Fußball: Bundesliga
Schalke befreit sich gegen Mainz von einer Zentnerlast

Gelsenkirchen -

Aufatmen in Gelsenkirchen: Der FC Schalke 04 hat nach fünf Punktspiel-Niederlagen in Serie den ersten Erfolg der Saison unter Dach und Fach gebracht. Das 1:0 gegen den FSV Mainz 05 war verdient, am Ende musste aber gezittert werden.

Sonntag, 30.09.2018, 15:54 Uhr aktualisiert: 30.09.2018, 16:31 Uhr
Die große Erleichterung: Trainer Domenico Tedesco (links) und Manager Christioan Heidel innig verbunden.
Die große Erleichterung: Trainer Domenico Tedesco (links) und Manager Christioan Heidel innig verbunden. Foto: Witters

Es müssen Zentnerlasten Steinkohle von den Schalker Herzen gefallen sein, als Schiedsrichter Benjamin Cortus die Begegnung in der Gelsenkirchener Arena abgepfiffen hatte. „Die letzten zehn Minuten kamen mir wie zwei Stunden vor“, sagte Manager Christian Heidel wohl stellvertretend für die meisten der 61 810 Zuschauer, die mitgelitten, gezittert und gebangt hatten, ehe der 1:0 (1:0)-Erfolg der „Knappen“ mit dem Schlusspfiff besiegelt war.

Nach zuvor fünf Niederlagen in Serie drohte der total verkorkste Saisonstart zu einer wahren Fußball-Katastrophe für Königsblau zu werden. „Ich weiß gar nicht, wie viele Tode ich gestorben bin“, unkte Heidel rückblickend. Als der FSV Mainz 05 immer stärker wurde und Schalke die Angst im Nacken steckte, als Omar Mascarell gegen Alexandru Maxim (85.) in größter und Hamza Mendyl gegen Jean-Philppe Mateta (90.) in allergrößter Not den Vorsprung verteidigen mussten. Da bebte Schalke vor Furcht – und schon lange nicht mehr vor Selbstbewusstsein eines Vizemeisters, der das Team auf dem Papier ja noch ist.

Mann des Tages war einer, den sie schon nicht mehr so richtig auf dem Zettel zu haben schienen: Alessandro Schöpf hatte vor einer Woche gegen die Bayern (0:2) erstmals seinen Platz in der Startelf in dieser Bundesliga-Saison gefunden, war nach einem Kreuzbandriss noch in Wartestellung. Am Samstag zeigte sich der 24-Jährige aus dem Ötztal voll auf der Höhe. Eine (abgefälschte) Flanke von Yevhen Konoplyanka köpfte der 1,78 Meter große Österreicher zum 1:0 in die Maschen. Der Dauerläufer als Kopfballtor-Erzieler und Spielentscheider, sogar einer, der Schalke befreit hat nach der schlimmen Serie: „Egal, wer die Treffer machlt“, meinte der 18-malige Nationalspieler – und fügte, ironisch auf sich gemünzt, an: „Ich bin sicher der schlechteste Kopfballspieler der Mannschaft.“

Schöpf ist aber auch einer, der die aktuelle Situation beim Zweiten der Vorsaison richtig einzuschätzen vermag. Immerhin kennt er sich gut aus. Schon bei der Serie von fünf verlorenen Spielen unter Trainer Markus Weinzierl 2016 war er dabei. „Solch einen Start kannte ich also“, sagte der Mittelfeldspieler. „Der Druck war enorm. Da ist es ganz normal, wenn man ein bischen Angst hat.“

Schöpf legte den Finger in die nach wie vor offene Wunde: „Wir haben das schlampig zu Ende gespielt. Ein Sieg heißt nicht so viel. Wir müssen jetzt weitermachen“. Am besten am Mittwoch im zweiten Champions-League-Spiel der Saison in Moskau

Immerhin: Schalke hatte die besseren Chancen nach über-nervöser Anfangsphase, in der die Angst vor dem erneuten Versagen offensichtlich war. Erst rettete der Mainzer Keeper Florian Müller seinen Kapitän Stefan bell vor einem astreinen Eigentor (23.), dann traf Konoplyanka zwei Mal nur die Latte (59. und 72.). Schalke hätte Ruhe haben können, war aber in der Tat schlampig im Ausnutzen der zweifellos besseren Chancen.

Gäste-Trainer Sandro Schwarz trauerte einem möglichen Punktgewinn nach: „Wir hatten in der zweiten Halbzeit die Kon­trolle. Vorne hat uns aber die Konsequenz gefehlt. Und Domenico Tedesco? Der dezent in die Kritik geratene Schalke-Coach machte am Ende der Pleitenserie aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Zum Ende hin hat die Kraft gefehlt. Und da hatten wir es ein bisschen mit der Angst zu tun.“ Da konnte man die Zentnerlast an Steinen förmlich fallen hören.

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