Mo., 30.04.2018

Fußball: Bundesliga „Sauerei“ – Schalkes Max Meyer fühlt sich gemobbt

Muss er sich am Ende doch an die eigene Nase fassen? Schalkes Max Meyer.

Muss er sich am Ende doch an die eigene Nase fassen? Schalkes Max Meyer. Foto: dpa

Gelsenkirchen - 

Max Meyers Abschied von Schalke 04 entwickelt sich zu einer Schlammschlacht. Der Spieler kritisiert Sportvorstand Christian Heidel und erhebt sogar Mobbing-Vorwürfe.

Von Jürgen Beckgerd

Es war der große Raúl, der die Trikotnummer 7 beim FC Schalke 04 trug – nach seinem Abschied war das Team ein Jahr lang ohne die Nummer 7 unterwegs, ehe Max Meyer übernahm. Das Schalker Eigengewächs Meyer, mit der Olympiamannschaft unter Horst Hrubesch in Rio mit Silber dekoriert, war das personifizierte Versprechen, auf Schalke zu Gold zu werden. Zwischendurch hing dieser Plan allerdings schon durch. Meyer spielte lange unter seinem Niveau und unter Trainer Markus Weinzierl keine Rolle mehr. Erst unter Domenico Tedesco blühte der 22-Jährige in dieser Saison auf. Im Auswärtsspiel bei Hertha BSC agierte der gebürtige Oberhausener erstmals allein auf der Sechser-Position – als Strippenzieher und Abräumer. ­Tedesco hatte bei diesem Systemwechsel seine Lösung gefunden. Denn: Seit diesem 14. Oktober 2017 war Meyer zumeist gesetzt. „Max Meyer war vorher schon gut. Das hat sich Max selbst erarbeitet, es ist sein Verdienst, weil er in Phasen, in denen er wenig gespielt hat, unfassbar gut trainiert hat“, betonte Tedesco in einem Interview mit dieser Zeitung. Man sollte das wissen, wenn man die sich jetzt anbahnende Schlammschlacht zwischen Spieler und Verein einzuordnen versucht.

Schalke hat Meyer eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages in Aussicht gestellt und dafür das Gehalt auf 5,5 Millionen Euro anheben wollen. Der Spieler schlug die Offerte aus, kolportiert wurde ein großer Einfluss seines Spielerberaters Roger Wittmann. Denn der Ehemann von Tennisstar Anke Huber spülte das Thema ungewöhnlich offensiv an die Öffentlichkeit. Manager Heidel, der sich in herzlicher Abneigung zu Wittmann verbunden fühlen soll, habe das Vertragsangebot in zwei Mails an Meyer kundgetan. Wittmann sprach von „Respektlosigkeit“, zumal just bekannt wurde, dass Leon ­Goretzka rund zehn Millionen Euro verdienen sollte – was ebenfalls nicht reichte, bekanntlich zieht es den Schalker zum FC Bayern.

Wittmann (Spielerberater sind mitunter auch mal mit zehn Prozent am Jahresgehalt der Spieler beteiligt) gerät nun immer stärker in den Fokus. Erst sagte er ein Treffen mit Schalkes Vorstand ab, Heidel blieb hart – und das Angebot für Meyer bei eben fünfeinhalb Millionen stehen. Nun eskaliert die Situation. Fraglich, ob auf Betreiben Meyers selbst oder seines Beraters. In einem Interview warf Meyer der Clubführung sogar Mobbing vor und sagte: „Ich wollte einfach nicht mehr bei Schalke bleiben und unter Herrn Heidel arbeiten. Darum geht es.“ Meyer hat ein halbes Jahr – seit dem Hertha-Spiel –­ konstant gut gespielt auf Schalke und kam auf 24 Liga-Spiele. Vorher (!) hätte er keine Rückendeckung gespürt. „Ich sollte verkauft werden“, kritisierte Meyer. „Als ich das nicht mitgemacht habe, sollte ich verlängern.“ Später habe ihm auch Tedesco „keine Hoffnung auf viel Spielzeit“ gemacht: „Ich kam mir wie ein Getriebener vor.“

Schlussendlich keilte Meyer auch Richtung Clubchef Clemens Tönnies. Der habe ihn so dargestellt, als „ginge es mir nur ums Geld. Für Meyer war das eine Sauerei“. Womit der Begriff Schlammschlacht zumindest verbal belegt ist. Am Montag wurde Meyer vom FC Schalke suspendiert.



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