BVB entlässt Tuchel
Reaktionen aus dem Netz: Elegante Abrechnung

Dortmund -

Keine echte Überraschung: Borussia Dortmund und Thomas Tuchel trennen sich. Die monatelangen Differenzen sind offensichtlich nicht auszuräumen. Ein Nachfolger wird angeblich noch gesucht.

Dienstag, 30.05.2017, 13:19 Uhr aktualisiert: 30.05.2017, 16:35 Uhr
BVB entlässt Tuchel : Reaktionen aus dem Netz: Elegante Abrechnung
Ein Jahr vor Vertragsende gehen Thomas Tuchel und der BVB getrennte Wege. Foto: dpa

Erst zwei Stunden war Thomas Tuchel offiziell Mitglied der Twitter-Gemeinde, da setzte er schon seinen ersten Knaller-Tweet ab. „Ich bin dankbar für zwei schöne, ereignisreiche und aufregende Jahre. Schade, dass es nicht weitergeht“, schrieb der Fußball-Trainer am Dienstag bei dem Kurznachrichtendienst und kam seinem bis dato Arbeitgeber zuvor.

Borussia Dortmund zog wenig später mit einer 188 Wörter langen Pressemitteilung nach: Die Trainersuche beim Bundesligisten, der in der kommenden Saison auch dank Tuchel Champions League spielt, ist damit eröffnet.

Vorzeitges Ende für Thomas Tuchel bei Borussia Dortmund

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  • Ein schweres Erbe trat Fußball-Coach Thomas Tuchel (r.) am 1. Juli 2015 in Dortmund an: Der ehemalige Coach von FSV Mainz 05 wurde Nachfolger des in Dortmund sehr beliebten Jürgen Klopp als BVB-Cheftrainer

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  • Im Umgang mit Spielern und Club-Umfeld gilt Thomas Tuchel als teilweise nicht unkompliziert.

    Foto: Bernd Thissen
  • Laut Fachleuten kann der ehrgeizige Trainer gut mit jungen Spielern zusammenarbeiten - das Bild zeigt Tuchel (r.) mit Ousmane Dembele.

    Foto: Witters
  • Nicht immer auf einer Wellenlänge soll er mit gestandenen Spielern liegen. Kritisiert wurde Tuchel beispielsweise nach dem DFB-Pokalsieg 2017 von BVB-Kapitän Marcel Schmelzer, der die Nicht-Nominierung des langjährigen Dortmunder Mittelfeldspielers Nuri Sahin im Finale öffentlich in Frage stellte.

    Foto: Imago
  • Spekuliert wurde in der Saison 2016/17 oftmals, ob Thomas Tuchel Teile der Mannschaft nicht mehr auf seiner Seite hatte.

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  • In der öffentlichen Wahrnehmung wurde die vermutete Distanz des BVB-Trainers zu einigen Spielern durch seine Auftritte nach dem Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus zum Teil widerlegt, als er sich vor seine Spieler stellte und für mehr Einfühlungsvermögen warb.

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  • Problematisch blieb der Umgang mit den älteren Profis im Kader - so soll auch die Chemie zwischen dem BVB-Coach und dem deutschen Nationalspieler und WM-Held Mario Götze nicht gestimmt haben.

    Foto: Guido Kirchner
  • Zum Verhängnis wurde Thomas Tuchel aber vor allem die zerrüttete Beziehung zu Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (l.).

    Foto: Marius Becker
  • Ebenfalls problematisch: Dortmunds Marco Reus gilt im Clubumfeld als Befürworter von Lucien Favre als neuem BVB-Trainer.

    Foto: Soeren Stache
  • Echte Liebe mit kurzer Haltbarkeitszeit: Nur zwei Saison dauerte die Amtszeit von Thomas Tuchel beim BVB.

    Foto: Friso Gentsch
  • Sportlich kann sich seine Abschiedssaison sehen lassen: Thomas Tuchel schaffte mit dem BVB als Tabellen-3. die Qualifikation für Champions League und gewann mit dem Team den DFB-Pokal.

    Foto: Ina Fassbender
  • „Ich bin dankbar für zwei schöne, ereignisreiche und aufregende Jahre. Schade, dass es nicht weitergeht. Danke an die Fans, an die Mannschaft, an den Staff und an alle, die uns unterstützt haben. Wünsche dem @BVB alles Gute“, verabschiedete sich der Fußball-Trainer Thomas Tuchel via Twitter von Borussia Dortmund.

