Fußball: Bundesliga
Paco Alcácer, der Matador, schießt den BVB wieder an die Spitze

Dortmund -

Zwei Tore von Paco Alcácer in den Schlussminuten beförderten Borussia Dortmund auch dank der Punktverluste der Bayern in Freiburg wieder an die Tabellenspitze. Gegen Wolfsburg gehörte beim 2:0 auch etwas Glück dazu – und die Qualität des Spaniers.

Sonntag, 31.03.2019, 15:14 Uhr aktualisiert: 31.03.2019, 15:17 Uhr
Mann des Tages in Dortmund: Paco Alcácer schoss Dortmund zurück an die Tabellenspitze. Beim 2:0 gegen Wolfsburg traf der Spanier zweimal in der Nachspieltzeit. Der BVB erzielte somit auch im 14. Heimspiel der Saison mindestens zwei Treffer.
Mann des Tages in Dortmund: Paco Alcácer schoss Dortmund zurück an die Tabellenspitze. Beim 2:0 gegen Wolfsburg traf der Spanier zweimal in der Nachspieltzeit. Der BVB erzielte somit auch im 14. Heimspiel der Saison mindestens zwei Treffer. Foto: Witters

Paco Alcácer ist seit August vergangenen Jahres ein Dortmunder. 23 Millionen Euro zahlte der BVB als Ablöse für den hübsch tätowierten Spanier. Das Geld ist gut angelegt. Manche, die besonders gut rechnen können, sagen, der Transfer habe sich bereits amortisiert. Dabei stand der 25-Jährige am Samstag beim 2:0 (0:0) über den VfL Wolfsburg erstmals in einem Bundesliga-Spiel vom Anfang bis zum Ende auf dem Platz.

Lucien Favre ließ den schmächtigen und nur 1,76 Meter großen Torjäger in einer zähen Partie durchspielen, weil der ihm noch am ehesten die Hoffnung auf das späte Glück gab. Der Mann mit der besonderen Gabe, in entscheidenden Momenten das Richtige zu tun, enttäuschte seinen Trainer nicht. Mit zwei Treffern in der Nachspielzeit katapultierte er Dortmund zurück an die Tabellenspitze. „Ich nenne Paco jetzt Matador, im Sinne von Killer“, sagte Mitspieler Axel Witsel nach der Partie.

Auch Alcácer stellte sich nachher vor ein Mikrofon. Das macht der schüchterne Spanier nicht gern. Er ist keiner, der fein redet wie etwa der Ex-Dortmunder Christoph Metzelder. Oder plaudert wie Lothar Matthäus. Alcácer ist Experte für besondere Augenblicke. Einer, der an sich glaubt und nicht wegläuft, wenn der erste Versuch schiefgeht.

So wie am Samstag gegen Wolfsburg, als sich der Ball nach einem Freistoß im Netz vor der Südtribüne verfing – sehr weit entfernt vom Ziel. Für den Moment heulte der Schütze im Rudel mit den gequälten Fans, die angesichts der mäßigen Gesamtleistung des neuen Tabellenführers viel Ärger und Frust schluckten. Doch als der vierte Schiedsrichter sein Täfelchen in den Himmel reckte, um die Nachspielminuten anzuzeigen, wusste Alcácer, dass es Zeit war, die Dinge zu entscheiden. Sein zweiter Freistoß an diesem Tag rutschte durch bis hinter die Linie, später überstreute er einen Konter noch mit Puderzucker. „Paco mit Doppelpack“ lautete eine der ersten Schlagzeilen an diesem Abend. Der Gefeierte selbst nahm sich im Interview nicht wichtig. „Manchmal treffe ich, manchmal treffen die anderen, egal, wir sind doch eine Mannschaft“, sagte er.

Alcácer erzielte gegen Wolfsburg seine Ligatore 15 und 16. Damit ist er in dieser Statistik wieder vorbei an Mitspieler Marco Reus (15), der am Samstag noch Besseres und Wichtigeres zu tun hatte, als Fußball zu spielen: Bei Freundin Scarlett hatten am Morgen Geburtswehen eingesetzt. Natürlich fehlte der Kapitän auf dem Platz. Als Fixpunkt, als Torschütze, als Vorlagengeber. Neunmal hat der 29-Jährige in dieser Saison schon für seine Mitspieler aufgelegt, bei Alcácer steht da noch die Null, der Spanier erledigt die Dinge offenbar lieber selbst.

Was nicht zum Problem wird, wenn am Ende alles gut geht. Zum sechsten Mal bereits in dieser Saison wendete oder entschied der BVB ein Spiel nach der 80. Minute. In der Summe errang er so 13 Punkte. Mit sieben Toren hatte Alcácer maßgeblichen Anteil daran. Trainer Favre ist den Stress mitunter bis in die Nachspielzeit längst gewöhnt. Eigentlich predigt er seit seinem Amtsantritt im Sommer, „dass in der Bundesliga jedes Spiel sehr, sehr schwer ist“. Vielleicht wird das nächste sogar sehr, sehr, sehr schwer. Am Samstag kommt es in München zum Gipfeltreffen mit dem FC Bayern. Mancher BVB-Fan wird sich wünschen, dass es lange unentschieden steht. Nicht erst seit diesem Wochenende sind Schlussphasen eine besondere Spezialität der Dortmunder. Auch dank eines besonderes Stürmers. Mittelfeldspieler Thomas Delaney brachte die Dinge am Samstag kurz und sauber auf den Punkt: „... und am Ende haben wir dann einfach Paco.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6508577?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686217%2F2820513%2F
Nachrichten-Ticker