Drei Siege in Serie
BVB mit neuem Mut in die Schlüsselspiele

Stabiler Aufwärtstrend oder kurzes Zwischenhoch? Diese Frage kann der BVB schon in den kommenden Tagen beantworten. Binnen einer Woche stehen gleich drei Reifeprüfungen gegen Mönchengladbach, München und Sevilla an. Die jüngsten Erfolge machen Mut.

Sonntag, 28.02.2021, 18:37 Uhr aktualisiert: 28.02.2021, 18:40 Uhr
Die BVB-Spieler feiern den 3:0-Erfolg gegen Arminia Bielefeld.
Die BVB-Spieler feiern den 3:0-Erfolg gegen Arminia Bielefeld. Foto: Marius Becker

Dortmund (dpa) - Den Glückwünschen zum dritten Sieg in Serie schenkte Mats Hummels kaum Beachtung. Nur wenige Minuten nach dem 3:0 (0:0) über Arminia Bielefeld war der Dortmunder Abwehrchef mit seinen Gedanken bereits woanders.

«Jetzt stehen drei absolute Kracher an. Da müssen wir beweisen, dass wir wirklich einen Schritt weiter sind», verwies der Weltmeister von 2014 auf die anspruchsvollste Woche der Saison mit Schlüsselspielen im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach, in der Meisterschaft beim FC Bayern und in der Champions League gegen den FC Sevilla. Mit skeptischem Unterton fügte er an: «Wir spielen seriöser, aber noch nicht so, wie wir könnten.»

Binnen acht Tagen wird sich weisen, wie stabil der jüngste Aufwärtstrend des BVB wirklich ist. Die jüngsten Erfolge über Sevilla (3:2), Schalke (4:0) und Bielefeld werteten alle Beteiligten als Mutmacher. «Aus den letzten drei Spielen nehmen wir sehr viel Selbstvertrauen mit. Siege helfen immer», kommentierte Trainer Edin Terzic.

Der über weite Strecken schmucklose Erfolg über den Aufsteiger stärkte auch bei Michael Zorc den Glauben an eine erfolgreiche Woche. Dass sie mit dem Spiel gegen die Mönchengladbacher beginnt, die noch vom künftigen BVB-Coach Marco Rose trainiert werden, erhöht nach Einschätzung des Sportdirektors die Brisanz der Partie nur unwesentlich. «Es ist natürlich eine besondere Konstellation, die aber im Profi-Fußball auch nicht so unüblich ist. Wir hatten keinen Kontakt. Das hat auf das Spiel keinen Einfluss», sagte Zorc den «Funke Medien».

Zur Freude von Terzic bringt seine Mitte Dezember begonnene Arbeit als Chefcoach langsam Ergebnisse. Platz vier und damit die Qualifikation für die Champions League ist nur noch drei Zähler entfernt. Vor allem bei der Leistungssteigerung von Jadon Sancho machte sich der Favre-Nachfolger verdient. Denn der noch vor Weihnachten als englische Patient gehandelte Dribbelkünstler hat im neuen Jahr zu alter Form gefunden. Mit sechs Toren und sechs Assists war er an zwölf der 22 Bundesliga-Treffer des BVB beteiligt.

Hummels verwies auf den höheren Eifer von Sancho - sowohl beim Spiel als auch beim Training: «Das müssen Offensivspieler manchmal lernen, dass Arbeit sich auszahlt. So spielt er herausragend und gibt mit die Richtung vor.» Auch Terzic lobte den Schützen zum 2:0 (58.): «Wir sind zufrieden, wie sich Jadon präsentiert. Er belohnt sich wieder.»

Selbst der bereits als Verkaufskandidat gehandelte Mahmoud Dahoud macht unter der Regie von Terzic erstaunliche Fortschritte. Nach drei zuvor eher unauffälligen Spielzeiten beim BVB ruft der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler sein großes Potenzial endlich ab. Gegen Bielefeld gelang ihm der erste Bundesliga-Treffer (48.) nach zweieinhalb Jahren. Zehn Tage zuvor hatte er im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in Sevilla getroffen. «Er hat es nach einer schweren Phase allen gezeigt. Damit sind wir sehr glücklich», kommentierte Terzic.

Dass auch der aus Madrid ausgeliehene Reinier (81.) wenige Sekunden nach seiner Einwechslung sein erstes Bundesligator zum 3:0-Endstand erzielte, war für Terzic ein weiterer positiver Randaspekt der Partie. «Das ist super für uns, das ist super für ihn.»

Dagegen wirkten die Bielefelder nach dem fünften erfolglosen Spiel in Serie mächtig angeschlagen. Vor allem die hohe Zahl an Gegentreffern in den vergangenen Partien gegen Frankfurt (1:5), Köln (1:3), München (3:3), Wolfsburg (0:3) und Dortmund gibt zu denken. «Wir müssen im Training weiter dranbleiben», kommentierte Uwe Neuhaus. Auf die Frage, ob er angesichts des Abwärtstrends zunehmende Diskussionen über seinen Job als Chefcoach der Arminia befürchte, antwortete er: «Da bin ich der falsche Ansprechpartner, da müssen sie andere fragen. Ich mache mir meine Gedanken ausschließlich über die Trainingsarbeit.»

Schon am nächsten Tag wurde über eine Ablösung von Neuhaus spekuliert. «Es ist unsere Aufgabe, mit der Situation verantwortungsvoll und im Sinne des Clubs umzugehen. Geschäftsführung und Gremien werden gemeinsam analysieren und bewerten», bestätigte Sportgeschäftsführer Samir Arabi dem «Westfalen-Blatt» vereinsinterne Gespräche über die Zukunft des Fußball-Lehrers. Eine Entscheidung soll dem Vernehmen nach aber erst am Montag fallen.

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