Fr., 20.02.2015

Champions League-Achtelfinale Jetzt muss ein Schalker Wunder her

Flink unterwegs: Madrids Superstar Cristiano Ronaldo (links) ist Schalkes Kevin-Prince Boateng enteilt. Ähnlich schnell durchquerte er nach Mitternacht die Abflughalle am Flughafen Münster-Osnabrück (kleines Foto).

Flink unterwegs: Madrids Superstar Cristiano Ronaldo (links) ist Schalkes Kevin-Prince Boateng enteilt. Ähnlich schnell durchquerte er nach Mitternacht die Abflughalle am Flughafen Münster-Osnabrück (kleines Foto). Foto: Witters/Markus Lehmann

Gelsenkirchen - 

Der Mutmacher kam vor dem Anpfiff aus der Nordkurve. „Egal bei welchem Spiel unsere Fahnen weh‘n, Schalke wird nie untergeh‘n!“ hieß es auf einem großen Spruchband. Und in der Tat, untergegangen ist Schalke nicht. Aber es gab die befürchtete Niederlage; das 0:2 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid dürfte das Aus in der Champions League bedeuten.

Von Michael Schulte

Trainer Roberto Di Matteo war hinterher natürlich enttäuscht, sprach aber ausdrücklich von einem „täuschenden Ergebnis“. Weil seine Mannschaft dem Titelverteidiger einen hervorragenden Kampf geliefert habe, selbst auch initiativ geworden sei, aber eben keine Belohnung bekommen habe. „Ich denke, das Spiel wäre anders ausgegangen, wenn wir in der 74. Minute beim Stande von 0:1 nicht die Querlatte, sondern ins Tor getroffen hätten.“

Da war es der junge Felix Platte (eingewechselt für den verletzten Huntelaar), der sich ein Herz nahm und aus der Distanz abzog. Jedoch ein paar Zentimeter zu hoch. „Der Junge hat keine Angst vor gar nichts“, attestierte ihm sein Trainer erstens eine gute Leistung, zollte ihm zweitens großen Respekt und prophezeite ihm drittens eine hervorragende Perspektive.

„Wenn er so weitermacht, dann kann er bei uns noch viel erreichen.“ In dieses Lob bezog er auch ausdrücklich den zweiten 19-Jährigen mit ein, Schlussmann Timon Wellenreuther. Zwar hatte der beim 0:1 durch Cristiano Ronaldo nicht gut ausgesehen, dafür später gegen Karim Benzema und Ronaldo geklärt.

Real Madrid war der Ruf vorausgeeilt, derzeit ein wenig zu schwächeln. Das hatte die Ewig-Optimisten auf Schalke noch hoffnungsfroher gestimmt. Letztlich blieb es bei der Hoffnung. Auch deshalb, weil Schalke nicht das Risiko suchte, mutlos agierte und Torabsicherung oberstes Gebot war. Und es war nicht zu übersehen, dass das Star-Ensemble aus Ma­drid individuell bestens besetzt und in Sachen Effektivität kaum zu überbieten ist.

Bei Madrid sorgte Weltfußballer Cristiano Ronaldo selbst dafür, dass er von Beginn an der Buhmann war. Nach Fouls wälzte er sich theatralisch, bei Entscheidungen gegen Madrid protestierte er vehement, bei Freistößen baute er sich breitbeinig auf. Aber er zeigte auch den x-fachen Übersteiger, nahm jeden Zweikampf an und war eben im richtigen Moment zur Stelle. Als Daniel Carvajal nach 26 Minuten flankte, hielt Ronaldo nur noch den Kopf hin.

Ein Treffer, der ihm besonders viel bedeutete. Weil er zuletzt auch in die Kritik geraten war, nicht mehr getroffen hatte, anscheinend ein Formtief durchschritt. „Wir bleiben ganz ruhig, wenn ein Stürmer mal nicht trifft. Die Hektik kommt von außen. Aber Cristiano hat die richtige Antwort gegeben und erneut ein wichtiges Tor für uns geschossen“, war Real-Trainer Carlo Ancelotti am Ende „eines guten Spiels“ sichtlich zufrieden.

Fotostrecke: Real Madrid nach Sieg über Schalke am FMO

Auch deshalb, weil sein Team noch den zweiten Treffer nachgelegt hatte. Der Schuss von Marcelo in den rechten Winkel war nicht nur schön, sondern auch spektakulär, weil der Linksfuß mit rechts erfolgreich war. „So trifft der nie mehr“, behauptete Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes. Mag sein, aber er hat getroffen.

In drei Wochen, am 10. März, tritt Schalke in Madrid zum Rückspiel an. Das dann ohne den gesperrten Kevin-Prince Boateng , weil der sich überflüssigerweise auf Scharmützel mit Ronaldo einließ und im laufenden Wettbewerb seine dritte Gelbe Karte erhielt. Das schmälert die ohnehin nur noch theoretischen Aussichten, doch die Sensation im Bernabeu-Stadion zu schaffen. Auch wenn Roberto Di Matteo die Hoffnung nicht aufgegeben hat. „Im Fußball ist vieles möglich.“



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