Di., 08.05.2018

Fußball: Bundesliga Lucien Favre – mehr Künstler als Kämpfer

Lucien Favre kennt sich aus in der Bundesliga: Der Schweizer trainierte bereits Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach.

Lucien Favre kennt sich aus in der Bundesliga: Der Schweizer trainierte bereits Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach. Foto: imago/DeFodi

Münster - 

Die Spekulationen blühen, die Vereinsführung mauert - Borussia Dortmund kommt auch vor dem „Endspiel“ um die Champions League bei 1899 Hoffenheim nicht zur Ruhe. Anhaltende Schlagzeilen über die angeblich bevorstehende Verpflichtung von Trainer Lucien Favre sind der Vorbereitung auf die wichtige Partie am Samstag wenig zuträglich.

Von Wilfried Sprenger

Am kommenden Samstag endet das Engagement von Trainer Peter Stöger beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. Sollte der BVB als Gast von 1899 Hoffenheim das Champions-League-Ticket lösen, werden sich alle um den Hals fallen, weil eine turbulente Saison dann halbwegs gerettet wäre. Wenn nicht, wird die Luft um den Borsigplatz noch einmal richtig brennen. Egal wie die spannende Geschichte ausgeht, die Zukunft von Stöger liegt an einem anderen Ort. Auch wenn es dafür keine offizielle Bestätigung gibt: Dass der Schweizer Lucien Favre (zurzeit noch in Nizza beschäftigt) Österreicher beim BVB beerbt, gilt als sicher.

Seit Jürgen Klopp die Borussia vor drei Jahren verließ, wird der Meister von 2011 und 2012 mit seinen Trainern nicht glücklich. Thomas Tuchel wurde verjagt, weil die zwischenmenschliche Komponente nicht stimmte. Peter Bosz scheiterte an der eigenen Sturheit und zunehmend schlechten Ergebnissen. Stöger hat das Aus in der Europa League, einige seelenlose Vorstellungen und zuletzt das blamable 1:2 gegen Mainz zu verantworten. Mit dem nächsten Schuss sollten die Entscheider beim BVB zwingend wieder einen Treffer landen.

Lucien Favre ist schon 60, aber seine Augen leuchten wie die eines 30-Jährigen. In der Bundesliga hat er bisher Hertha BSC (zwei Jahre) und später Borussia Mönchengladbach (viereinhalb Jahre) trainiert. In Berlin provozierte er seinen Rausschmiss. Am Niederrhein machte er sich durch die Hintertür aus dem Staub, weil ihn der Verein trotz mehrfacher Bitte um Freistellung nicht ziehen lassen wollte. Nach fünf Niederlagen zum Start der Saison 2015/2016 trieb ihn offenbar die Sorge, keine Lösung für die Situation zu finden. Obwohl Clubführung und Mannschaft komplett hinter ihm standen, war der Perfektionist zumindest in diesem Moment nicht bereit zu kämpfen. So wie 53 Monate zuvor, als er die Fohlen in dramatisch schlechter Position übernahm und sie noch zum Klassenerhalt führte.

Pferdeflüsterer wurde Favre damals oft genannt, tatsächlich hatte er seine beste Zeit im Borussen-Stall. 2014 Europa League, 2015 Champions League, Trainer des Jahres, jede Saison ein bisschen mehr, ehe es plötzlich Niederlagen hagelte und der kauzige Künstler Favre nicht mehr weiterwusste – und über Nacht davongaloppierte.

Jetzt trabt er zurück in die Bundesliga. In Dortmund muss Favre viele Spalten schließen und neue Brücken bauen. Er wird Hilfe brauchen. Dabei ist der Schweizer weder Diplomat noch Kumpel, sondern ein Fußball-Entwickler mit klaren und durchaus eigensinnigen Vorstellungen. In Gladbach hat er eine kleine Epoche geprägt, die Menschen dort waren ihm schon dankbar, als er den Verein vor dem Abstieg gerettet hatte.

Dortmund mit all seinen Ansprüchen ist größer als Gladbach und die Aufgabe für den neuen Trainer definitiv gewaltig. Da wird es der Einzelgänger vielleicht sogar begrüßen, beim Start nicht allein zu sein und einen Vertrauten an seiner Seite zu haben. BVB-Nationalspieler Marco Reus, ehemals Favre-Schützling in Mönchengladbach, schwärmte bei seinem Abschied am Niederrhein geradezu vom Coach: „Er ist ein sensationeller Trainer. Von ihm habe ich in meiner Karriere am meisten gelernt.“



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