EM in Frankreich
Weltmeister meldet sich zurück

Paris -

Es geht doch: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Durch das 1:0 gegen die Nordiren, das den Spielverlauf nicht wirklich widerspiegelt, hat die DFB-Auswahl als Gruppensieger das Achtelfinale erreicht.

Dienstag, 21.06.2016, 20:19 Uhr aktualisiert: 21.06.2016, 21:53 Uhr
Die Entscheidung: Mario Gomez macht’s nach Vorlage von Thomas Müller mit links und dreht im Anschluss jubelnd ab (kleines Foto). Der Blick in die nordirischen Gesichter spricht Bände.
Die Entscheidung: Mario Gomez macht’s nach Vorlage von Thomas Müller mit links und dreht im Anschluss jubelnd ab (kleines Foto). Der Blick in die nordirischen Gesichter spricht Bände. Foto: dpa

Auf die Kritik in der Heimat hat die deutsche Mannschaft mit einer klaren Leistungssteigerung reagiert. Im dritten und finalen Gruppenspiel besiegte das Team in Paris Außenseiter Nordirland 1:0. Das knappe Ergebnis spiegelte die Kräfteverhältnisse nicht wirklich wider. Die Löw-Schützlinge spielten eine Stunde lang richtig überzeugend und hatten Möglichkeiten zu einem deutlich höheren Erfolg . Neuling Joshua Kimmich hatte einen prächtigen Einstand bei dieser EM. Deutschland spielt sein Achtelfinale am Sonntag (18 Uhr) in Lille. Gegner ist ein noch nicht ermittelter Gruppendritter.

Kontrastprogramm im Prinzenpark: Auf den Tribünen dominierten die sangeslustigen Nordiren. Auf der Wiese demonstrierte der Weltmeister Stärke. Von Beginn an kannte die deutsche Mannschaft nur den Vorwärtsgang, die „Green and White Army“ schaffte nur gelegentlich Entlastung. Wenn das Spielgerät einmal die eigene Hälfte verlassen hatte, kam es postwendend zurück: Adressat verzogen, Zustellung nicht möglich.

Nordirland gegen Deutschland: die Spieler-Einzelkritik

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  • Mario Gomez: Das Comeback des Mittelstürmers! Erzielte bei seiner dritten Europameisterschaft sein viertes EM-Tor und zog damit unter anderem mit Gerd Müller gleich. Nur Jürgen Klinsmann (5 Tore ist noch vor ihm. Es scheint, ihm gelingt ein zweites Leben im Nationalteam. Note: 2

    Foto: Witters
  • Sami Khedira: Reißt mit seinem kraftstrotzenden Galopp immer wieder Löcher in die Formation des Gegners. Ein Auftritt mit Licht und Schatten. Unnötige Ballverluste wechselten mit gut durchdachten Zuspielen. Note 3

    Foto: Witters
  • Jérôme Boateng: Der große Schwarze mit dem grünen Schuh gewann ungefähr 100 Prozent seiner Zweikämpfe – mindestens. Hatte nach verrichteter Abwehrpflicht sogar noch Zeit für schöne Flankenwechsel. Durfte sich die letzte Viertelstunde auf der Bank schonen. Note: 2,5

    Foto: Witters
  • Mario Götze: Quo vadis, Mario? Nach dem FC Bayern könnte nun auch in der Nationalelf eine schwere Zeit anbrechen für das ewige Talent. Rückte durch die Hereinnahme von Gomez auf die linke Angriffsseite, bot dort einen unglücklichen und fehlerbehafteten Auftritt. Hatte bei seinen vielen
    Chancen nicht nur kein Glück, ihm fehlte irgendwie auch die Gier. Note: 4

    Foto: dpa
  • Manuel Neuer: Der Kapitän markierte sein Revier gleich in den ersten
    Sekunden mit einem Bodycheck gegen Conor Washington an der Eckfahne. In seinem roten Outfit wirkte Neuer wie ein Feuerwehrmann, löschte die kleinen Gefahrenherde der Partie routiniert und sicher. Blieb alle drei
    Vorrundenspiele ohne Gegentor. Note: 2

    Foto: Witters
  • Toni Kroos: Diesmal stieg Mister Zuverlässig nicht in die Trickkiste.
    Vielleicht sah das Spiel von Kroos diesmal aber auch nur so gewöhnlich aus,
    weil er in den Spielen davor so wunderbar geglänzt hatte. Note: 3

