BVB schlägt Bielefeld im Westfalen-Derby 3:0
Jeder sucht sein rettendes Ufer

Dortmund -

Dortmund bezwingt Bielefeld. Es hat schon größere Überraschungen gegeben in der laufenden Bundesliga-Saison. Doch ganz so einfach, wie das erwartbare Ergebnis glauben lässt, stellt sich die Situation nicht dar.

Sonntag, 28.02.2021, 15:58 Uhr
Der Elfmeter vor dem 2:0: Ex-BVB-Talent Amos Pieper (r.) bringt Marco Reus vor Stefan Ortega (l.) zu Fall.
Der Elfmeter vor dem 2:0: Ex-BVB-Talent Amos Pieper (r.) bringt Marco Reus vor Stefan Ortega (l.) zu Fall. Foto: dpa

Wenn Arminia Bielefeld als Liga-Außenseiter nach knapp zwei Dritteln der Saison mit engster Tuchfühlung zum Nichtabstiegsplatz und einem Nachholspiel in der Hinterhand 16. ist, klingt das nicht überaus dramatisch, fast erwartbar. Dennoch gibt es spätestens nach dem 0:3 (0:0) bei Borussia Dortmund ein paar Alarmzeichen, die auch Trainer und Profis registriert haben. Die Ostwestfalen sind seit fünf Partien sieglos, Letzter der Rückrundentabelle mit einem Zähler (insgesamt sind es auch nur schmale 18) und haben mehr Tore kassiert als jedes andere Team. Kaschiert wurde diese Bilanz nur durch den Sensationspunkt, das 3:3 bei den Bayern, vor zwei Wochen.

Arminia nicht chancenlos

Trainer Uwe Neuhaus erinnerte nach dem Westfalen-Derby genau an diese Partie. „Es ist müßig, aber natürlich denkt man dran, dass es uns dort Kräfte verliehen hat, als wir in Führung gegangen sind.“ In Dortmund hatte Bielefeld auch einige Abschlüsse. Sergio Cordova vergab freistehend die beste Chance mit einer kuriosen Schusstechnik (43.). „Den musste er machen“, fand auch BVB-Abwehrchef Mats Hummels. Lange verteidigte der Neuling clever, schaltete gut dosiert auf Pressing um und hatte eigene Angriffe. In mehreren Szenen warfen sich gleich vier, oder fünf Schienbeine in Dortmunder Gelegenheiten. Mit dem Rückstand aber ließen diese Beobachtungen nach. „Teilweise zu überhastet“, fand Neuhaus seine Offensive.

Nun ist Arminia eine reine No-Name-Truppe. Liga-Erfahrung hatte aus der Startelf vom Samstag im Sommer fast niemand. Fabian Kunze spielte vor eineinhalb Jahren in Rödinghausen noch viertklassig. Und wer kannte vor der Saison Ritsu Doan, Jacob Laursen oder Cedric Brunner? Dennoch geht es um messbare Erfolge. „Ich bin komplett frustriert, es kann nicht sein, dass wir immer nach der Halbzeit die Spiele herschenken“, sagte Torhüter Stefan Ortega. Hier und da ein überraschender Punkt, dort ein Heimsieg – das kann, muss aber nicht reichen für den Klassenerhalt.

Sancho legt zu

Mahmoud Dahoud zeigte sich zuletzt verbessert. „Er war gut in den letzten zehn Tagen und davor sehr geduldig“, sagte BVB-Coach Edin Terzic. Auch Mateo Morey macht erkennbare Fortschritte, Jude Bellingham ebenfalls. Doch gegen Bielefeld stach vor allem der Formanstieg von Jadon Sancho hervor, nicht nur wegen der beiden Scorerpunkte. „Mit jedem Tor kommt mehr Selbstbewusstsein“, sagte der Engländer. Terzic betonte: „Er hatte nichts verlernt, jetzt drückt er, beschleunigt sehr gut. Wir waren ja vorher von ihm verwöhnt.“ Kollege Mats Hummels kitzelte den 20-Jährigen etwas: „Er arbeitet jetzt ein bisschen anders und spielt stark. Offensivspieler müssen das ja manchmal lernen.“

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Das rettende Ufer für die Borussen ist ein anderes, nämlich Platz vier. Mit dem überzeugenden Auftritt sind sie diesem Ziel wieder auf drei Zähler näher gerückt. Nach einigen Monaten strahlt der BVB wieder so etwas wie Stabilität aus. Unter Trainer Edin Terzic gelangen erstmals drei Pflichtspielsiege in Serie. „Wir spielen etwas zielorientierter, können uns aber nach wie vor steigern“, sagte Hummels. Dortmund diktierte über 90 Minuten, leistete sich nur vereinzelt Leerlauf, jedoch vor der Pause auch eine gewisse Großzügigkeit im Umgang mit Chancen. Raphael Guerreiro (4.), Marco Reus (28./Latte), Giovanni Reyna (33.) und Erling Haaland (39.) vergaben die besten.

Dahoud stellt die Weichen

Die Erlösung lieferte direkt nach Wiederanpfiff Mahmoud Dahoud trocken aus 17 Metern (48.). Vorbereiter Jadon Sancho verwandelte wenig später einen sehenswert herausgespielten Foulelfmeter (58./Amos Pieper an Reus). Den Schlusspunkt setzte nach einem Konter und Haaland-Querpass Reinier (81.). Dass der Brasilianer seine Torpremiere feierte und Thorgan Hazard wie Dan-Axel Zagadou ihre Comebacks, rundete den Nachmittag ab. „Es sind gute Wochen“, befand Emre Can. Terzic bestätigte: „Das Selbstvertrauen wächst.“ Den Blick nach vorn richtete Hummels. „Dienstag, Samstag, Dienstag – wir haben jetzt drei absolute Kracher“, sagte der 32-Jährige. „Da können wir wirkliche Schritte machen.“ Die Begegnungen gegen Gladbach (Pokal), in München (Liga) und gegen Sevilla (Champions League) werden erste Aufschlüsse liefern, ob der BVB Spielzeit und Terzic-Amtszeit aufwerten oder gar veredeln kann.

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