Coronavirus-Pandemie
Derby fast ohne Zuschauer, wieder «ohne krassen Charakter»

Vor dem rheinischen Derby stehen die noch sieglosen Kölner und Gladbacher unter Druck. Dennoch ist die Bedeutung des Spiels aktuell gesunken. Dazu tragen insbesondere zwei Faktoren dabei.

Freitag, 02.10.2020, 21:15 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 21:18 Uhr
Wegen der gestiegenen Zahl von Corona-Infektionen findet das Rhein-Derby in Köln nur mit maximal 300 Zuschauern statt.
Wegen der gestiegenen Zahl von Corona-Infektionen findet das Rhein-Derby in Köln nur mit maximal 300 Zuschauern statt. Foto: Rolf Vennenbernd

Köln (dpa) - Mitten im Champions-League-Rausch droht akute Krisengefahr. Borussia Mönchengladbachs Trainer Marco Rose scheint trotz des sportlich wichtigen rheinischen Derbys beim 1. FC Köln Mühe zu haben, die volle Konzentration auf das Prestigeduell am Samstag (15.30 Uhr/Sky) zu legen.

«Wir freuen uns darauf und trotzdem ist es jetzt wichtig, dass wir uns auf die anstehenden Aufgaben fokussieren, also am Wochenende auf Köln», mahnte Rose in Bezug auf die Champions-League-Gegner Real Madrid und Inter Mailand, die seiner Borussia am Donnerstagabend zugelost worden waren.

Fast schien es dem ehrgeizigen Coach in den vergangenen Tagen am Niederrhein zu sehr um die Champions League zu gehen. Ganz untypisch für die Region ist das Derby im Bewusstsein vieler geschrumpft. Das liegt auch daran, dass das Duell schon zum zweiten Mal in diesem Jahr fast ohne Zuschauer stattfindet. Wegen der zu hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen in Köln sollten zunächst auch beim zweiten FC-Heimspiel in dieser Saison keine Zuschauer zugelassen werden, ehe das Gesundheitsamt Köln am Freitagabend eine Teilöffnung mit 300 Fans erlaubte.

Auch in Köln musste Sportchef Horst Heldt daher die Wertigkeit der Partie hervorheben. «Auch wenn wir ohne Zuschauer spielen sollten: Ein Derby ist ein Derby», sagte Heldt schon vor der ersten Behörden-Entscheidung am Freitag, keine Zuschauer zuzulassen. Schon im März beim ersten Bundesligaderby überhaupt ohne Zuschauer im Borussia-Park hatte es eine laut Gladbachs Mittelfeldspieler Christoph Kramer «surreale» Atmosphäre gegeben.

«Rund um das Derby gibt es normalerweise so viele Emotionen, auch schon in den Tagen zuvor, die sich dann auch auf den Platz übertragen. Dieses Spiel lebt ganz besonders von der Atmosphäre, die Fans sind dabei das Salz in der Suppe», sagte der Weltmeister von 2014 dem «Kölner Stadt-Anzeiger»: «Diese Stimmung fehlt natürlich, die Partie hat dieses Mal nicht diesen krassen Derby-Charakter».

In normalen Zeiten hätte allein die sportliche Situation das Derby-Feuer noch verschärft. Beide Teams sind in dieser Saison noch sieglos, die Kölner sind es saisonübergreifend gar seit zwölf Ligaspielen. Unter Druck steht vor allem aber die Borussia. Auch in dieser Saison will Rose mit seinem Team mindestens wieder Platz vier und damit die Champions-League-Qualifikation erreichen - dafür sollten die Gladbacher nun anfangen zu siegen. Nur ein Punkt aus den Partien in Dortmund (0:3) und gegen Union Berlin (1:1) ist zu wenig für die Ansprüche des Vorjahresvierten.

Noch bleibt Borussen-Trainer Rose ruhig. «Sind wir zufrieden mit der Punktausbeute? Nein. Können wir besser Fußball spielen? Ja. Haben wir richtig schlecht gespielt? Nein», sagte Rose ruhig einordnend vor dem Derby mit ungewöhnlichen Rahmenbedingungen. Ähnlich sah es Sportchef Max Eberl, befand aber auch: «In Köln zählt nur das Ergebnis.»

Die sportlichen Ansprüche beim FC sind deutlich geringer, dennoch nerven die lange Sieglos-Serie und der Null-Punkte-Start in die Saison. «Die Mannschaft hat ein Stück weit Wut in den Knochen», berichtete Coach Markus Gisdol, den - wie auch seinen Gladbacher Kollegen - Verletzungssorgen plagen.

© dpa-infocom, dpa:201002-99-798444/5

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