Borussia Dortmund
Herzliche und kalte Umarmungen

Dortmund -

Den Kampf um Platz drei hat Dortmund am Samstag gewonnen. Auf und neben dem Platz passierten beim Sieg gegen Bremen einige Dinge, die tief in das Innenleben des Vereins blicken lassen.

Sonntag, 21.05.2017, 13:42 Uhr aktualisiert: 21.05.2017, 15:09 Uhr
Ziemlich frostig: Thomas Tuchel und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.
Ziemlich frostig: Thomas Tuchel und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Foto: imago/Nordphoto

Dieses wunderbare Fußballspiel zwischen Borussia Dortmund und Werder Bremen hatte viele große und bewegende Momente. Vielleicht stach einer heraus, den viele Kameras nicht einfingen. Als Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang kurz vor dem Ende per Elfmeter zum 4:3 traf, den BVB damit in die Champions League schoss und die Mitspieler auf den Gabuner zustürzten, schaute Marco Reus nur kurz hin und trabte dann – ganz allein – mit mehrfach geballter linker Faust in die andere Richtung. Direkt auf Thomas Tuchel zu, der – ganz allein – an der Seitenlinie wartete. Kapitän und Trainer fielen sich in die Arme. Schulterklopfen, Erleichterung, Glücksgefühle; es war eine Sequenz von einigen Sekunden, dann schickte der Coach seinen Schützling mit einem Klaps zurück aufs Feld.

Tuchel: „unterste Schublade“

Vielleicht haben Tuchel und Reus in diesem Moment auch ein paar Worte gewechselt. Doch auch ohne Worte stand diese fast unbemerkte Begegnung im krassen Gegensatz zu jenem Bild, das ein „Maulwurf“ aus dem Mannschaftskreis zuletzt in einigen Medien zeichnen durfte. Anonym wurde Stimmung gemacht gegen den Trainer, das traf Tuchel empfindlich, er sprach von Unwahrheiten und persönlichen Verleumdungen. Es sei „unterste Schublade“ – und damit hatte er wohl Recht.

Im Kampf um Platz drei drehte Dortmund am Samstag gegen konterstarke Bremer zweimal einen Rückstand komplett um. Zunächst nach dem 0:1, später nach dem 2:3. Tuchel trieb sein Team in der Box unablässig an, die Mannschaft folgte ihm, überragend geführt von Marco Reus. Weil Kapitän Marcel Schmelzer (Muskelbeschwerden) fehlte, trug der Nationalspieler die Binde. Er war ein großer „Leader“ an diesem Samstag, der so viele Geschichten schrieb.

Dortmund gegen Bremen in 09 Bildern

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  • Im Mittelpunkt: Ist die Partie gegen Bremen das letzte heimspiel für BVB-Trainer Thomas Tuchel?

    Foto: Bernd Thissen
  • Früher Rückschlag: Zlatko Junuzovic stochert den Ball zum 1:0 für Werder Bremen über die Linie.

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  • Feiner Fuß: Marco Reus legt den Ball an Torwart Felix Wiedwald vorbei ins Netz.

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  • Traumtor: Pierre-Emerick Aubameyang dreht das Spiel noch vor der Pause mit einem Volley-Drehschuss – 2:1 für den BVB.

    Foto: Bernd Thissen
  • Schläfrig: Nach der Pause kassiert Dortmund zwei Tore. Max Kruse (Mitte) jubelt über seinen Treffer zum 3:2 aus Bremer Sicht.

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  • Nicht verraten: Eigentlich ist Marco Reus als Elfmeterschütze gesetzt. Er verwandelt vom Punkt auch sicher zum 3:3. Dann erneut Strafstoß für den BVB. Doch diesmal tritt Aubameyang an und versenkt.

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  • Schützenkönig: Durch seinen 31. Liga-Treffer sichert sich der Gabuner die Torjägerkanone.

    Foto: Bernd Thissen
  • Gefeiert: Der Sieg gegen Bremen reicht für Platz drei. Dortmund ist in der Champions League-Gruppenphase 2017/18 gesetzt.

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  • Rückkehr des Tages: Marc Bartra nach dem Spiel seinen bei dem Anschlag auf den Mannschatsbus verletzten Arm in die Höhe. Der Verteidiger musste für den angeschlagenen Marcel Schmelzer einspringen.

