6:0 gegen DFB-Elf
«Historische Show»: Junges Team weckt spanische EM-Träume

6:0 gegen Deutschland - der höchste Sieg gegen einen ehemaligen Weltmeister lässt die spanischen Fußball-Fans von einer neuen Ära träumen. Der von Trainer Luis Enrique eingeleitete Umbruch ist auf einem guten Weg. Die EM im nächsten Jahr kann kommen.

Mittwoch, 18.11.2020, 12:25 Uhr aktualisiert: 18.11.2020, 12:28 Uhr
Enttäuschung bei Neuer und Co., Jubel bei Spanien: 6:0 fertigte der Gastgeber das DFB-Team ab.
Enttäuschung bei Neuer und Co., Jubel bei Spanien: 6:0 fertigte der Gastgeber das DFB-Team ab. Foto: Daniel Gonzales Acuna

Sevilla (dpa) - Der bärtige Anführer Sergio Ramos schickte noch in der Nacht stolz Jubelfotos in die Welt, die spanischen Medien überschlugen sich mit Lobeshymnen.

«Historische Show gegen Deutschland», titelte das Sportblatt «Marca», und bei «El Mundo» war zu lesen: «Spanien demütigt Deutschland in einer geschichtsträchtigen Nacht». 6:0 gegen Deutschland zum Abschluss der Nations-League-Gruppenphase, nie zuvor in der Länderspiel-Historie hat «La Roja» gegen einen früheren Weltmeister höher gewonnen.

So sprach Trainer Luis Enrique von einem «perfekten» Abend und einem der «besten Spiele der Nationalmannschaft». Einzig die leeren Tribünen im Estadio Olímpico de La Cartuja waren für den Coach ein kleiner Makel in einer magischen Nacht. «Es ist eine Schande, dass die Leute so ein Spiel in einer Stadt wie Sevilla, wo sich La Roja zu Hause fühlt, nicht von den Rängen genießen konnten», sagte der frühere Erfolgscoach des FC Barcelona.

Die Corona-Pandemie, die das Risikogebiet Andalusien so schlimm getroffen hat, verhinderte eine große Party der in den letzten Jahren nicht mehr verwöhnten Fans. Sie konnte aber nicht verdecken, dass die spanische Mannschaft bei ihrem Umbruch offenbar auf einem sehr guten Weg ist. Es wächst ein neues, hungriges Team heran. Das, was Joachim Löw seit dem WM-K.o. 2018 in Russland bislang mit bescheidenem Erfolg versucht, scheint Enrique in wenigen Monaten gelungen zu sein.

Seit seiner Rückkehr auf die spanische Trainerbank - der Coach hatte den Posten nach der Krebserkrankung seiner neunjährigen Tochter, die schließlich starb, zwischenzeitlich ruhen lassen - setzt der einstige Mittelfeldspieler konsequent auf die Jugend. Nur wenige Führungsspieler wie Ramos oder Sergio Busquets sind aus der goldenen Ära mit dem WM-Titel 2010 und den EM-Titeln 2008 und 2012 übrig geblieben.

Ansonsten sollen es die Jungstars richten. Wie der 20-jährige Ferran Torres, der gleich dreimal Manuel Neuer überwand und bei Manchester City unter Pep Guardiola zum Superstar reifen soll. Oder Leipzigs hochveranlagter Dani Olmo, der stark aufspielte und Gegenspieler Robin Koch einen bitteren Abend bescherte. Enrique hatte sich sogar getraut, Startorhüter David de Gea durch Unai Simon in dem Länderspiel-Dreierpack zu ersetzen. Auch, weil der Youngster bestens fußballerisch ausgebildet ist.

So sah es am Dienstag schon ein bisschen nach Tiki-Taka wie zu besten Zeiten unter Andres Iniesta, Xavi und Xabi Alonso aus. Man sei nur hintergelaufen wie 2008 im EM-Finale, erinnerte sich DFB-Manager Oliver Bierhoff. Mit dem Unterschied, dass es diesmal ein 0:6 und nicht ein 0:1 gab. «Dieses Ergebnis wird die jungen Spieler ermutigen. Jetzt wissen sie, dass sie das Level haben», betonte Enrique, und Ramos fügte hinzu: «Diese historische Nacht wird uns helfen, als Team zu wachsen.»

Und das Level kann noch deutlich angehoben werden, denn Spanien spielte gegen Deutschland nicht einmal in Bestbesetzung. Ex-Bayern-Star Thiago fehlte genauso wie Busquets oder Barças 18 Jahre alter Jungstar Ansu Fati, der nach einem Meniskusriss vier Monate pausieren muss. Dazu war Ramos schon kurz vor der Pause verletzt ausgewechselt worden.

Rosige Aussichten also für die EM, bei der Spanien eine machbare Gruppe erwischt hat. Polen, Schweden und die Slowakei heißen dann die Gegner daheim in Bilbao. Ein Wiedersehen mit Deutschland wäre erst im Viertelfinale wieder möglich. Aber das ist aktuell ein Szenario, das eher Bundestrainer Joachim Löw und das DFB-Team fürchten müssen.

© dpa-infocom, dpa:201118-99-375805/2

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