Fußball: Bundesliga
Schalke-Trainer Tedesco nach Bayern-Demonstration in der Klemme

Gelsenkirchen -

Vier Pleiten in Serie. Dem hält kein Trainer eines ambitionierten Bundesligisten mal so eben Stand. Auch wenn der jüngste Gegner Bayern München hieß. Für Domenico Tedesco, den Chefcoach des FC Schalke 04, baute sich nach dem 0:2 sogar noch ein weiterer Krisenherd auf.

Sonntag, 23.09.2018, 15:04 Uhr aktualisiert: 23.09.2018, 16:03 Uhr
Aufgabe für S04-Trainer Tedesco: Bei der Partie Schalke-Bayern lag ein Klassenunterschied zwischen beiden Mannschaften.
Aufgabe für S04-Trainer Tedesco: Bei der Partie Schalke-Bayern lag ein Klassenunterschied zwischen beiden Mannschaften. Foto: dpa

Was hat dieser Verein nicht alles mitgemacht? Er hat Sönnenkönige erlebt, Vier-Minuten-Meisterschaften gefeiert, drohende finanzielle Pleiten umschifft, schon einmal historische fünf Niederlagen hintereinander kassiert (mit Markus Weinzierl vor zwei Jahren) – und mit einem Newcomer (Domenico Tedesco) auf der Trainerbank in der vergangenen Saison die Vizemeisterschaft gefeiert. Der FC Schalke 04 hat viel erlebt, erlitten und eigentlich immer wieder das Bundesliga-Drehbuch mit den ganz großen Dramen und Tragödien geschrieben.

Nach der vierten Saison-Schlappe hintereinander, dem 0:2 (0:1) gegen Bayern München am Samstag, nach den Toren vom überragenden James Rodriguez (8.) und Robert Lewandowski (64.) per Elfmeter, sollte man an deren Wiederaufführung auf der Bundesliga-Bühne glauben können, aber danach sieht es nicht aus. Manche vermuteten gar, dass der Revierclub mit dem dicken Fell – resultierend aus Platz zwei der Vorsaison und der Rückkehr in die Champions League – nunmehr (um im Bild zu bleiben) einer Romanfigur ähnele, „die in einer Art Psychotherapie vom Wahnsinn befreit wurde“ („Tageszeitung“). Auf Schalke haben alle die Ruhe weg, auch wenn am Lautstärkeregler der Alarmsirenen gedreht wird.

Schalke-Bayern in Bildern

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  • Rückkehr: Bayerns Leon Goretzka betritt das Stadion in Gelsenkirchen.

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  • Die Bayern machten früh Druck.

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  • Nach acht Minuten traf James (l.) nach einer Ecke per Kopfball zum 1:0 für die Gäste.

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  • Schalke offenbart in dieser Saison eine Schwäche bei Standardsituationen. Trainer Domenico Tedesco ist bedient.

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  • Schalkes Franco Di Santo (l) hatte es als Schalkes Mann hinter den Spitzen meist mit Bayerns Thiago zu tun. Nach seiner Auswechslung wurde der meckernde Di Santo von S04-Trainer Tedesco eingenordet.

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  • Schalke blieb offensiv harmlos. Breel Embolo (r) kämpft mit Thiago um den Ball.

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  • Bayerns Fans brannten im Gästeblock Pyro ab. Der Rauch lag lange Zeit über dem Spielfeld in der Veltins-Arena.

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  • Bayerns Trainer Nico Kovac war trotz der Überlegenheit nicht entspannt: „Es war ein hartes Stück Arbeit“, gab er später zu Protokoll.

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  • Die Münchener erarbeiteten sich ein deutliches Chancen-Plus.

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  • Schreckmoment: Nach einem Foul von Thiago bleibt Weston McKennie auf dem Rasen liegen. Nachdem zunächst ein Bruch des Schien- und Wadenbeins befürchtet wurde, gab es später Entwarnung: schwere Muskelprellung mit Einblutung am linken Unterschenkel.

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  • McKennie muss auf unbestimmte Zeit pausieren. „Wir haben den dritten Spieltag und ich habe das Gefühl, dass wir Freiwild sind“, hatte Münchens Trainer Kovac vergangene Woche noch getobt als sein Spieler Rafinha vergangene Woche durch ein Foul verletzt wurde.

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  • Die Entscheidung fiel in der 64. Minute: Robert Lewandowski verwandelte einen Foul-Elfmeter – Alessandro Schöpf hatte James am Fuß getroffen – zum 0:2-Endstand.

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  • Vierter Sieg im vierten Spiel: Bayern ist stark in die Bundesliga-Saison gestartet.

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  • Gesprächsbedarf: Die Innenverteidiger Salif Sane (r) und Naldo diskutieren die Niederlage.

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  • Für die Königsblauen war es die vierte Pleite im vierten Bundesligaspiel.

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„Keine Frage, wir müssen den Bock umstoßen“

Aber wie lange dauert diese Ruhe vor dem drohenden Sturm? Manager Christian Heidel, bislang neben Tedesco Garant für die Unaufgeregtheit (manche sagen Langeweile), hob schon mal die Stimme nach dem Spiel gegen den Meister. „Es ist immer scheiße, wenn du verlierst, noch schlechter ist es, wenn du vier Mal verlierst – und richtig bitter ist es, wenn du verdient verlierst. Keine Frage, wir müssen den Bock umstoßen.“ Was man halt so sagt, wenn in den nächsten Spielen der SC Freiburg (Dienstag), der FSV Mainz 05, Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen auf die „Knappen“ warten. Immerhin droht, dass der Bock dann immer noch steht und das Drama einen Heldentod fordert.

Tedesco allerdings sieht seine Mannschaft ohne einen Punkt in der Tabelle auf dem Weg nach vorn. „Wir haben an den richtigen Stellschrauben gedreht“, glaubte der Trainer Verbesserungen gegenüber den Niederlagen zuvor gegen Wolfsburg, Hertha und Gladbach und seien Elf am Samstag in guter Verfassung gesehen zu haben. Eine recht exklusive Meinung – oder Schönfärberei. „Bis zum 0:2 waren wir ja voll im Spiel“, so Tedesco. FCB-Trainer Niko Kovac sah es ähnlich: „Es war ein hartes Stück Arbeit“.

Schalke im Glück

Die verrichteten die Bayern in allerbester Manier. „Wir wollten das spielerisch lösen. Wenn man unsere Ball­stafetten ansieht, waren die Fehler, die uns im Aufbau unterliefen, höchstens ein paar Krümel“, so Kovac. Schalke war dem nicht gewachsen, hatte nur eine Chance durch Breel Embolos Kopfball (55.), aber Glück, dass David Alabas Distanzschüsse von der Latte abprallten oder Fährmann sie bravourös hielt – und dass James aus vier Metern das leere Gehäuse nicht traf (46.). Viel Glück für Schalke.

Aufstand nach Auswechslung

Und dann hatte die Regie doch etwas Theater parat: Franco di Santo (zwölf Tore in 85 Spielen für Schalke) begehrte heftig gegen Tedesco auf ob seiner Auswechselung. Kein guter Stil. Der Coach reagierte sauer. „Halt die Fresse“ war von seinen Lippen als unmittelbare Reaktion abzulesen. Auch kein guter Stil – oder ein Zeichen von aufkommender Dünnhäutigkeit? Di Santo entschuldigte sich öffentlich. Sanktionen gegen den Argentinier sind dennoch zu erwarten. Aber kein Theater auf Schalke. Noch.

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