Fr., 13.04.2018

Revierderby-Vorschau Nummer zwei will keiner sein

Rudelbildung: Nach dem 4:4 im Hinspiel gibt es zwischen Schalker und Dortmunder Spielern offenbar noch Rede- und Klärungsbedarf.

Rudelbildung: Nach dem 4:4 im Hinspiel gibt es zwischen Schalker und Dortmunder Spielern offenbar noch Rede- und Klärungsbedarf. Foto: Witters

Münster - 

Das 174. Derby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund am Sonntag ist mehr als nur eine wichtige Episode im Fünfkampf um die Champions League-Plätze, es geht auch um die Vormachtstellung im Revier. Vor dem 30. Spieltag in der Bundesliga werden unweigerlich Erinnerungen an das verrückte Hinspiel wach. 

Von Wilfried Sprenger

Als Borussia Dortmund 2011 und 2012 den großen Bayern die Trophäen wegschnappte und ausrief, nun für lange Zeit zweiter Leuchtturm im deutschen Fußball sein zu wollen, kratzte dies manchen Anhänger des FC Schalke schon ziemlich. Zunehmend im langen Schatten des BVB zu stehen, war eine Vorstellung mit alptraumhaften Zügen.

Nummer zwei im Revier – das würde dem ins Unterhaus abgerutschten VfL Bochum gefallen. Aber nicht Schalke. Im Stahlressort war die Position zum in inniger Abneigung verbundenen Nachbarn schon immer eine Herzensangelegenheit. In den vergangenen sieben Jahren reihte sich Königsblau in der Abschlusstabelle sechsmal hinter Schwarzgelb ein. Die laufende Serie könnte anders enden. Vor dem Derby am Sonntag liegt Gastgeber Schalke einen Punkt vor der Borussia.

Die Ruhrgebiets-Rivalen nach 29 Spieltagen auf einer Höhe – das ist schon ein bisschen überraschend. In Schalke frohlocken sie angesichts der exponierten Stellung. Der Club hat unter Sportvorstand Christian Heidel nach zähem Start eine rasante Entwicklung genommen und in Domenico Tedes­co womöglich endlich den richtigen Trainer gefunden. Die unmittelbaren Vorgänger, Roberto di Matteo, An­dre Breitenreiter und Markus Weinzierl, wurden auf Schalke nicht wirklich froh. Tedesco, erst 32, hat offenbar mehr Glück. Und Geschick.

Spektakuläres Hinspiel

Heidel beschreibt den Liga-Novizen als „Ideallösung. Ich kann mir keinen Besseren vorstellen und kein Szenario, das das ändern könnte“, sagt der Manager. Anders als einige seiner Vorgänger spürt Tedesco den Rückhalt der Fans. So richtig entflammt ist die echte Liebe im spektakulären Hinspiel in Dortmund, als Schalke hoffnungslos 0:4 zurücklag und der Coach die Seinen noch zum gefeierten 4:4 trieb.

Beim BVB schaut der Trainer des letzten Derbys schon lange aus der Ferne zu. Peter Bosz, der smarte Niederländer, wurde im Dezember abgelöst. Seitdem hat Peter Stöger das Kommando. Hochstimmung herrscht unter dem Österreicher nicht, sehr wahrscheinlich ist das erste auch das letzte Derby für den seit Mittwoch 52-Jährigen.

Große Umbauarbeiten

Ende dieses Monats will Dortmund die Entscheidung in der Trainer-Personalie bekanntgeben und dann nach einer Saison mit zu vielen Enttäuschungen die großen Umbauarbeiten im überschätzten Kader einleiten. Zurzeit wässern und pflegen sie jedes auch noch so kleine Pflänzchen. Für das Derby taugt schon eine ordentliche zweite Halbzeit zuletzt gegen Stuttgart (3:0) zur Hoffnungsranke. Aus bitterer Erfahrung wissen sie beim BVB allerdings sehr genau, wie schnell frische Blüte in dieser Serie verwelkt.

Auf Schalke hatten sie dagegen fast schon vergessen, wie sich Niederlagen anfühlen. Bis die Mannschaft am vergangenen Samstag nach Hamburg fuhr und 2:3 unterlag. Ausgerechnet beim Schlusslicht, das das Wort Sieg kaum noch buchstabieren und schon lange nicht mehr bis drei zählen konnte. Tedesco macht den Ausrutscher nicht mehr zum Thema. „Es gibt wirklich keinen Grund, verunsichert zu sein“, sagte er am Freitag. Optimismus versprühte auch Kollege Stöger. „Es ist immer Brisanz im Derby. Aber die Ausgangslage, dass wir vorbeiziehen können, macht es außergewöhnlich“, erklärte der BVB-Coach.

Nummer eins oder Nummer zwei im Revier? Diese Frage wird am Sonntag für den Moment geklärt, aber nicht final für die Saison. Und sie wird ab August dann schon wieder neu gestellt unter deutlich veränderten Vorzeichen. Dortmund ist ein gutes Stück davon entfernt, zweiter Leuchtturm der Branche zu sein. Und Schalke hat zwar aufgeholt, verliert aber Leon Goretzka und wohl auch Max Meyer. Da ist viel Bewegung im Revier. Für Heidel kein Problem. „Wir werden das kompensieren.“



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