Fußball: Bundesliga
„Hunter“ Huntelaar und seine letzte Jagd auf Schalke

Münster -

Emotional ist es in Gelsenkirchen häufig. Diesmal, im letzten Heimspiel der Saison, war es allerdings ein besonderer Moment, als Klaas-Jan Huntelaar nach sieben Jahren in Königsblau verabschiedet wurde. Wie es für ihn weitergeht? Noch offen.

Montag, 15.05.2017, 17:06 Uhr aktualisiert: 15.05.2017, 18:21 Uhr
Tränen in den Augen: Klaas-Jan Huntelaar lässt sich mit Frau und Kindern von den Fans in der Nordkurve in seinem letzten Heimspiel auf Schalke feiern..
Tränen in den Augen: Klaas-Jan Huntelaar lässt sich mit Frau und Kindern von den Fans in der Nordkurve in seinem letzten Heimspiel auf Schalke feiern.. Foto: Imago

Wahrscheinlich hat es auch den Hartgesottenen unter den über 62 000 in der Schalke-Arena die Gänsehaut rauf und runter getrieben am Samstag. Die Abschiedsparty für Klaas-Jan Huntelaar beim letzten Heimspiel der „Knappen“ gegen den Hamburger SV (1:1) hatte es jedenfalls ins sich. Schalkes Torjäger (mit 126 Toren die Nummer zwei hinter Klaus Fischer mit 182) ging nach 80 Minuten vom Platz, auf dem er zuvor wieder einmal leidenschaftlich gekämpft, aber auch nicht getroffen hatte. Bei seiner großartigen Kopfball-Chance in der 34. Spielminute landete der Ball nur am Pfosten des HSV-Gehäuses – es wäre das 127. Tor in 238 Pflichtspielen des sympathisch zurückhaltenden Niederländers für seinen Lieblingsverein gewesen, bei dem er annähernd sieben Jahre lang gespielt hatte. Nun ist Schluss. Als er ging, hielt es selbst seine Mitspieler auf der Ersatzbank nicht mehr, sie klatschten Beifall und den Goalgetter stehend ab. Ein Wink ins Publikum, das ihn laut singend begleitete, selbst als er für die Schlussphase auf der Bank Platz genommen hatte. „Huntelaar, Huntelaar“, klang es minutenlang von den Rängen, als das Spiel noch lief. Einen derart fulminanten Abschied hatten zuvor höchstens der Spanier Rául oder der legendäre „Meister“ Jiri Nemec erfahren. Nun also Huntelaar, der im August 2010 vom AC Mailand kam. Für Milan, zuvor auch für Real Madrid (2009) und Schalke hat der Stürmer in 96 Europacup-Spielen 54 Tore erzielt. Er ist einer der letzten Stars der Königsblauen. Nun geht er.

„Schalke ist mein Verein, der geht unter die Haut und geht nicht mehr weg“, sagte Huntelaar nach seinem letzten Heimspiel, nahm die Abschiedsgesänge mit Tränen in den Augen entgegen. Die Nähe zu den Fans war ihm wichtig, auch wenn er sich die Zuneigung des Publikums immer wieder neu erarbeiten musste. Huntelaar war nun mal keiner, dem grenzenlose Sympathien entgegenschlugen. Und dennoch: „Dafür habe ich sieben Jahre auf Schalke gearbeitet. Die ganze Woche war schon emotional für mich. Jedes Mal, wenn ich auf Schalke gefahren bin, wusste ich ja, es wird mein letztes Heimspiel“, sagte er.

Huntelaar war einer, der sich (natürlich) an seinen Toren messen ließ, blieb ansonsten eher einer, der die Öffentlichkeit scheute und nach den Spielen gern an den wartenden Journalisten vorbei lief. Trotzdem genoss er den Respekt, den er sich spätestens 2011/2012 mit der Bundesliga-Torjägerkanone (29 Treffer) erarbeitet hatte. Damals schoss er in Liga, Pokal und Europapokal 49 Tore in 48 Spielen. Eine sensationelle Quote, an die er allerdings später nie wieder anknüpfen konnte. In der laufenden Spielzeit kommt er auf zwei Treffer und 15 Einsätze.

Und nun? Zurzeit betreibt der Vater von vier Kindern mit Freunden ein bäuerliches Projekt daheim in Holland und baut Gemüse und Obst an.

Ein Karriereende ist denkbar, die Rückkehr zu Ajax Amsterdam war wohl lange ein Thema, aber nichts ist konkret: „Einige Anfragen sind bereits gemacht. Ich kann wohl noch einige Jahre spielen“. Auch in der Bundesliga, außerhalb Schalkes? Der „Hunter“ überlegt nur einen kurzen Moment und seine Augen röten sich. „Eigentlich nicht.“

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