So., 18.02.2018

Fußball: Bundesliga Super-Schnitzer ebnet Schalke 04 gegen 1899 Hoffenheim den Weg

Endlich angekommen: Breel Embolo traf zum wichtigen 2:0 und deutete mehrfach an, wie wichtig er für Schalke sein kann, wenn er verletzungsfrei bleibt.

Endlich angekommen: Breel Embolo traf zum wichtigen 2:0 und deutete mehrfach an, wie wichtig er für Schalke sein kann, wenn er verletzungsfrei bleibt. Foto: AFP

Gelsenkirchen - 

Der FC Schalke 04 nimmt wieder Kurs auf Europa. Im Duell der jüngsten Trainer im Oberhaus bezwang das Team des 32-jährigen Domenico Tedesco die Auswahl des zwei Jahre jüngeren Julian Nagelsmann von 1899 Hoffenheim mit 2:1.

Von André Fischer

Fahrgemeinschaften sind ein probates Mittel, um den Verkehr auf der Straße zu entlasten sowie den Lärmpegel und Emissionen zu reduzieren. Mit etwas Glück ist diese Art der Zweisamkeit sogar der Beginn einer Freundschaft. Domenico Tedesco und Julian Nagelsmann haben im Rahmen ihrer Fußball-Lehrer-Ausbildung 2015/16 unzählige Stunden zusammen im Auto verbracht. Vom Kraichgau nach Hennef. Wie „dicke“ die beiden wirklich miteinander sind, lässt sich nur mutmaßen. Fakt ist: Die beiden jüngsten Cheftrainer in der Bundesliga respektieren, schätzen sich. Und treffen sich aktuell zwei Mal per annum – rein beruflich versteht sich. Am Samstag in Gelsenkirchen prallten nun zum zweiten Mal die Welten der Wunderknaben und Taktik-Füchse aufeinander. Diesmal mit dem besseren Ende für Musterschüler Tedesco, Jahrgangsbester mit der Note 1,0. Seine Schichtarbeiter setzten Nagelsmanns TSG-Hort mit 2:1 matt. Im Hinspiel noch hatte Hoffenheim mit 2:0 gegen Schalke die volle Ausbeute für sich verbucht. Ausgleich.

Elf Punkte haben die „Knappen“ in dieser Serie in der Veltins-Arena nach einer Führung fahrlässig hergeben müssen. Elf Punkte, die im Falle der blau-weißen Gutschrift der Monotonie im Oberhaus gutgetan hätten. Dass nicht zwei weitere Zähler in dieser grauen S04-Statistik Eingang fanden, lag mitunter an harmlosen wie unfähigen Gästen. 78 Minuten lang hatten sie im Revier vor 60 741 Zuschauern nach Toren von Thilo Kehrer (11.) und einem geschenkten Treffer vom starken Breel Embolo (28.), der einen Super-Schnitzer von Hoffenheims Kapitän Kevin Vogt schamlos ausnutzte, alles im Griff. Spätestens da war auch der Ärger über das Tor von Embolo aus der 14. Minute verraucht, dessen Lupfer ins Glück wegen einer tatsächlichen Abseitsstellung nachträglich vom Videoassistenten zurückgenommen wurde. „Nachvollziehen konnte ich das nicht. Erst heißt es, es gebe keine virtuelle Linie in Köln, dann plötzlich doch“, zeterte Tedesco.

Aus der Kurve mitten ins Geschehen

Was für ein Abend für Stefan Tendyck. Normalerweise pfeift er in der Oberliga Westfalen, assistiert schon mal in der Regionalliga. Und Samstag? Springt er notgedrungen in eine ungewohnte Rolle. Tendyck steht in der Nordkurve, um seine Schalker zu unterstützen, als Assistent Robert Schröder Anfang des zweiten Abschnitts umknickt und ins Krankenhaus muss. Für ihn springt der vierte Offizielle, Guido Kleve (Nordhorn), ein. Aber wer ersetzt nun den? In einem solchen Fall werden alle anwesenden Personen im Stadion mit entsprechender Schiedsrichter-Lizenz gebeten, sich zu melden. Tendyck tauscht in Windeseile den Block gegen das Grün – und ist auf mal mittendrin in der Bundesliga anstatt nur dabei. Der Fußball schreibt mitunter die schönsten Geschichten – wenn auch nur am Rande.

Mit dem Anschlusstor zwölf Minuten vor dem offiziellen Ende von Andrej Kramaric schlich sich auf der Zielgeraden indes die totale Verunsicherung ein. Schalke wankte, machte sich das Leben schwer – und das Rund raunte, pfiff, als satte sieben Minuten on top dazukamen. Nach der Bänder-Verletzung von Linienrichter Robert Schröder (Hannover) zu Beginn der zweiten Hälfte mehr als angemessen – die Partie war minutenlang unterbrochen gewesen. Königsblau rettete sich trotzdem ins Ziel. Das Gegentor: ein Schönheitsfehler.

Während Tedesco die Fäuste ballte und den Schalker Kreisel mit Gefolge zelebrierte, schickte Nagelsmann seine Jungs geradewegs in die Kabine. „Das ist üblich bei uns“, klärte Abwehrmann Vogt auf. Und nahm damit ersten Gerüchten den Wind aus den Segeln, die TSG wolle sich partout nicht den Medienvertretern stellen.

Der Trainer selbst fand den Weg in die Katakomben erst Minuten später. Unmittelbar nach Spielschluss suchte er die Nähe zum Schiedsrichterteam. Aufgebracht wie selten – angeblich soll Nagelsmann von einem Assistenten beleidigt worden sein. Von wem und in welcher Art, blieb unklar. „Fragen Sie den Schiedsrichter“, wetterte Nagelsmann während der Pressekonferenz. Um beim Abgang Tedesco noch schnell in den Arm zu nehmen. Unter Freunden üblich.



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