Nachwuchs-Europameisterschaft
Trotz Corona und Termin-Hatz: Kuntz mit Vorfreude auf U21-EM

Vieles ist dieses Mal anders für Stefan Kuntz und seine U21. Die EM-Vorbereitung fällt aus, Corona verlangt besondere Maßnahmen. Trotzdem ist das Team im Hochrisikogebiet Ungarn direkt gefordert. Für Kuntz gab es vor dem Turnierstart Lob vom DFB-Direktor.

Montag, 22.03.2021, 19:44 Uhr aktualisiert: 22.03.2021, 19:46 Uhr
Trainer Stefan Kuntz (M) leitet das Training der U21-Nationalmannschaft.
Trainer Stefan Kuntz (M) leitet das Training der U21-Nationalmannschaft. Foto: Marton Monus

Székesfehérvár (dpa) - Der «Corona-Bart» von Stefan Kuntz ist ab, das Abenteuer EM kann beginnen: Begleitet von vielen Ungewissheiten und Spekulationen über seine Zukunft startet der U21-Nationaltrainer in seine wohl ungewöhnlichste Turnier-Dienstreise.

«Es wird eine neue Herausforderung», sagte Kuntz. Seine corona-konform ausgestatteten Jung-Profis dokumentierten ihre Vorfreude im Flieger mit dem Daumen-hoch-Zeichen, bevor die Maschine am Montag ins Corona-Hochrisikogebiet Ungarn abhob.

Nach der Landung war der Blick des deutschen Fußball-Nachwuchses um das Dortmunder Megatalent Youssoufa Moukoko (16) nur noch auf den Turnierstart am 24. März (21.00 Uhr/ProSieben) gerichtet. Dann will Kuntz wie während des gesamten Turniers nicht über die spannende Frage zur Nachfolge von Bundestrainer Joachim Löw sprechen.

Kuntz ist nach dem Europameistertitel 2017 und Platz zwei 2019 nun komplett auf das zweigeteilte Turnier in Ungarn und Slowenien fokussiert. Termin und Modus sind für die deutsche U21 anders - und auch Kuntz' Look ist neu: Pünktlich zum Turnier zeigte sich der 58-Jährige wieder glatt rasiert. «Das war ein Corona-Bart. Da ich genauso wenig Lust auf Corona habe wie alle anderen, habe ich den jetzt abrasiert», sagte Kuntz beim TV-Sender ProSieben schmunzelnd.

Für den früheren Nationalstürmer ist das Turnier nicht nur wegen der besonderen äußeren Umstände ein spezielles. Bei der Suche nach einem Nachfolger für Löw in diesem Sommer ist Kuntz zwar nicht Top-Kandidat wie Bayern-Coach Hansi Flick oder Ralf Rangnick. Aber der 58-Jährige wäre eine nahe liegende Variante, wenn der Bundestrainer aus den DFB-Reihen besetzt werden sollte. «Jetzt hat meine U21 absolut Vorrang», sagte der bis zum 31. Juli 2023 vertraglich gebundene Coach, den nette Worte von DFB-Direktor Oliver Bierhoff nach Ungarn begleiteten. Er bezeichnete Kuntz als «starken Kommunikator», der beim Verband eine «hohe Wertschätzung» genieße.

Die Bedingungen in Ungarn sind für Kuntz & Co. alles andere als ideal. Wegen der Corona-Pandemie finden Gruppenphase und K.o.-Runde (31. Mai bis 6. Juni) getrennt voneinander statt. Zeit zur Vorbereitung bleibt daher nicht, zumal die meisten U21-Profis noch am Wochenende für ihre Clubs im Einsatz waren. «Wir müssen praktisch alles, was sonst in zehn Tagen abläuft, dieses Mal in zwei Tagen runterbrechen», berichtete Kuntz. «Aber die Vorfreude ist jetzt schon da, das ist ja klar.»

Kuntz muss die vier U21-Neulinge mit Moukoko an der Spitze im Eiltempo integrieren. Auf dem 16-Jährigen und damit mit Abstand Jüngsten im Kader ruhen große Hoffnungen. Zumal Kuntz auf den Leverkusener Florian Wirtz (17) verzichten muss, der wie Bayern-Shootingstar Jamal Musiala (18) erstmals von Löw berufen wurde. Chelsea-Profi Kai Havertz (21), der auch noch in der U21 auflaufen könnte, gehört ohnehin schon lange fest zur A-Nationalmannschaft.

Der Wolfsburger Ridle Baku (22) soll dagegen in der U21 als Führungsspieler vorangehen. Über mehr Profis musste Kuntz anders als vor vergangenen Turnieren dieses Mal mit Löw gar nicht verhandeln. Ein Symptom des zuletzt oft beklagten Talente-Mangels, der Kuntz' EM-Mission zusätzlich erschwert.

Die Ziele will Kuntz bewusst niedrig ansetzen. «Unser primäres Ziel ist es jetzt, Erster oder Zweiter zu werden, damit wir überhaupt in dieses Final Eight kommen», sagte er. Gegen Ungarn ist ein Sieg daher fest eingeplant, besondere Bedeutung kommt dem Klassiker gegen die Niederlande am 27. März (21.00 Uhr/ProSieben) zu. Zum Abschluss geht es am 30. März noch gegen Rumänien. «Das Turnier verzeiht keine Fehler, du musst auf den Punkt körperlich und geistig fit sein», sagte der Sportliche Leiter Nationalmannschaften des DFB, Joti Chatzialexiou.

© dpa-infocom, dpa:210321-99-913195/6

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