Nationalspieler
Gündogan zur eigenen Corona-Infektion: Hat Denken verändert

Ilkay Gündogan war der erste deutsche Nationalspieler, der sich mit dem Coronavirus infizierte. Die Zeit der Krankheit hat ihm die Augen geöffnet. Noch mehr als zuvor will er sich als verantwortungsvoller Profi zeigen. Gegen Tschechien könnte er als Kapitän vorangehen.

Dienstag, 10.11.2020, 15:49 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 15:52 Uhr
Hatte die Länderspiele im Oktober verpasst, nachdem er sich mit Corona infiziert hatte: Ilkay Gündogan.
Hatte die Länderspiele im Oktober verpasst, nachdem er sich mit Corona infiziert hatte: Ilkay Gündogan. Foto: Christian Charisius

Leipzig (dpa) - Dieses Telefonat mit seinem weinenden Opa wird Ilkay Gündogan niemals vergessen. Sorglos war er, wie viele andere auch.

Corona, das war für ihn als jungen, gesunden Profisportler nur eine abstrakte Bedrohung. Doch dann steckte er sich mit dem Virus an, und das Gespräch mit dem Großvater in der fernen Türkei veränderte alles.

«Für mich war es am schlimmsten, als er mich angerufen hat und von Anfang bis Ende des Gesprächs geweint hat und ich gemerkt habe, dass die Sorge bei ihm so groß war, auch um mich, wahrscheinlich auch um sich selbst, weil niemand weiß, wie man mit der Geschichte umgehen soll», erzählte der 30-Jährige bei der Video-Pressekonferenz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor dem Testländerspiel am Mittwoch (20.45 Uhr/RTL) gegen Tschechien in Leipzig.

Gündogan war im September der erste von mittlerweile fünf Nationalspielern, die inzwischen positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Offen sprach er danach über die gravierenden Auswirkungen der Covid-19-Erkrankung. Und auch jetzt, da er keine Beeinträchtigung mehr spürt, fordert er ein verantwortungsvolles Verhalten aller. «Allein aus Respekt und Liebe und Fürsorge für meine Liebsten werde ich versuchen, so gut wie möglich mit der ganzen Geschichte umzugehen», sagte Gündogan.

Dass der Profi von Manchester City auf dem DFB-Podium unweit des Ortes sprach, wo am Samstag in Leipzig eine massenhafte Missachtung der Corona-Regeln bei der umstrittenen «Querdenken»-Demonstration stattfand, verstärkte die Kraft seiner Worte zusätzlich. «Es macht nicht nur körperlich, auch psychisch etwas mit einem. Man macht sich Sorgen. Alles steht in den Sternen», sagte Gündogan am Dienstag.

Die Corona-Zeit empfindet Gündogan auch als emotionales Problem für die zuletzt kritisch beurteilte DFB-Elf und andere Nationalteams. «Viele werden mit einem pessimistischen Blick betrachtet. Viele Fans tun sich schwer, sich auf die Länderspiele zu freuen», sagte der Mittelfeldspieler.

Er selbst brennt nach der Zwangspause im Oktober förmlich auf die Rückkehr. «Es fühlt sich immer gut an», sagte Gündogan. Ob er die DFB-Auswahl in Abwesenheit von Manuel Neuer und manch anderer Stammspieler am Mittwoch als Kapitän auf den Rasen führt, wollte Bundestrainer Joachim Löw noch nicht versprechen. Schon einmal beim 1:1 gegen Serbien im März 2019 trug er zumindest in der zweiten Hälfte die schwarz-rot-goldene Binde.

Der Bundestrainer braucht Gündogan nach dem Ausfall von Joshua Kimmich und der Gelb-Sperre von Toni Kroos auf jeden Fall am Samstag im Nations-League-Spiel gegen die Ukraine und wohl auch zum Jahresabschluss am kommenden Dienstag in Spanien. Wie viel Kraft er schon gegen Tschechien einsetzen soll, will Löw mit ihm noch bereden.

Gündogans Standing in der DFB-Elf ist kontinuierlich gewachsen. Die Erdogan-Affäre aus dem missratenen WM-Jahr 2018 hat bei ihm im Gegensatz zu Mesut Özil keine negativen Langzeitschäden verursacht. Als Stammspieler würde er sich im DFB-Team aber auch vor seinem 40. Länderspieleinsatz nicht bezeichnen. Richtung EM im kommenden Sommer müsse man abwarten. «Ich muss mich anbieten», sagte Gündogan.

© dpa-infocom, dpa:201110-99-281566/3

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