Sechste Liga-Pleite
Mainz «nicht bundesligatauglich»: Lichte auf Klopps Spuren?

War's das für Mainz 05? Schon nach dem sechsten Spieltag? Der frühere Verein von Jürgen Klopp taumelt. Der Star-Coach des FC Liverpool hat mit den Mainzern eine ähnlich aussichtslose Situation schon mal gemeistert. Kann das Jan-Moritz Lichte auch?

Sonntag, 01.11.2020, 11:12 Uhr aktualisiert: 01.11.2020, 11:14 Uhr
Musste mit Mainz in Augsburg die sechste Saisonpleite hinnehmen: 05-Coach Jan-Moritz Lichte.
Musste mit Mainz in Augsburg die sechste Saisonpleite hinnehmen: 05-Coach Jan-Moritz Lichte. Foto: Stefan Puchner

Augsburg (dpa) - Zum Scherzen ist den Mainzern schon lange nicht mehr zumute - jetzt könnten sie auch noch zu einer der größten Lachnummern der Bundesliga-Geschichte werden.

Mit dem 1:3 (0:1) vom Samstag beim FC Augsburg haben die Bruchweg-Kicker - erst unter Achim Beierlorzer, dann unter Jan-Moritz Lichte - alle ihre sechs Partien verloren. So schlecht zum Start war zuvor nur eine Mannschaft gewesen: 1991/92 Fortuna Düsseldorf. Am Saisonende stieg das Team als Schlusslicht auch ab.

Mit einer weiteren Pleite im Duell der Verzweifelten gegen den Tabellenvorletzten Schalke 04 am Samstag würde das Mainzer Schlusslicht für ein Novum in der Eliteklasse sorgen.

Jetzt könnte dem FSV wohl nur noch Jürgen Klopp helfen. Vor 15 Jahren hatte der heutige Star-Coach des FC Liverpool den FSV nach einem hoffnungslosen Null-Punkte-Start noch vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit bewahrt. Allerdings verlor Mainz damals nur die ersten fünf Spiele. In dieser Saison ist die Lage noch trostloser - und es sitzt kein Klopp auf der Trainerbank.

«Insgesamt war das von den Elf, die da auf dem Platz waren und angefangen haben, nicht bundesligatauglich», ätzte Linksverteidiger Daniel Brosinski kurz und bündig nach der Augsburger Dienstreise.

Dem FSV fehlt in dieser Saison viel. Die erste Halbzeit lieferte dafür reichlich Anschauungsmaterial: keine Courage in der Offensive, Schlamperei im Aufbauspiel, mangelnde Konsequenz in der Defensive.

«Es ist verständlich, dass die Jungs nicht vor Selbstvertrauen strotzen, dass wir an Rückschlägen, und wir kriegen relativ viele, zu arbeiten haben», kommentierte Lichte mit gedämpfter Stimme während der Pressekonferenz. «Es ist aber wichtig für die Jungs, dass wir neben den negativen Dingen auch die positiven aufarbeiten und zeigen, dass einige Dinge auf unserem Weg auch funktionieren.»

Ein bisschen was klappt ja auch - ab und an. Nach dem Rückstand von Ruben Vargas (40. Minute) brachte ein schnelles Umschalten den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Joker Karim Onisiwo (64.).

«Ich habe in der Halbzeit die Worte genauso gehört, wie man es sich vorstellt, ich glaube, in der Form auch richtig gewählt», berichtete Sportvorstand Rouven Schröder von Lichtes Halbzeitansprache. «Ich glaube, sie zu reizen und zu locken, in dem Sinne auch an der Ehre zu packen - man hat sofort gesehen, die Jungs haben nachgeschoben und das ist es doch im Endeffekt, was wir sehen wollen.»

Die Mainzer Hochphase dauerte aber nicht lang. Mit einem Doppelpack bestrafte André Hahn (80./90.+1) die Nachlässigkeiten in der Deckung der Gäste. «Das ist viel zu einfach. Vielleicht wollten wir zu viel, da müssen wir defensiv aufmerksamer sein und hätten zumindest einen Punkt mitnehmen müssen», meinte Verteidiger Jeremiah St. Juste.

Was würde Klopp jetzt machen? Vielleicht würde er einen ähnlichen Ansatz wie Lichte wählen. Weiter arbeiten, seinen Kickern vermitteln, dass nur eine gemeinsam ausgeführte und mit Hingabe umgesetzte Spielidee zu Punkten führen kann. Wenn nicht gegen Schalke 04, gegen wen sonst?

«Jetzt ist Schalke daheim und ich glaube, jeder weiß für sich selbst vor der Länderspielpause, was das heißt», sagte Schröder und versicherte: «Wir werden alles reinlegen.»

© dpa-infocom, dpa:201101-99-164144/2

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