Bundesliga
Von Kovac bis Nübel: Die Gesichter der Saison 2018/2019

Auch in der am Samstag zu Ende gegangen Saison der Fußball-Bundesliga haben sich einige Protagonisten in den Vordergrund gedrängt. Meist durch positive Leistungen. Aber nicht nur.

Sonntag, 19.05.2019, 13:06 Uhr aktualisiert: 19.05.2019, 13:08 Uhr
Heiß begehrt in Europa: Eintracht-Torjäger Luka Jovic.
Heiß begehrt in Europa: Eintracht-Torjäger Luka Jovic. Foto: Arne Dedert

Berlin (dpa) - Thomas Müller fliegt aus der Nationalmannschaft, Kai Havertz spielt mit nur 19 Jahren eine herausragende Saison, in München steht Coach Niko Kovac trotz des Meistertitels unter Dauerdruck, und in Frankfurt erhöht ein Stürmer seinen Markwert ganz enorm.

Die Spielzeit 2018/2019 hat viele Geschichten geschrieben. Die Deutsche Presse-Agentur stellt einige Gesichter der Saison vor.

JOCHEN DREES: Der Chef der Videoschiedsrichter beim DFB hat zu Beginn der Saison das Stethoskop gegen die Videokamera eingetauscht. Der Allgemeinarzt hatte gehofft, dass der Videobeweis nach den guten Erfahrungen bei der WM in Russland auch in der neuen Bundesligasaison seine Kritiker verstummen lässt. Doch spätestens nach dem umstrittenen Elfmeter im Pokalhalbfinale zwischen Werder Bremen und dem FC Bayern München stehen die VAR (Video Assistant Referees) ebenso unter Druck wie nach der vergangenen Saison. Drees hatte bei seinem Amtsantritt im August einen möglichen Wiedereinstieg als Hausarzt nicht ausgeschlossen. Nun würde er die Einführung der Torauslinienkamera begrüßen.

FRIEDHELM FUNKEL: Der älteste Bundesliga-Trainer mit der Erfahrung aus mehr als 30 Berufsjahren hat alle Kritiker eines Besseren belehrt. Aufsteiger Fortuna Düsseldorf sorgte mit dem vorzeitigen Klassenerhalt für die Überraschung der Saison. Dabei schien Funkels Weg in der Rückrunden-Vorbereitung am Ende. Der mittlerweile geschasste Clubchef Robert Schäfer wollte dem Vater des Erfolgs keinen neuen Vertrag anbieten. Fans und Team solidarisierten sich mit dem Coach und sorgten dafür, dass Funkel bei der Fortuna bleibt.

PETER GULACSI: Spektakulär ist kein Prädikat für RB Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi. Der 29-Jährige spielt unaufgeregt, aber auf konstant hohem Niveau seine bisher beste Saison. Nur 29 Gegentreffer sind Liga-Bestwert, zudem spielte RB in der Liga 16 Mal zu null. Der ungarische Nationalkeeper wurde in seiner Heimat zum «Fußballer des Jahres» gewählt und zudem mit dem «Goldenen Ball» geehrt. Bei der Abschlusspleite in Bremen wurde der Keeper für das DFB-Pokalfinale am Samstag geschont.

KAI HAVERTZ: Der erst 19-Jährige ist eines der größten deutschen Talente und spielte bei Bayer Leverkusen eine herausragende Saison mit 17 Toren als Ausbeute. Neben Bayern München sollen auch Real Madrid, der FC Barcelona und einige Premier-League-Clubs Interesse am Jung-Nationalspieler haben. Leverkusen will den hochbegabten Mittelfeldspieler zumindest nächste Saison unbedingt noch halten. Sein Vertrag läuft bis 2022 - ohne Ausstiegsklausel. Spielt er weiter so, könnte die Ablöse in Richtung 100 Millionen Euro gehen, zumal er sich mit Bayer nun auch in der Champions League präsentieren kann.

MARTIN HINTEREGGER: Ende Januar forcierte Martin Hinteregger mit der Aussage, er könne nichts Positives über Trainer Manuel Baum sagen, seinen Weggang aus Augsburg. Wenig später wurde der Verteidiger zu Eintracht Frankfurt ausgeliehen. Er wurde dort schnell Stammspieler, patzte aber nach einem Superspiel beim bitteren Aus im Halbfinale der Europa League gegen den FC Chelsea im Elfmeterschießen. Sein Vertrag beim FCA läuft noch bis 2021. Er will unbedingt in Frankfurt bleiben. Die Eintracht will ihn auch halten.

LUKA JOVIC: 27 Tore in Liga und Europa League - der im Sommer 2017 von Benfica Lissabon nach Frankfurt gekommene Jovic ist einer der heißbegehrtesten Stürmer Europas. Viele wollen ihn: Aber der 21 Jahre alte Serbe wechselt wohl zu Real Madrid - für angeblich rund 60 Millionen Euro. Damit würde Jovic zum größten Deal der Vereinsgeschichte werden. Denn die Eintracht kaufte den zuvor nur ausgeliehenen Jovic dank Option zum Schnäppchenpreis von geschätzt rund sieben Millionen Euro.

