DFB-Pokal
Spiel gedreht: Schalke besiegt Hertha nach Verlängerung

Das hat Kraft gekostet. Schalke 04 wirft Jürgen Klinsmanns Hertha BSC in der Verlängerung aus dem DFB-Pokal. Für die Entscheidung sorgt ein Einwechselspieler. Doch sein Trainer darf nicht am Spielfeldrand jubeln.

Dienstag, 04.02.2020, 23:50 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 23:52 Uhr
Benito Raman (r) schoss Schalke gegen Hertha mit seinem Tor zum 3:2 ins Viertelfinale.
Benito Raman (r) schoss Schalke gegen Hertha mit seinem Tor zum 3:2 ins Viertelfinale. Foto: Rolf Vennenbernd

Gelsenkirchen (dpa) - Die Berliner Profis schlichen enttäuscht vom Platz, die königsblauen Fans feierten dagegen ausgelassen ihre Pokalhelden. 

Der FC Schalke 04 hat Jürgen Klinsmann und Hertha BSC jäh aus allen Final-Träumen gerissen. Die Gelsenkirchener drehten am Dienstagabend in einem kräftezehrenden und hitzigen Achtelfinale einen 0:2-Rückstand zu einem 3:2 (2:2, 0:2)-Sieg nach Verlängerung und erreichten zum vierten Mal in Folge das Viertelfinale des DFB-Pokals. Vier Tage nach dem erschreckend schwachen 0:0 der beiden Clubs in der Fußball-Bundesliga bewiesen die Gastgeber die größere Moral - die Hertha verschenkte den Sieg innerhalb weniger Minuten und muss weiter auf das Heim-Endspiel im Olympiastadion warten.

«Die zweite Hälfte war fantastisch. Wir geben bis zum Ende alles», sagte der eingewechselte Benito Raman, der mit seinem entscheidenden Tor in der 115. Minute für grenzenlose Begeisterung in der Arena des fünfmaligen Pokalsiegers gesorgt hatte. «Ich bin einfach gerannt und habe geschossen. Das war der längste Sprint meines Lebens.»

Pascal Köpke (12.) und Winter-Neuzugang Krzysztof Piatek (39.) mit ihren ersten Pflichtspieltoren für Berlin trafen zwar vor 53.525 Zuschauern für die Gäste. Doch Daniel Caligiuri (76.) und Amine Harit (82.) retteten Schalke in die Verlängerung, in der auch Raman traf. Nach knapp über 100 Minuten sah Herthas Jordan Torunarigha nach einem Zusammenstoß mit David Wagner Gelb-Rot, der Schalke-Trainer wurde ebenfalls des Innenraums verwiesen.

Im Vergleich zu dem müden Kick am vergangenen Freitag in Berlin begann die Partie fast schon turbulent. Piatek, der in seinem zweiten Spiel erstmals in der Startelf stand, leitete die Berliner Führung mit starkem Körpereinsatz im Mittelfeld ein. Hertha-Coach Klinsmann ballte nach Köpkes frühem Treffer beide Fäuste. Die Schalker Antwort folgte prompt, doch Torunarigha klärte einen Schuss von Harit auf der Linie - Millimeter fehlten zum Ausgleich. Harits zweiten Versuch klärte Rune Jarstein mit einer starken Parade (14.).

Klinsmann und sein Schalker Kollege hatten in den vergangenen Tagen ordentlich gestichelt. Wagner bemängelte nach dem Bundesliga-Duell den Zustand des Rasens im Olympiastadion und die destruktive Spielweise der Hertha. Klinsmanns Aussagen, die Berliner seien besser gewesen, konterte der Schalker mit: «Mein Frau sagt in solchen Situationen immer: Was juckt es die Eiche, wenn die Sau sich an ihr reibt?»

Auf dem Platz zeigten sich die Berliner nach ihrer Führung über weite Strecken cleverer. Die dicht gestaffelte Abwehr um den in die Startformation zurückgekehrten Kapitän Niklas Stark ließ den Gastgebern kaum Raum. Schalke kam lange kaum noch vor das Berliner Tor - drehte dann aber auf. Nach Caligiuris schöner Einzelaktion und Harits Ausgleich scheiterte Michael Gregoritsch kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit an Jarstein (89.). Wagner, der nach gut einer Stunde Weston McKennie und Raman für mehr Durchschlagskraft in der Offensive gebracht hatte, stand energiegeladen an der Seitenlinie.

Im Vergleich zum Freitag hatte er vier Veränderungen in seiner Startelf vorgenommen, Klinsmann fünf - darunter Piatek und Köpke, der dem polnischen Stürmer dessen Premierentor mustergültig auflegte. In der Verlängerung wurde es ruppiger. Torunarigha flog nach einem unglücklichen Zusammenstoß mit Wagner vom Platz - wohl weil er dabei eine Getränkekiste auf den Boden feuerte. Der Schalke-Trainer hatte den Hertha-Profi kurz, allerdings ohne böse Absicht festgehalten und musste - nach Einsatz des Videobeweises - den Innenraum ebenfalls verlassen.

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