Fußball: Borussia Dortmund
Ein Stuhlkreis hilft Borussia Dortmund nicht mehr

Dortmund -

Die Fans wollen die Spieler nach der Partie nicht in ihrer Kurve sehen: Echte Liebe rostet vielleicht nicht, aber sie bekommt Patina. Die Dortmunder Fans erinnern sich noch zu gut, an gar nicht so alte und vor allem bessere Zeiten ihrer Borussia.

Freitag, 09.03.2018, 21:46 Uhr aktualisiert: 09.03.2018, 21:50 Uhr
Abgang: Marcel Schmelzer, Marco Reus und Maximilian Philipp nach der Pleite gegen Salzburg. Nach sehr schwacher Leistung droht Dortmund nächsten Donnerstag der Europapokal-K.o.
Abgang: Marcel Schmelzer, Marco Reus und Maximilian Philipp nach der Pleite gegen Salzburg. Nach sehr schwacher Leistung droht Dortmund nächsten Donnerstag der Europapokal-K.o. Foto: dpa

Enttäuschung auf dem Platz, Empörung auf den Rängen – wenn sich die Dinge nicht bald drehen, steht Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund vor einem sehr unangenehmen Frühling. Viele Fans, darunter auch sehr treue, sind die wiederholt schwachen Leistungen satt. Beim komplett desillusionierenden 1:2 im Europa-League-Spiel am Donnerstag gegen den FC Salzburg fiel das teure Ensemble erneut sehr tief. Zum obligatorischen Schulterschluss mit den (aufgebrachten) Fans auf der Südtribüne kam es hernach nicht mehr. Gellende Pfiffe und unmissverständliche Gesten nötigten die Verlierer auf halbem Wege zur Umkehr. Da baut sich in Dortmund gerade sehr viel Spannung auf. Sonntag trifft das Team in der Liga auf Frankfurt.

Die Leistung des BVB im Achtelfinal-Hinspiel gegen Salzburg ließ die Beobachter ratlos zurück. Auch den Trainer. „Momentan ist es schwer für mich, das zu erklären“, sagte Peter Stöger 45 Minuten nach dem Abpfiff. Tatsächlich reichte die knappe Zeit nur zu einer oberflächlichen Analyse. „Die erste Viertelstunde war gut“, konstatierte der Österreicher, „danach ist es weniger und weniger geworden. Alles in allem sehr dürftig mit relativ viel Leerlauf.“

Gonzalo Castro, Rechtsverteidiger anstelle des angeschlagenen Lukasz Pisz­czek, soll nachher über „das fehlende Quäntchen Glück“ geklagt haben. Wenn dies tatsächlich so war, dann muss er vom Trainer eigentlich dazu verdonnert werden, das Spiel noch fünf oder zehn Mal anzuschauen – in voller quälender Länge und mit allen verfügbaren Zeitlupeneinstellungen. Nein, es gibt für niemanden im Borussen-Dress mehr Anlass, Dinge schönzureden oder auf abstruse Nebenschauplätze zu flüchten. Mit dem 1:2 gegen ordentliche, aber doch nicht übermächtige Fußballer aus Salzburg ist der BVB an einem Punkt angelangt, an dem es keinen Stuhlkreis mehr braucht, sondern schonungslose Manöverkritik und einen großen Spiegel, in den jeder einmal hineinschauen muss. Die Fans jedenfalls hatten am Donnerstagabend nicht den Eindruck, dass die Mannschaft sich komplett geschunden habe für ein bisschen mehr Kultur und ein besseres Ergebnis.

Kommentar

Es ist momentan nicht schwer, dem BVB die Lust am Fußball zu nehmen. Dies haben vor Salzburg schon einige Leichtgewichte aus der Bundesliga geschafft. Wolfsburg, Freiburg und Augsburg entführten in diesem Jahr bereits Punkte aus Dortmund. Die westfälische Fußball-Oper, einst Bühne für großen Glanz, hat Ausstrahlung und Magie verloren.

Die Fans sind verärgert und dies aus nachvollziehbarem Grund. Der Anspruch in Dortmund ist hoch, seit geraumer Zeit gelingt es der Mannschaft nicht, die Erwartzungen zu erfüllen. Da ist kein Team auf dem Platz, dass sich in voller Stärke wehrt. Viel zu viele sind mit sich selbst beschäftigt und damit schon überfordert. Es fehlt einer, der die Dinge nicht weichspült, sondern die Ärmel aufkrempelt und aus Zaudernden Männer macht. Es fehlt ein Mats Hummels. Oder ein Sebastian Kehl. Vielleicht auch ein Thomas Tuchel. Jedenfalls einer, der unbequeme Wahrheiten nicht scheut.

 Wilfried Sprenger

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Und so wird der kommende Donnerstag nun zu einem schicksalhaften Tag für Dortmund. Mindestens zwei Tore braucht das Team um die im Hinspiel besonders enttäuschenden Nationalspieler Marco Reus und Mario Götze. „Für das Rückspiel haben wir jetzt eine klare Marschroute“, stellte Castro fest. Klingt so, als habe es die für den ersten Vergleich nicht gegeben. Der große Match-Plan war im lethargischen und bewegungsarmen Ballgeschiebe nun wirklich nicht zu erkennen. Und deshalb gibt es auch berechtigte Zweifel an der Einschätzung Stögers, der BVB habe genügend Qualität, um in Salzburg gewinnen zu können. Zumindest am Hinspielabend klang das sehr nach bemüht und nach Parole.

An der Salzach jedenfalls haben sie am Donnerstag Blut geleckt und Fährte aufgenommen. Ein Club vom Kaliber Dortmunds war noch nie Beute der Österreicher. Zögernd bedeutete Trainer Marco Rose, dass erst Halbzeit sei. Dann ging der Deutsche doch verbal aufs Ganze: „Das Ziel ist nicht, einmal in Dortmund zu gewinnen. Das Ziel ist, die nächste Runde zu erreichen.“

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