in seinem Online-Auftritt, ob Tuchel noch der richtige Trainer sei. Um 17 Uhr lag die Zustimmung für den Coach bei knapp 66 Prozent. Der Coach hat in den vergangenen Wochen viele Menschen auf seine Seite gezogen, gleichwohl deutet sich an, dass seine Zeit in Dortmund abläuft – im Sommer, ein Jahr vor Vertragsende. Für Tuchel, der zuletzt nur sportliche Dinge kommentierte, ergriff dessen Berater Olaf Meinking das Wort: „Unser Ziel ist es, dass Thomas beim BVB bleibt und dass sich alles wieder beruhigt.“

Für den Boulevard sind die Dinge kaum noch zu kitten. Die „Bild“ stellte bereits mögliche Nachfolge-Kandidaten ins Schaufenster. Hoch gehandelt wird beim Massenblatt Lucien Favre. Der 59-jährige Ex-Coach von Borussia Mönchengladbach betreut zurzeit den französischen Spitzenclub OGC Nizza. Auch Diego Simeone (47) vom Champions-League-Halbfinalisten Atlético Ma­drid könne ein Tuchel-Erbe werden. Laut „Bild“ wäre der Argentinier sogar „die Optimal-Lösung“.

Gewaltige Blase

Favre, Simeone, am Ende vielleicht doch weiter mit Tuchel – da schwebt gerade eine gewaltige Blase über Dortmund. Wann sie genau platzt, ist nicht absehbar. Nur eines ist gewiss: Es wird Zeit brauchen, um Schäden zu reparieren.

Ein bisschen Freude haben einige Dortmunder dann doch noch. Die BVB-Aktie kletterte am Dienstagmorgen zunächst auf 6,10 Euro. Damit erreichte das gern als Liebhaberstück bezeichnete Börsenpapier den höchsten Stand seit 15 Jahren.

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