23. Spieltag
Augsburg stoppt Mainzer Aufholjagd

Der Mainzer Sportdirektor Martin Schmidt erwartete «ein nicht ganz so schönes Spiel» und sollte Recht behalten. Die Partie zwischen dem FSV Mainz 05 und dem FC Augsburg war nichts für Fußball-Feinschmecker - und wurde durch einen schlimmen Torwart-Blackout entschieden.

Sonntag, 28.02.2021, 18:35 Uhr
Augsburgs Andre Hahn (l) bejubelt sein Tor mit Mannschaftskamerad Florian Niederlechner.
Augsburgs Andre Hahn (l) bejubelt sein Tor mit Mannschaftskamerad Florian Niederlechner. Foto: Torsten Silz

Mainz (dpa) - Der Mainzer Keeper Robin Zentner lehnte nach dem Schlusspfiff sekundenlang am Pfosten und biss frustriert auf den Kragen seines Torwart-Trikots. «Er muss so was wegstecken, er hat uns oft genug auch schon gerettet», sagte sein Trainer Bo Svensson.

Nach einem schlimmen Patzer seines Schlussmanns vergab der FSV Mainz 05 beim 0:1 (0:1) gegen den FC Augsburg die große Chance, erstmals nach 13 Spieltagen wieder einen Abstiegsplatz der Fußball-Bundesliga zu verlassen. Die Gäste verschafften sich mit diesem Sieg einen Puffer zum Tabellenende und entledigten sich erst einmal der Abstiegssorgen.

«Robin ist ein gestandener Profi und brauchte keine Aufmunterung», sagte Mittelfeldspieler Kevin Stöger und versicherte dem Keeper nach dessen spielentscheidenden Fehler: «Er weiß, dass wir hinter ihm stehen und er nächste Woche wieder sehr wichtig sein kann.» Bereits am Freitag kann Zentner es beim Tabellenletzten FC Schalke 04 schon zeigen.

«Es ist ein unglaublich gutes Gefühl. Wir wussten, dass wir mit einem Sieg einen Riesenschritt machen können», sagte Augsburgs Florian Niederlechner im TV-Sender Sky und kündigte an, auf der Heimfahrt im Bus «sicher ein schönes Bierchen trinken» zu können.

Der FCA profitierte von einem Fehler von Zentner, der zum Tor durch André Hahn (25. Minute) führte. Für die Augsburger erwiesen sich die Rheinhessen wieder als Lieblingsgegner: Es war bereits der siebte Sieg in den vergangenen acht Duellen.

«Ich erwarte ein nicht ganz so schönes Spiel», sagte 05-Sportdirektor Martin Schmidt mit der richtigen Vorahnung dem TV-Sender Sky vor dem Anpfiff. Und Augsburg-Coach Heike Herrlich ging mit der Erwartung ins Spiel, einen «Abnutzungskampf» zu erleben. Tatsächlich hielten sich Niveau und interessante Torraumszenen lange Zeit in engen Grenzen. Erst in der Schlussphase wurde es turbulent: Hahn vergab mit einem Pfostenschuss die Chance zum 2:0 (85.), auf der anderen Seite traf Karim Onisiwo ebenfalls das Aluminium und verpasste das 1:1 (87.).

Nach drei Spielen ohne Niederlage wollten die Mainzer nachlegen, attackierten energisch und gewannen in der ersten Halbzeit 60 Prozent ihrer Zweikämpfe. Die vielen Balleroberungen nutzten aber nicht viel in der Offensive. Es fehlten die zündenden Ideen der Gastgeber, bei denen nur Kapitän Danny Latza (15./39.) mit zwei Distanzschüssen für Gefahr sorgte. Beide Male wehrte Augsburgs Torwart Rafal Gikiewicz stark ab. Ansonsten fanden die Mainzer keine Lücke in der gut gestaffelten Abwehr der Gäste.

Das Plus der Augsburger war ebenfalls eher Kampfgeist und weniger das Herausspielen von Tormöglichkeiten. Bei der einzigen Chance, die zum 1:0 führte, war es der Mainzer Torwart Zentner mit einem totalen Blackout, der die Vorarbeit leistete. Nach einem Rückpass von Moussa Niakhaté passte der Keeper zu dem wenige Meter entfernten Gegenspieler Florian Niederlechner, der gedankenschnell querlegte, sodass Hahn nur ins leere Gehäuse einschieben musste. Es war sein fünfter Treffer im zwölften Liga-Spiel gegen die Mainzer. «Die drei Punkte tun uns sehr gut. Dass so ein Tor fällt, da gehört auch Glück dazu, aber das nehmen wir dankend an», sagte Daniel Caligiuri.

Nach dem Wiederanpfiff galt wieder: Viel Kampf, wenig Chancen. In der 51. Minute hätten die Augsburger jedoch um ein Haar das 2:0 machen können. Nach einer Hereingabe von Caligiuri kam Niederlechner aus elf Metern zum Schuss, doch sein eigener Mitspieler Felix Uduokhai lenkte den Ball unglücklich am gegnerische Tor vorbei. Die Mainzer mühten sich zwar bis zum Abpfiff, konnten aber die erste Niederlage nach drei unbesiegten Partien nicht mehr abwenden. «Vom Verlauf ist das ein typisches 0:0-Spiel gewesen. Die Niederlage tut sehr weh», sagte Stöger.

© dpa-infocom, dpa:210228-99-630436/6

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