NIKO KOVAC: Der frühere Bayern-Profi kann nach der Meisterschaft mit dem FC Bayern das Double holen. Dennoch ist seine Zukunft bei den Münchnern nicht sicher. Selbst am Meister-Samstag gab es kein klares Bekenntnis der Vereinsspitze. Dabei hatte der 47-Jährige keinen leichten Saisonstart: Fehlende Top-Transfers, dazu unzufriedene Spieler, die offen Kritik übten. Die Personalie bleibt spannend.

THOMAS MÜLLER: Der «Gute-Laune»-Kicker Thomas Müller wurde einige Monate nach dem WM-Vorrunden-Aus der Nationalmannschaft wie seine Bayern-Kollegen Jérôme Boateng und Mats Hummels ausgemustert. Nach 100 Länderspielen für Deutschland war für Müller Schluss. Die Entscheidung traf den Weltmeister von 2014 unvorbereitet. Und Müller war sauer auf Bundestrainer Joachim Löw wegen der Art und Weise der Bekanntgabe. Der 29-Jährige spielte schon seit geraumer Zeit nicht mehr auf dem Niveau wie früher. Doch nach dem Auswahl-Aus kam Müller bei den Bayern wieder in Schwung, nun ist er wieder Meister.

JULIAN NAGELSMANN: Noch vor dem Saisonstart verkündete Julian Nagelsmann seinen Wechsel von der TSG Hoffenheim zum Ligakontrahenten RB Leipzig im Sommer 2019. Er wollte damit für klare Verhältnisse sorgen und Spekulationen vermeiden. Der erst 31-Jährige gehörte zu den am meisten umworbenen Trainern. Mit Leipzig spielt Nagelsmann kommende Saison in der Champions League, mit Hoffenheim verpasste er die Qualifikation für Europa.

ALEXANDER NÜBEL: Der FC Schalke 04 vermied gerade so den Abstieg. Bei oft miserablen Leistungen war allein Torwart Alexander Nübel ein Lichtblick und der größte Gewinner. Der erst 22-Jährige verdrängte in der Rückrunde Kapitän Ralf Fährmann aus dem Tor und überzeugte mit starken Leistungen. So sehr, dass sogar Rekordmeister FC Bayern München den deutschen U21-Nationalkeeper im Auge hat.

CLAUDIO PIZARRO: Der Bremer Publikumsliebling ist ein Phänomen. Mit dem 1:1 in der 96. Minute gegen Hertha BSC avancierte Pizarro mit 40 Jahren und 136 Tagen zum ältesten Bundesliga-Torschützen. Mit 195 Toren für Bremen, Bayern München und Köln ist der Peruaner ohnehin der erfolgreichste ausländische Liga-Profi. «Pizza» wird noch ein Jahr kicken, hat seinen Vertrag verlängert und wurde dafür gefeiert.

RALF RANGNICK: Der 60-Jährige ging ein großes Wagnis ein: Er übernahm für ein Jahr wieder das Traineramt bei RB Leipzig, bis Julian Nagelsmann nach dieser Spielzeit kommt. Wäre es schiefgegangen, hätte sich Rangnick auch als Sportdirektor enorm geschwächt. Es ging aber nicht schief, selbst wenn RB sich recht peinlich und schnell aus der Europa League verabschiedete. Rangnick führte RB auf den dritten Tabellenrang und damit in die Champions League. Der Schwabe kann zudem am 25. Mai im Finale des DFB-Pokals gegen München den ersten großen Titel mit dem gerade einmal zehn Jahre alten Club holen.

MARCO REUS: Viele hatten den von Verletzungen geplagten Marco Reus schon abgeschrieben. Aber der begnadete Hochgeschwindigkeits-Kicker ist zum Dreh- und Angelpunkt der Borussen geworden, spielt so gut wie noch nie. Auch ein Grund: Coach Lucien Favre machte ihn zum Kapitän. Reus nahm die Verantwortung an und zahlte das Vertrauen zurück. Zudem ist Reus als Spieler und Mensch gereift.

ROBBERY: Arjen Robben und Franck Ribéry - das kongeniale Duo prägte ein Jahrzehnt beim FC Bayern. Doch mit der Flügelzange «Robbery» - der Franzose Ribéry ist 36 und der Niederländer 35 - ist nach zehn gemeinsamen Jahren beim deutschen Rekordmeister Schluss. Beide waren zuletzt oft verletzt und noch gut, aber nicht mehr gut genug. Ihre Erfolge aber sind herausragend: Champions-League-Triumph 2013, dazu acht gemeinsame Meistertitel und vielleicht fünf Pokalsiege. Ribéry kommt gar auf insgesamt neun Meisterschaften.

HENDRIK WEYDANDT: Er ist der einzige Lichtblick in einer völlig verkorksten Saison, weil er sich trotz des Abstiegs von Hannover 96 den Traum aller Amateurfußballer erfüllte: von der Kreisliga in die Bundesliga in nur vier Jahren. 2015 spielte er noch für die TSG Groß Munzel in der Kreisliga Hannover-Land. Vor dieser Saison wechselte er vom Regionalligisten 1. FC Germania Egestorf/Langreder zu 96, wo er eigentlich nur in der 2. Mannschaft spielen sollte. Er überzeugte aber auch bei den Profis mit sechs Toren in 28 Bundesliga-Spielen.

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