    Foto: Bernd Thissen

Aubameyang herzlich

Aubameyang sicherte sich mit dem Elfmetertreffer zum 4:3 die Torjägerkanone, der rasend schnelle Mittelstürmer erzielte 31 Saisontore, in Dortmund hatte zuletzt Lothar Emmerich (1965/1966) diese Quote erreicht. Auch Aubameyang kam Tuchel später auffällig nahe und überdies sehr herzlich.

Vielleicht haben beide demnächst ihren Arbeitsplatz woanders. Aubameyang liegen sehr, sehr lukrative Offerten aus China und von Paris St. Germain vor. Der BVB möchte Klarheit in der Personalie. Und wird sie absehbar bekommen: „Ich entscheide nächste Woche“, sagte der 27-Jährige.

Bartras emotionales Comeback

Und dann gab es da noch das Comeback von Marc Bartra. Gut fünf Wochen nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus der Borussia, bei dem der Spanier verletzt worden war, rückte er am Samstag nach dem Ausfall Schmelzers unerwartet und ungeplant in die Startformation auf. Die Menschen auf den Tribünen feierten die Rückkehr des 26-Jährigen stürmisch, vor der „Süd“ stand der Innenverteidiger nach Abpfiff zu Tränen gerührt. Zuvor hatte er sich lange mit Thomas Tuchel in den Armen gelegen.

Wenn da einige Dortmunder nicht gerade sehr erfolgreich einen Schnellkurs im Schauspielhaus der Stadt belegt haben, könnte man zu der Ahnung kommen, dass der angebliche Bruch zwischen Trainer und Teilen des Teams beinahe böswillig kolportiert und lanciert wurde.

Tuchel hat sich nichts vorzuwerfen

Sieben Tage vor dem Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt erneuerte Thomas Tuchel (Vertrag bis 2018) noch einmal seinen Wunsch, die Arbeit beim BVB fortsetzen zu können. „Wenn ich darf“, hat er in diesem Zusammenhang gesagt. Sehr wahrscheinlich darf er nicht.

Nach dem Spiel am Samstag kreuzte sich Tuchels Weg auf dem Rasen auch mit dem des Dortmunder Vorstandsvorsitzenden Hans-Joachim Watzke. Wohl zufällig und so, dass keiner am anderen grußlos vorbeikam. Also drückten sich auch diese beiden Männer kurz und wenig herzlich. Miene und Körpersprache verrieten bei Watzke den Wunsch nach Distanz. Er wird sie wohl bald haben im Wissen, dass auch der Druck auf ihn selbst zunimmt.

In der Regel trennen sich Vereine aus zwei Gründen von ihren leitenden Angestellten: Wegen anhaltender Erfolglosigkeit oder weil es zwischen Trainer und Mannschaft nicht stimmt. Augenfällig hat sich Tuchel in diesen Punkten nichts vorzuwerfen.

Vorfall am Stadion

Ein 37 Jahre alter Mann schwebt nach dem Fußball-Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und Werder Bremen in Lebensgefahr. Laut einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Dortmund und des Polizeipräsidiums Dortmund vom Sonntag stürzte der 37-Jährige bei einer körperlichen Auseinandersetzung mit Mitarbeitern eines Sicherheitsunternehmens und zog sich dabei schwerste Kopfverletzungen zu. Die Ermittlungen ergaben, dass es am Samstag im Bereich des Bolmker Weges in der Nähe des Dortmunder Stadions zunächst zu einer leichten verbalen und körperlichen Auseinandersetzung zwischen dem Geschädigten und Mitarbeitern eines Sicherheitsunternehmens gekommen war. Danach habe ein 33-jähriger Dortmunder aus der Gruppe der Sicherheitsmitarbeiter den 37-Jährigen angegriffen. Vier Personen seien unmittelbar nach der Tat vorläufig festgenommen worden. Drei der vier Beschuldigten wurden noch in der Nacht mangels Tatverdachts aus dem Gewahrsam entlassen. Der 33 Jahre alte Beschuldigte wurde am Sonntag entlassen, da kein Haftgrund vorliegt. Gegen ihn werde wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Der Verdacht eines versuchten Tötungsdelikts habe sich nach den Ermittlungen nicht erhärtet.

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