Fußball: Bundesliga
Favre hakt den Titelkampf ab

Dortmund -

Damit hatte Borussia Dortmund nun wirklich nicht gerechnet. Ausgerechnet gegen den strauchelnden FC Schalke 04 kassierte der Tabellenzweite die erste Saisonniederlage in der Bundesliga. Trainer Favre gab das Titelrennen danach auf.

Sonntag, 28.04.2019, 16:56 Uhr
Lauter leere Gesichter: Dortmunds Regisseur Axel Witsel und seine Mitspieler nach der Derby-Pleite.
Lauter leere Gesichter: Dortmunds Regisseur Axel Witsel und seine Mitspieler nach der Derby-Pleite. Foto: AFP

Als sich Lucien Favre den ersten Frust in einem für ihn völlig untypischen Wortschwall von der Seele geredet hatte, verlor er seine Körperspannung und auch dieses Stechen in den Augen. Der Dortmunder Fußball-Trainer wirkte nun nicht mehr kämpferisch. Und so beantwortete er die Frage, ob die Meisterschaft mit diesem Tag entschieden sei, dann auch im Stil eines Geschlagenen: „Ja, klar.“ Andere BVB-Verantwortliche ließen sich nach dem bitteren 2:4 (1:2) im Derby gegen Schalke 04 noch ein Hintertürchen offen. „Warten wir ab, wie die Bayern am Sonntag in Nürnberg spielen“, sagte Ex-Profi und Chef der Lizenzspielerabteilung Sebastian Kehl, „aber eigentlich wissen wir ja, wie es ausgeht.“

Der BVB hat viel erlebt in dieser Saison. Er ist hoch geflogen, sogar so hoch, dass sich Rekordmeister FC Bayern ernsthaft Sorgen um eine Erweiterung seiner Titelsammlung machte. In der Rückrunde sind die Borussen dann ein bisschen gefallen, zuletzt schossen Favorit und Herausforderer auf gleicher Höhe durch die Fußball-Galaxie. Nun, kurz vor dem Ziel hat Dortmund den Kompass und damit die Orientierung verloren. Die unerwartete Derby-Pleite erschütterte Mannschaft, Verein und Anhang gleichermaßen. „Das hat sehr, sehr wehgetan“, konstatierte Kehl.

Dortmund beendete das Nachbarschaftsduell in doppelter Unterzahl. Binnen fünf Minuten flogen am Samstag Marco Reus (60.) und Marius Wolf (65.) nach groben Fouls zu Recht mit Rot vom Platz. Als der Kapitän ging, stand es 1:2. Ein Ergebnis, das noch Wendepotenzial hatte gegen gut organisierte, aber wenig torgefährliche Schalker. Mit einem ganz feinen Freistoß zum 1:3 (62.) gab Daniel Caligiuri dem BVB den Rest.

Vielleicht hätten nach diesem 176. Derby ganz andere gelacht, wäre der Video-Assistent Guido Winkmann an diesem Nachmittag ruhig geblieben. Die Borussia hatte gerade durch Mario Götze im Fünf-Sterne-Zusammenspiel mit Jadon Sancho vorgelegt (13.), als Winkmann auf den roten Knopf drückte und bei Schiedsrichter Felix Zwayer die Ohren klingelten. Handelfmeter, weil der Ball nach Breel Embolos Schuss dem einen Meter entfernt stehenden Julian Weigl an den Arm rauschte. Ein eindeutiger Fall, erklärte Zwayer später. Die Erklärung in Kurzform: Arm abgespreizt, Körperfläche unnatürlich vergrößert, strafbare Handlung.

Als der Referee ruhig über sein Vorgehen dozierte, saß der in der Regel eher zurückhaltende Favre verbal längst nicht mehr im Sattel. Gnadenlos hämmerte der Schweizer auf die „Hand-Regel“ und dessen Urheber ein. „Niemand weiß, wer das erfunden hat. Es ist lächerlich, eine Schande für den Fußball und der größte Skandal aller Zeiten.“

Favres Aufregung ist nachvollziehbar, zumal Weigls Armbewegung nicht unnatürlich war. Womöglich markierte dieser Elfmeter, der zum 1:1 führte, tatsächlich den großen Wendepunkt im Spiel. Doch in der sorgfältigen Analyse muss der BVB feststellen, nicht unschuldig am Dilemma zu sein. Zu wenig Torgefahr, zu viel Schaum vor dem Mund. Kehl: „Wir haben uns viel selbst zuzuschreiben.“

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