    Foto: Witters
  • Jonas Hector: Der Kölsche Jung hat sich zwar festgespielt auf der linken
    Seite. Er war engagiert, lauffreudig, aber ist in seinen Offensivkünsten
    halt trotz einiger ordentlicher Flanken doch sehr limitiert. Note: 3

    Foto: Witters
  • Thomas Müller: Er wollte Chancen, er bekam Chancen. Aber der WM-Müller (10 Tore), ist immer noch kein EM-Müller (0 Tore). Er traf so ziemlich alles im Stadion: Latte, Pfosten, sogar die Glocken von Torhüter Michael McGovern, nur klingeln tat‘s nicht. Bereitete mit seinen wendigen Stelzen aber das 1:0 durch Gomez listig vor. Note: 2,5

    Foto: dpa
  • Bastian Schweinsteiger: Ein WM-König im Prinzenpark. Durfte sein 117.
    Länderspiel machen, ersetzte ab der 69. Minute Khedira. Ein Happy-End wie
    beim Last-Minute-Tor gegen die Ukraine gab’s diesmal nicht. Note: 3

    Foto: Witters
  • Mesut Özil: Er ist der Dauerbrenner im deutschen Team, und irgendwie
    merkt’s keiner: Zum 70. Mal nominierte Löw den sanften Techniker für die
    Anfangself. Seit Beginn der WM 2010 stand er bei jedem Turnierspiel auf dem Feld – zum 22. Mal in Folge. Leitete viele Angriffe ein, darunter den
    Führungstreffer. Note: 2,5

    Foto: dpa
  • Benedikt Höwedes: Für Boateng, der etwas angeschlagen wirkte, durfte die
    letzte Viertelstunde der Schalker mittun. Ein Knappe ohne Fehl und Tadel.
    Wer jede Sekunde einer WM absolviert hat, erledigt solche Aufgaben
    selbstredend. Note: 3

    Foto: dpa
  • Mats Hummels: Der Innenverteidiger sorgte in der Abwehr für keinen
    „Missverständnis-Alarm“, sondern harmonierte mit seinen Abwehrkollegen gut.
    Note: 2,5

    Foto: dpa
  • André Schürrle: Kam in der 55. Minute für Götze und sorgte für Betrieb auf
    der linken Seite. Mehr dann aber auch nicht. Note: 3

    Foto: dpa
  • Joshua Kimmich: Der 21-Jährige feierte im zweiten Länderspiel sein
    EM-Debüt. Rückte für Benedikt Höwedes ins Team und fremdelte kaum.
    Überzeugte nicht nur durch konsequentes Verteidigen, sondern auch als
    wichtige Anspielstation in der Offensive. Beginn einer großen Zukunft?
    Note: 2,5

    Foto: Witters

Es war ein Spiel auf ein Tor, zur Pause wurde lediglich die Richtung verändert. Gegen Polen (0:1) hatten sich die Nordiren prächtig gewehrt. Gegen die Ukraine sogar gewonnen (2:0). Der DFB-Elf waren sie nicht gewachsen, Kampf und Leidenschaft verlor gegen Qualität.

Deutschland ließ Ball und Gegner laufen. Neuling Jo­shua Kimmich entwickelte viel Drang nach vorn, Mesut Özil stand erstmals bei diesem Turnier ausgeschlafen auf dem Platz. Das sah gut aus und – viel wichtiger –, es war zwingend. Einziger Makel: Es dauerte eine halbe Stunde, ehe die Kugel über die Torlinie fegte. Chancen waren schon vorher vorhanden. Vor allem Thomas Müller , oft als zweite Spitze neben Mario Gomez unterwegs, war nahe am Blues. Zweimal scheiterte der Münchner an Keeper Michael McGovern, einmal stand ihm der Pfosten im Weg.

Euro 2016: Die besten Fotos vom Spiel Nordirland gegen Deutschland

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  • Torschütze gegen die Nordiren: Mario Gomez freut sich über das 1:0.

    Foto: Etienne Laurent
  • Das Mannschaftsbild vor dem Spiel gegen Nordirland. Von Anfang an dabei: Neuer (Bayern München/30/67) - Kimmich (Bayern München/21/1), Boateng (Bayern München/27/61), Hummels (Borussia Dortmund/27/47), Hector (1. FC Köln/26/16) - S. Khedira (Juventus Turin/29/62), Kroos (Real Madrid/26/67) - T. Müller (Bayern München/26/73), Özil (FC Arsenal/27/75), Götze (Bayern München/24/54) - Gomez (Besiktas Istanbul/30/65)

    Foto: Abedin Taherkenareh
  • Zweikampf zwischen Conor Washington und Manuel Neuer.

