Fußball: Bundesliga
Schalke gegen Bayern – Nervenflattern in der Arena

Münster -

Der FC Schalke 04 erwartet am Samstagabend den FC Bayern. Nach drei Liga-Auftaktpleiten und dem verpassten Befreiungsschlag in der Champions League sicher kein Wunschgegner für Königsblau. Das Duell hat eine lange Tradition – und liefert auch Kuriositäten.

Freitag, 21.09.2018, 17:50 Uhr
Gar nicht zufrieden waren die Schalker, hier Weston McKennie, Suat Serdar, Amine Harit, Hamza Mendyl, Yevhen Konoplyanka und Naldo, mit ihren Auftritten in der Bundesliga und in der Champions League gegen den FC Porto (Foto).
Gar nicht zufrieden waren die Schalker, hier Weston McKennie, Suat Serdar, Amine Harit, Hamza Mendyl, Yevhen Konoplyanka und Naldo, mit ihren Auftritten in der Bundesliga und in der Champions League gegen den FC Porto (Foto). Foto: dpa

Die Reihe von Kuriositäten und Geschichten im Aufeinandertreffen zwischen FC Schalke 04 und Bayern München ist beinahe so lang, wie es her ist, dass die „Knappen“ zuletzt Deutscher Meister wurden. Wenn am Samstag (18.30 Uhr) der amtierende Titelträger in die Gelsenkirchener Arena kommt, geht es aber aus Sicht der Gastgeber nicht um Kurioses, sondern um Handfestes. Schalke, Vizemeister der vergangenen Saison, man kann das gar nicht oft genug betonen, steht im 1700. Bundesliga-Spiel vor einem ganzen Berg von Problemen: Drei Niederlagen zum Auftakt (gegen Wolfsburg, Hertha und Gladbach) – da werden Erinnerungen an die fünf Auftaktschlappen unter Trainer Markus Weinzierl in der Saison 2016/17 wach. Keine Frage, Trainer Domenico Tedesco, der Ingenieur unter den Bundesliga-Trainern, muss sich nun auch als Krisenmanager beweisen. Und er sollte an seinem System feilen können, sonst wird das wieder nichts gegen die Bayern. In bislang 55 Spielen gewannen die Bayern auf Schalke 22 Mal (20 Unentschieden) Die spielerischen Unzulänglichkeiten waren in den ersten Spielen unübersehbar, nun kommt auch noch das Nervenflattern hinzu – gegen Hertha und auch gegen Gladbach war die mentale Schwäche der Schalker offensichtlich, die defensive Statik wirkte fragil. Angriffsversuche verkümmern zurzeit allzu oft.

In der vergangenen Spielzeit waren die Schalker ja schon der Kritik ausgesetzt, im Offensivspiel wenig Ideenreiches bieten zu können. Da überdeckte allerdings die Freude über die Vizemeisterschaft alle Unzulänglichkeiten. Tedesco ist gezwungen, seine Systemfrage zu beantworten, der (guten) Theorie nun auch Praxis folgen zu lassen und seine Jungs in die Spur zu bringen. „„Die Mannschaft, die mehr Ballbesitz hat, ist nicht automatisch die, die mehr Druck ausübt“, hatte der Coach mehr als einmal philosophiert. „Sie hat auch mehr Risiko, Konter zu fressen.“ Tedescos einfaches, wie möglicherweise folgerichtiges Rezept: „Das, was wir können, werden wir weiterhin stärken. Und das, was wir nicht können, werden wir in Zukunft lassen“, hatte er nach dem Spiel gegen Hertha gesagt – und anschließend gegen Gladbach 1:2 verloren. Nun ist mit dem FC Bayern ein Team zu Gast, das diesem Ansinnen gut in die Karten spielen könnte. Die Münchner sind bekanntlich eh auf viel Ballbesitz aus.

Für deren Keeper Manuel Neuer, der einst im November 2006 als Jung-Schalker eben gegen die Bayern sein erstes Bundesliga-Gegentor (Andreas Ottl zum 1:2, Endstand 2:2) kassierte, und für Leon Goretzka, der zu Saisonbeginn nach fünf Schalker Jahren, in denen er zum Nationalspieler wurde, zum Meister wechselte, ist die Begegnung (natürlich) eine besondere. Auf die Reaktion der Fans in der ausverkauften Arena darf man da nicht gespannt sein. „Je mehr Hass man bekommt, desto mehr weiß man auch, wie sehr man geliebt wird“, sagt Neuer vor dem Spiel. Goretzka dürfte da einstimmen, auch wenn er sein Herz noch nicht vollends verloren hat: „Auf Schalke geht es schnell in beide Extreme. So schnell man in einen Negativtrend reinrutscht, so schnell kann man sich auch wieder rauskämpfen.“

Das wäre nach dem Geschmack von Tedesco. Der könnte Anleihen an einen legendären Spieler und einen seiner Vorgänger nehmen: Linksaußen Helmut Kremers hatte vor dem 2:0-Sieg der „Knappen“ 1974 gegen die Bayern getönt: „Wenn wir einen Punkt holen, trinke ich mir einen an.“ Und der damalige Trainer Ivica Horvarth ließ, wie im „Schalker Kreisel“ nachzulesen ist, „seine Jungs tatsächlich von der Leine“. Ja, er soll sogar den Griff zum Bier angeordnet haben. Nur eine Kuriosität im Kräftemessen der Traditionsclubs.

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