Fußball: Bundesliga
Wieder Stimmung in der Hütte: 9300 Fans sehen das 3:0 des BVB gegen Gladbach

Dortmund -

Borussia Dortmund ist mit einem 3:0-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach in die neue Bundesliga-Saison gestartet. Giovanni Reyna (34.) und zweimal Erling Haaland (54. Foulelfmeter nach Videobeweis/77.) trafen vor 9300 Zuschauern. Erstmals waren nach Monaten der Leere wieder Fans im Stadion zugelassen.

Sonntag, 20.09.2020, 17:03 Uhr aktualisiert: 20.09.2020, 19:19 Uhr
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Auf Abstand: Foto: imago-images

Sie war das Herz des BVB, pumpte das Blut in der Regel durch 25 000 euphorisierte Seelen. Die Südtribüne im Signal Iduna Park hatte einen eigenen Organismus, der Spiele entscheiden konnte. Von ihr ging eine unfassbare Kraft aus. Vor Corona war das imposante Stahlbeton-Konstrukt ein Paradebeispiel dafür, wie die Stehplatzkultur in deutschen Arenen gehegt und gepflegt wurde. In Zeiten des grassierenden Virus hat die furchteinflößende „Gelbe Wand“ an Charisma verloren. Nur etwa 2000 Fans pflanzten sich am Samstagabend zum Bundesliga-Auftakt gegen Borussia Mönchengladbach auf Europas einst größter Bühne für „Steher“ auf eine der tristen grauen Sitzschalen. Auf den 100 Metern Breite und 40 Metern Höhe mussten die Stehränge in Dortmund vorerst ausziehen. Ein befremdlicher Anblick. Aber – und das ist das Entscheidende: es waren wieder Menschen im Stadion. 9300 an der Zahl. Selbst ohne die Ultras als treibende Kraft gab es so etwas wie Stimmung beim 3:0-Erfolg des BVB durch Tore von Giovanni Reyna (34.) und zweimal Erling Haaland (54. Foulelfmeter nach Videobeweis/77.). Geisterspiele sind nicht länger ein lästiger Trend. Das hier ist ein Stück zurück auf dem langen Weg zur Normalität. Fußball kann so schön sein.

Freie Fahrt auf dem Rheinlanddamm. Dort, wo sonst zwei Stunden vor den Heimspielen ein Verkehrschaos herrscht, geht es ungewohnt flüssig voran. Keine Staubildungen, kein Zeitverlust – die Blechkisten rollen. Zeitgleich schlendern auf der Strobelallee all jene, die ein Ticket für das Topspiel in der Tasche haben, entspannt wie selten den gelben Säulen der Spielstätte des achtmaligen deutschen Meisters entgegen. An den Eingängen wird weder geschubst noch gedrängelt. Der Mindestabstand, so gut es geht, eingehalten. Und die Gesichtsmasken gezückt. Wer sich nicht an die Regeln hält, bekommt einen dezenten Hinweis der zahlreichen Ordnungskräfte, die trotz der veränderten Rahmenbedingungen kaum reduziert werden. Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen.

Im weitläufigen Rund peitscht derweil BVB-Legende und Stadionspreche Norbert Dickel die Fans nach vorne. „Mann, was habe ich mich auf diesen Tag gefreut“, gesteht der 58-Jährige. Sein Appell: „Ihr müsst trommeln wie 80 000.“ Auf der lichtdurchlässigen Süd hängt ein einziges, mickriges Plakat mit dem im Revier vielsagenden Schriftzug „Pöhler“. Eine Hommage an Ex-Trainer Jürgen Klopp und sein Lieblingskäppi. Die Pandemie hat vieles genommen.

Und doch sind die Zuschauer „auf Bewährung“ ein erstes starkes Signal der Politik. „Es war unglaublich schön, sie dabeizuhaben. Sie haben uns unterstützt, das haben wir heute auch gebraucht. Sie haben uns einen Extra-Boost gegeben, und es war natürlich fantastisch, vor ihnen ins Tor zu treffen.“ Dortmund Wunderkind Haaland freute sich wie Bolle über so was wie Stadion-Atmosphäre. Der Doppelpacker brachte im Anschluss auch ein wenig Licht ins Dunkel, warum er mit Jadon Sancho vor dem Strafstoß so kontrovers diskutiert hatte. Denn vor der Ausführung durch Haaland hatte sich das Juwel von der Insel das Leder geschnappt. Der Norweger, der etatmäßige Schütze Nummer eins, sprach auf Sancho ein, kassierte die Kugel frech – und traf. Das beste Argument. Reyna war zuvor im Strafraum zu Boden gegangen, nachdem ihn Ramy Bensebaini leicht am Fuß touchiert hatte. Schiedsrichter Felix Brych entschied nach Ansicht der TV-Bilder auf Elfmeter.

Der Start in die Serie ist aus Sicht der Dortmunder geglückt. Jungstars wie die 17-jährigen Jude Bellingham und Reyna haben die Gladbacher DNA an diesem Samstag entschlüsselt. Und ihren Fans ein Lächeln ins Gesicht gepinselt. Vielleicht darf gegen Freiburg am 3. Oktober noch mehr Volk rein. Nur das Epizentrum der Fußball-Begeisterung, die Süd, wird vorerst nahezu verwaist bleiben.

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