    Foto: Abedin Taherkenareh
  • Müller scheitert am nordirischen Torhüter Michael McGovern.

    Foto: Yoan Valat
  • So richtig „müllert“ es bei der EM wieder nicht für Thomas Müller.

    Foto: Yoan Valat
  • Das 1:0 von Mario Gomez noch einmal aus der Hintertorperspektive.

    Foto: Srdjan Suki
  • Zweikampf zwischen Toni Kroos und Jami Ward.

    Foto: Georgi Licovski
  • Definitiv ein Lichtblick im Spiel der deutschen Mannschaft: Joshua Kimmich. Hier im Einsatz gegen Stuart Dallas.

    Foto: Srdjan Suki
  • Das darf man ruhig mal ausgelassen feiern: Mario Gomez jubelt über den Führungstreffer in der 1. Halbzeit.

    Foto: Yoan Valat
  • Konzentrierter Einsatz von Jerome Boateng.

    Foto: Srdjan Suki
  • Torschuss, aber ohne Happy-End: Mario Götze trifft nicht.

    Foto: Yoan Valat
  • Manchmal ratlos: Mario Götze. In der 55. Minute kommt für ihn André Schürrle.

    Foto: Georgi Licovski
  • Michael McGovern: Der Torhüter der Nordiren war am Abend gut beschäftigt.

    Foto: Georgi Licovski
  • Da legen sich gleich zwei Spieler auf den Boden: Stuart Dallas und Joshua Kimmich.

    Foto: Yoan Valat
  • Nicht immer zufrieden, trotz des überzeugenden Auftritts: Bundestrainer Jogi Löw.

    Foto: Abedin Taherkenareh

Mehr Erfolg hatte Müller als Vorlagengeber. In der 30. Minute legte er im Doppelpass für Gomez auf, der Neue im Sturmzentrum brachte seinen Körper ein und die Kugel endlich über die Linie. Eine hoch verdiente Führung, das Ergebnis schmeichelte den Nordiren zur Pause. Zumal Müller weiter seinen Frieden bei einer Europameisterschaft sucht: In der 34. Minute unterzog er das Aluminium-Gestänge einem zweiten Belastungstest.

Auch Gomez hatte nach 41 Minuten die Chance zum 2:0, wurde beim Abschluss aber Opfer einer technischen Unfertigkeit. Mit dem 0:1 zur Pause waren die Erben von George Best gut bedient, sie hatten bis dahin nie Zugriff auf die Partie. Und die Fans? Sangen weiter, immer weiter. Großartig.

Hunderte feuern die deutsche Mannschaft gegen Nordirland an

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  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans.

    Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fussballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fussballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fussballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fussballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fussballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fussballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fussballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fussballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fussballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Oliver Werner
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Matthias Ahlke
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Matthias Ahlke
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Matthias Ahlke
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Matthias Ahlke
  • Im Jovel und bei Quix-Nettesheim feiern die Fußballfans. Foto: Matthias Ahlke

Deutschland kam unverändert aus der Kabine und drängte direkt auf die Vorentscheidung. Mario Götze vergab binnen 30 Sekunden zwei Fünf-Sterne-Chancen (52.), unmittelbar danach blies Joachim Löw zum Schichtende für den Münchner und schickte Edeljoker Andre Schürrle in die Gegenrichtung. So früh hatte der Bundestrainer bei der EM noch nicht gewechselt.

Liveblog

Wilfried Sprenger ist in Frankreich: Unser EM-Blog .

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Die Nordiren steckten nun erstmals die Köpfe aus der Deckung. Das knappe Ergebnis gab ihnen das Gefühl, die Übermacht vielleicht doch noch brechen zu können. Trainer Michael O’Neill trieb sie nach vorn, auch Joachim Löw wurde zunehmend aktiver: Seine Mannschaft nahm nach einer Stunde Tempo und Druck raus, dass passte dem Coach nicht.

Ungewohnt häufig blickte Löw auf die Uhr. Nur ein Tor vor, ein Ruhekissen fühlt sich anders an. Doch die Null hielt, der Weltmeister ist Gruppensieger und weiter ohne Gegentreffer. Das stimmt schon mal.

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