Scheidender Wolfsburg-Coach
Labbadia sorgt sich um Trainerzunft

Wolfsburg (dpa) - Bruno Labbadia sorgt sich ungeachtet seiner eigenen Situation als scheidender Coach des VfL Wolfsburg wegen der vielen anstehenden Trainerwechsel in der Fußball-Bundesliga.

Donnerstag, 18.04.2019, 14:16 Uhr aktualisiert: 18.04.2019, 14:18 Uhr
Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia sorget sich angesichts der vielen Trainerwechsel.
Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia sorget sich angesichts der vielen Trainerwechsel. Foto: Jan Woitas

«Ich glaube nicht, dass es gut ist für den Trainerberuf, was gerade abgeht», sagte Labbadia. «Die Clubs haben generell zu wenig Geduld. Das ist auch nicht gut für die Spieler.»

Labbadia verlässt den VfL nach dem Ende seines Vertrages nach dieser Spielzeit aus freien Stücken. Neben dem VfL suchen auch Hertha BSC und der FC Schalke 04 nach neuen Trainern für die kommende Saison, Borussia Mönchengladbach, RB Leipzig und 1899 Hoffenheim haben bereits welche gefunden. Keine feste Perspektive haben zudem Markus Weinzierl und Thomas Doll bei den Abstiegskandidaten VfB Stuttgart und Hannover 96. Der ebenfalls abstiegsbedrohte FC Augsburg wechselte gerade erst Manuel Baum gegen Martin Schmidt aus.

Labbadia macht dies an einer allgemeinen «getriebenen» Branche fest und sprach von einem «nicht optimalem Konstrukt» - obwohl er möglicherweise selbst bei der Suche nach einem neuen Club davon profitieren könnte. «Mein Ansporn ist es, mit meiner Mannschaft einen Top-Abschluss in dieser Saison zu erreichen. Wenn dann das passende kommt, wäre das schön», sagte Labbadia, der mit dem VfL fünf Spieltage vor dem Saisonende um den Einzug in den Europapokal kämpft.

Auch Thomas Doll von Hannover 96 hat den Umgang mit Trainern im deutschen Fußball kritisiert. «Ich bin wirklich der Letzte, der sich in einer Opferrolle sieht. Wir werden an Resultaten gemessen, dessen bin ich mir bewusst. Aber was ich ein bisschen merkwürdig finde, ist: Wie Fußball-Lehrer, ich will nicht sagen enteiert werden, aber wie respektlos man mit ihnen umgeht», sagte der Chefcoach des Tabellenletzten bei der Pressekonferenz zum Bundesliga-Spiel bei Hertha BSC (Sonntag, 18.00 Uhr).

Als konkrete Beispiele nannte Doll, dass sich der nächste Gegner aus Berlin nach dieser Saison von seinem Trainer Pal Dardai trennen wird und dass auch Niko Kovac beim FC Bayern München weiter hinterfragt werde. Zu Dardai sagte er: «Wenn Trainer mitten in der Saison erfahren, dass es am Saisonende nicht weitergeht, dann stellt sich die Frage: Verliert man nicht sein Gesicht vor der Mannschaft und der Öffentlichkeit?»

Zu Kovac sagte er: «Und wenn ich meinen Freund und Kollegen in München sehe, der dort einen Klassejob macht und Tabellenführer ist, der schon in Frankfurt einen überragenden Job gemacht hat, der aber trotzdem Woche für Woche die Frage beantworten muss, ob er der richtige Mann ist: Das finde ich bedenklich.»

Jeder Trainer ist nach Auffassung des 53-Jährigen «der wichtigste Mann im Verein. Er wird aber oft nicht als wichtigster Mann im Verein geschützt und dargestellt.» Der Bundesliga-Rückkehrer möchte seine Kritik ausdrücklich nicht nur als Medien-Schelte verstanden wissen. «Man sollte schon aufpassen, wer im Fußball Meinung macht», sagte Doll, ohne dabei Namen zu nennen. «Es gibt so viele Flüsterer und Leute, die um andere Leute herumschleichen und etwas einsingen. Dass die Medien das auffangen, ist ganz normal.»

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