    Foto: Soeren Stache

Nur drei Tage nach dem Pokalsieg in Berlin erklärte der BVB die Zusammenarbeit mit dem Fußball-Lehrer für beendet. „Wir bedanken uns bei Thomas Tuchel und seinem Trainerstab für die sportlich erfolgreiche Arbeit beim BVB, die am vergangenen Samstag im DFB-Pokalsieg in Berlin gegen Eintracht Frankfurt ihren verdienten Höhepunkt fand“, hieß es am Dienstag in einer Mitteilung des Clubs. „Für seine berufliche Zukunft wünschen wir Thomas Tuchel nur das Allerbeste.“

Zu einem Nachfolger, der schnell gefunden werden muss, wollte sich der BVB nicht äußern. Ob der seit einiger Zeit gehandelte Lucien Favre wirklich erster Anwärter ist, bleibt offen. Der Schweizer steht bei OGC Nizza noch bis zum 30. Juni 2019 unter Vertrag.

In Südfrankreich herrscht Zuversicht, dass Favre in Nizza bleibt. Laut der Zeitung „Nice-Matin“ gehe der Trend in diese Richtung. Für den ehemaligen Mönchengladbacher Trainer dürfte eine Ablösesumme in Millionenhöhe fällig werden. Ein weiterer Kandidat könnte der frühere BVB-Spieler Paulo Sousa sein. Der portugiesische Trainer des AC Florenz gewann 1997 mit den Dortmundern als Spieler die Champions League und genießt im Revier noch große Anerkennung.

Obwohl der 43 Jahre alte Tuchel mit der direkten Qualifikation der Borussia für die Champions League und dem Pokalsieg erfolgreiche Arbeit leistete, kann er seinen bis 2018 datierten Vertrag nicht erfüllen. Zu den Hintergründen, die das Ergebnis eines längeren Prozesses seien und von allen Clubgremien getragen werde, wollte sich der Verein nicht im Detail äußern.

Damit geht ein langer Streit zu Ende, der das Vereinsklima zunehmend belastet hatte. Zuletzt gab es unterschiedliche Auffassung zwischen Trainer und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei der Frage, ob die Champions-League-Partie gegen Monaco nur einen Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf den Teambus hätte ausgetragen werden dürfen. Das angespannte Verhältnis von Tuchel zu Spielern soll den Ausschlag für die Trennung gegeben haben.

Der Club hingegen betonte in seiner Erklärung, dass er großen Wert auf die Feststellung lege, dass es sich bei der Ursache der Trennung keinesfalls um eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Personen handele. „Das Wohl des Vereins Borussia Dortmund, den viel mehr als nur der sportliche Erfolg ausmacht, wird grundsätzlich immer wichtiger sein als Einzelpersonen und mögliche Differenzen zwischen diesen“, hieß es in der Erklärung.

Aktie reagiert kaum

Die Misstöne ließ auch der ersehnte Gewinn des DFB-Pokals mit dem 2:1 am vergangenen Sonntag im Finale gegen Eintracht Frankfurt nicht verstummen. Vielmehr legte BVB-Kapitän Marcel Schmelzer gegen Tuchel nach wegen der Ausbootung von Nuri Sahin, der in Berlin trotz der Verletzung seines Mittelfeldkollegen Julian Weigl nicht mal im Kader stand: „Ich war geschockt. Nuri ist ein toller Fußballer, ein toller Mensch. Wir stehen hinter ihm.“

Berichte über angebliche Kritik an seiner Arbeit von namentlich nicht genannten BVB-Profis bezeichnete Tuchel als „Teil einer Kampagne“. „Es wurde berichtet, ich hätte in der Kabine die Vertrauensfrage gestellt. Das ist einfach nicht wahr“, erklärte Tuchel nach dem Pokalfinale. In einem weiteren Tweet, den Tuchel am Dienstag nach der vollzogenen Trennung absetzte, schrieb er: „Danke an die Fans, an die Mannschaft, an den Staff und an alle, die uns unterstützt haben. Wünsche dem BVB alles Gute.“

Die Aktien von Borussia Dortmund haben am Dienstag kaum auf den Abschied von Trainer Thomas Tuchel reagiert. Zuletzt notierten die schon vorher schwächelnden Titel von Deutschlands einzigem börsennotierten Fußballverein 0,72 Prozent im Minus bei 6,095 Euro. Für die Anleger war die Nachricht Experten zufolge keine große Überraschung.


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