Coronavirus-Krise
Schalke zwischen Zuversicht und Ängsten - «Lage ist ernst»

Die Corona-Krise trifft in der Fußball-Bundesliga nicht nur die kleinen Vereine. Der FC Schalke 04 mit seinen hohen Personalkosten und Verbindlichkeiten steht ebenfalls vor existenziellen Problemen.

Donnerstag, 09.04.2020, 12:54 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 12:58 Uhr
Nach einem schwachen Geschäftsjahr ist der FC Schalke 04 in dieser Saison auf jeden Cent angewiesen.
Nach einem schwachen Geschäftsjahr ist der FC Schalke 04 in dieser Saison auf jeden Cent angewiesen. Foto: Bernd Thissen

Düsseldorf (dpa) - Die finanzielle Krise trifft den FC Schalke 04 im schlechtesten Moment. «Die Lage ist sehr ernst und kritisch», sagte Alexander Jobst, Marketingchef und Vorstandsmitglied, in einem Live-Chat mit Fans des Fußball-Bundesligisten.

Zuvor hatte der Club schon auf seine «potenziell existenzbedrohende wirtschaftliche Situation» hingewiesen. Nach einem schwachen Geschäftsjahr sind die Schalker in dieser Saison auf jeden Cent angewiesen. Die durch die Corona-Krise bedingten Spielausfälle fallen schwer ins Gewicht.

Von einer Insolvenz wollte Jobst nicht sprechen. «Wir wollen keine Ängste schüren», meinte der 46-Jährige. Doch selbst Aufsichtsratchef Clemens Tönnies erklärte zuletzt, dass er sich «große Sorgen um den FC Schalke und den gesamten Fußball» mache. «Keiner weiß genau, mit welchem Szenario wir planen können. Ein Saisonabbruch wäre der Super-GAU», sagte der 63-Jährige. «Und Rücklagen haben wir keine», betonte Tönnies.

Aber auch Geisterspiele sind für den siebenmaligen deutschen Meister keine grundsätzliche Lösung des Problems. Durch die fehlenden Zuschauer in den restlichen Heimspielen geht dem Club ein hoher einstelliger Millionenbetrag verloren. Da helfen die vielen Angebote der Schalker Fans zum aktiven Verzicht auf Rückerstattungen der Dauerkarten oder bereits erworbener Tagestickets. «Gerade in der Summe möglicher Rückzahlungen ist jeder einzelne Verzicht ein immenser Beitrag zur Stabilisierung der Liquidität und sichert das Überleben des Vereins», teilte der Club mit.

Für den Club mit seinem hohen Kostenapparat kommt der Finanzeinbruch zur Unzeit. Allein die Kosten für den Lizenzspielerbereich liegen bei etwa 100 Millionen Euro. Die jüngste Bilanz weist bei einem Konzernabschluss von 275 Millionen Euro ein Minus von 26,1 Millionen Euro aus. Dazu kommen Nettofinanzverbindlichkeiten von fast 120 Millionen Euro. Auch für das laufende Geschäftsjahr war vor der Einstellung des Spielbetriebs mit einem Fehlbetrag im niedrigen zweistelligen Millionenbereich gerechnet worden. Der wird sich nun erhöhen - vor allem dann, wenn zum zweiten Mal nacheinander die Europapokalteilnahme verpasst würde.

«Es ist doch völlig klar, dass Existenzen bedroht werden, wenn den Clubs dauerhaft die Geschäftsgrundlage entzogen würde», erklärte Finanzchef Peter Peters nach der Veröffentlichung der Geschäftsbilanz.

Einen Beitrag zur Liquiditätssicherung leisteten die Profis mit einem prozentualen Verzicht auf Gehälter und Prämien bis zum 30. Juni. Auch der dreiköpfige Vorstand sowie Trainer, Betreuer und weitere Mitarbeiter verzichten auf Teile des Gehalts. Für einen Großteil seiner rund 600 Mitarbeiter hat der Revierclub Kurzarbeitergeld beantragt. Dass die Differenz ausgeglichen werden kann, ist durch den Verzicht der hoch bezahlten Angestellten möglich.

Ein wenig Optimismus verbreitet Jobst dann doch. «Wir haben ein großes Signal der Solidarität von unseren Partnern erhalten. Da kann man doch ein Stück Zuversicht haben, dass wir Schalke 04 durch diese Situation manövrieren und wir gestärkt aus der Krise gehen», sagte Jobst. Voraussetzung: Im Mai wird wieder gespielt - ohne Zuschauer. «Wenn dies nicht der Fall ist, müssen wir mit neuen Maßnahmen arbeiten», sagte der Schalker Vorstand. Dann kämpft allerdings nicht nur der Revierclub in der Bundesliga ums Überleben.

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