Appell an Spieler
Knäbel: Mission Wiederaufstieg beginnt auf Schalke jetzt

An eine Wunderrettung glaubt beim FC Schalke kaum noch jemand. Interims-Sportchef Knäbel steckt mitten in der Zweitliga-Planung. Erschrocken ist auch er über die offensichtlichen Fitness-Defizite.

Sonntag, 07.03.2021, 13:42 Uhr aktualisiert: 07.03.2021, 13:44 Uhr
Peter Knäbel ist derzeit der Sportchef beim FC Schalke 04.
Peter Knäbel ist derzeit der Sportchef beim FC Schalke 04. Foto: Guido Kirchner

Gelsenkirchen (dpa) - Voller Fokus auf die «unvermeidliche» Realität Zweitklassigkeit: Beim FC Schalke 04 zählt spätestens seit der tristen Nullnummer gegen Mainz 05 nur noch die Zeit nach dem wahrscheinlichen vierten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga.

«Hauptschwerpunkt ist natürlich, wenn man sich die Situation anguckt, die Planung für die Zweite Liga», bekannte der aktuell verantwortliche Schalker Sportchef Peter Knäbel im Sport1-«Doppelpass». «Wir müssen uns natürlich angucken, welche Qualitäten in der Zweiten Liga gefragt sind. Wir müssen sehen, dass wir aus den Fehlern, die andere Großvereine in der Zweiten Liga gemacht haben, lernen.»

Die von Knäbel angesprochene traurige Situation lautet nach 24 Spieltagen: Schalke ist abgeschlagen Letzter mit nur zehn Pünktchen und schon elf Zählern Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Nicht nur für Knäbel ist ein Abstieg «wohl unvermeidlich». Dass daran auch der fünfte Cheftrainer in dieser üblen Saison, Dimitrios Grammozis, wohl nichts mehr ändern kann, offenbarte das niveaulose Gebolze am Freitag, das bestenfalls drittligatauglich war.

Auch Knäbel hat erkannt, dass es mit dem aktuellen Team mit den derzeitigen Problemen selbst im Unterhaus schwierig würde. «Wir müssen die richtigen Leute holen, die die Zweite Liga annehmen, die aber auch ein Stück weit besser sind und die Qualität anheben können», sagte der 54 Jahre alte Nachfolger von Jochen Schneider. «Es ist auch sehr wichtig, sich von Anfang an oben zu positionieren.»

Bis dahin hat Grammozis indes noch jede Menge Arbeit vor sich. Die verwegene Hoffnung auf eine Spontan-Heilung des Intensivpatienten Schalke wurde auch angesichts schwerwiegender Versäumnisse in der Vergangenheit jäh zerstört. «Wir können keine Wunderdinge in zwei Tagen vollbringen», bekannte Grammozis nach dem 0:0 am Freitagabend.

Erschreckend war vor allem der körperliche Zustand der verbliebenen Spieler. Die ohnehin schon lange Verletztenliste wuchs am Freitag noch einmal an. Amine Harit fiel kurzfristig aufgrund muskulärer Probleme aus. Mit Muskelverletzungen haben und hatten auch etliche andere Profis zu kämpfen, oft gilt dies als Indiz für falsches Training. Geäußert wurden Beschwerden dazu schon nach der Ära von Schalkes erstem Trainer in dieser Spielzeit, David Wagner.

Angeblich gab es aus demselben Grund in den letzten Arbeitstagen von Grammozis' direktem Vorgänger Christian Gross auch eine Revolte einiger Führungsspieler gegen den Schweizer, der dann vor eine Woche gehen musste. Auch am Freitag waren körperliche Defizite unübersehbar. «Natürlich hat man gemerkt, dass bei dem ein oder anderen der Akku leer war», sagte auch Grammozis.

Humpelnd und japsend schleppten sich die Königsblauen in der zweiten Halbzeit übers Feld. Selbst Knäbel bekannte, davon erschrocken gewesen zu sein und sofort bei den Athletiktrainern nachgefragt zu haben. «Das ist auch Auftrag für uns, daran zu arbeiten. Die Belastungssteuerung müssen wir individuell vornehmen. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesbezüglich Fortschritte machen», sagte der bisherige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.

Dann dürfte es für Schalke im Hinblick auf eine Wunder-Rettung indes zu spät sein. «Es ist extrem wichtig, dass wir jeden Tag unseren Job machen und dass wir jetzt nicht abschenken», appellierte Knäbel am Sonntag: «Das ist keine wertlose Zeit jetzt.»

Denn die Gefahr ist groß, dass der als Trainer für die Mission Wiederaufstieg auserkorene Grammozis durch weitere trostlose Auftritte bis zum Saisonende beschädigt wird, ehe die Zweite Liga für Schalke überhaupt begonnen hat. Zudem ist Knäbel beim unvermeidlichen Kader-Umbruch auf Transfererlöse angewiesen. «Es geht auch um Marktwerte», sagte er.

© dpa-infocom, dpa:210307-99-723211/3

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