Fußball: Bundesliga
BVB wacht in Leverkusen noch rechtzeitig auf

Leverkusen -

Macht sich da eine Mannschaft auf, den FC Bayern München zu gefährden? Borussia Dortmund jedenfalls wirbelte am Samstagabend die Leverkusener BayArena auf und gewann trotz eines 0:2-Rückstands das Spitzenspiel noch.

Sonntag, 30.09.2018, 15:48 Uhr aktualisiert: 30.09.2018, 16:32 Uhr
Drei Tore in 50 Einsatzminuten: Paco Alcacer erzielte beim 4:2 in Leverkusen die Dortmunder Siegtore. Bester BVB-Spieler war Kapitän Marco Reus (kleines Bild), auch er erzielte einen Treffer.
Drei Tore in 50 Einsatzminuten: Paco Alcacer erzielte beim 4:2 in Leverkusen die Dortmunder Siegtore. Bester BVB-Spieler war Kapitän Marco Reus (kleines Bild), auch er erzielte einen Treffer. Foto: dpa

Es gibt Tage, an denen der Mensch schon kurz nach dem Weckruf spürt, dass es besser wäre, direkt wieder ins Bett zurückzukriechen. Keine Energie, Aufmerksamkeitsdefizite, wenig Spannung. Fußballer vom Kaliber eines Marco Reus sind keine Frühaufsteher und horchen gewöhnlich erst in der aktiven Vorbereitungsphase eines Spiels in ihren Körper hinein. Und da beschlich den Kapitän von Borussia Dortmund am Samstag in Leverkusen ein ganz schlechtes Gefühl. Das Aufwärmen sei ziemlich mies gewesen, er habe direkt gemerkt, dass es erst einmal nichts werden würde. Tatsächlich präsentierte sich der BVB beim spektakulären 4:2 (0:2)-Erfolg eine Halbzeit lang wie ein in der Anästhesie örtlich betäubter Patient. Gleichwohl verließ er die BayArena am Abend als Bundesliga-Spitzenreiter.

Wer lange nur nebenher läuft, trotzdem nicht aufgibt und ein 0:2 komplett und höchst eindrucksvoll dreht, der wird gern für seinen Charakter gelobt. Grundsätzlich natürlich zurecht, doch Dortmunds Wendemanöver war an diesem Abend vor allem auf die herausragende fußballerische Qualität zurückzuführen. Nationalspieler Reus, seit Saisonbeginn Kapitän, ging elegant und leichtfüßig voran. Was ist das für ein Fußballer, wenn ihn Sehnen, Bänder oder Muskeln nicht hemmen.

Mit drei teils wunderschönen Toren binnen 20 Minuten durch Jacob Brunn Larsen (65.), Reus (69.) und Paco Alcacer (85.) brannte der BVB die erste Halbzeit aus der Erinnerung. Joker Alcacer traf in der Nachspielzeit ein zweites Mal, plötzlich glänzte alles blitzsauber, was zur Pause noch mattgrau schimmerte. „Man muss immer an seine Chance glauben“, dozierte Trainer Lucien Favre später, „wenn du ein Tor machst, ändert das alles.“ Der BVB fuhr am Samstagabend zurecht stolz heim, aber auch im Wissen, dass es nicht zwingend gut ausgehen musste. Als Leverkusen noch voll im Saft stand, verhinderten einmal der Pfosten und zwei Mal Keeper Roman Bürki den Dolchstoß zum 0:3. Danach fehlte Bayer nach wirklich starken und sehr griffigen 60 Minuten der Sauerstoff, um Dortmunds erwachte Gipfelstürmer aufzuhalten. Julian Brandt sah im 1:2 den Knackpunkt. „Dieses Tor hat dem Gegner sehr viel Energie gegeben, das ist schon eine super Mannschaft.“

Allerdings eine, die es augenscheinlich noch nicht schafft, das vorhandene Ausnahme-Potenzial über die volle Distanz freizulegen. In Leverkusen hatten zwei Einwechselspieler hohe Anteile am Erfolg. Jadon Sancho war gerade 60 Sekunden auf der Wiese, als er mit Reus die Kugel mehrfach hin- und herschob und präzise zum 2:2 auflegte. Es war die fünfte Torvorlage des von Manchester City ausgeliehenen Briten in erst 124 Bundesliga-Minuten – ein Tor hat er auch schon geschossen. Noch eindrucksvoller sind die Werte von Alcacer, dem in 50 Einsatzminuten drei Treffer gelangen.

Reus, Sancho, Alcacer und viele mehr nährten am Samstag die Hoffnungen der BVB-Fans auf ein Comeback zumindest im Dunstkreis des FC Bayern. Favre mahnte zur Vorsicht: „In der Bundesliga ist jedes Spiel schwer.“ Zur miesen Aufwärmphase konnte er nichts sagen. „Da war ich in der Kabine.“ Vielleicht geht er künftig doch einmal früher raus.

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