Aktionen zur letzten Schicht
BVB und Schalke bedanken sich bei den Bergleuten

Gelsenkirchen/Dortmund -

Der Abschied vom Steinkohle-Bergbau bewegt auch die Ruhrpott-Clubs. „Danke Kumpel” wird am 21. Dezember statt des Sponsors auf den Trikots von Borussia Dortmund prangen. Schalke hat für sein letztes Heimspiel gar eine Ausnahmegenehmigung der Deutschen Fußball Liga bekommen.

Freitag, 14.12.2018, 16:10 Uhr aktualisiert: 14.12.2018, 16:13 Uhr
Aktionen zur letzten Schicht: BVB und Schalke bedanken sich bei den Bergleuten
Mit besonderen Trikots laufen die Ruhrgebietsclubs Schalke und Dortmund in ihren jeweils letzten Heimspielen auf. Foto: imago/Alexandre Simoes

Zum endgültigen Aus des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet hat der FC Schalke 04 zahlreiche Aktionen geplant. So laufen die Profis des 1904 von Bergarbeitern gegründeten Traditionsclubs im letzten Bundesliga-Heimspiel des Jahres am kommenden Mittwoch gegen Bayer Leverkusen mit Spezialtrikots auf, die mit insgesamt 26 Zechennamen versehen sind. Statt „Gazprom” wird „Hugo”, „Consol”, „Auguste Victoria” und Co auf der Brust der Königsblauen prangen, jeder Spieler bekommt einen anderen Schriftzug. „Dafür hat uns die Deutsche Fußball Liga eine Sondergenehmigung erteilt – wir freuen uns sehr, dass sie uns und den Kumpeln das ermöglicht”, berichtet Schalkes Marketingvorstand Alexander Jobst.

Der Club hat zum letzten Heimspiel außerdem 2000 Bergleute eingeladen. Mit dem Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop wird am 21. Dezember offiziell die letzte Zeche im Revier geschlossen. Und der Schalker Kreisel hätte sich in den 30er und 40er Jahren ohne Kohle nicht gedreht. Nicht nur Ernst Kuzorra arbeitete eine Zeit lang unter Tage auf der Zeche Con­so­li­da­tion.

„Danke Kumpel” beim BVB

Auch ein paar Kilometer weiter östlich reichen die Wurzeln des Erfolgs weit unter die Erdoberfläche: Als 1909 die Borussia in Dortmund gegründet wurde, waren vornehmlich junge Stahlarbeiter und Bergleute die ersten Mitglieder. Beim BVB laufen die Spieler deshalb beim letzten Spiel der Hinrunde am 21. Dezember ebenfalls mit Sondertrikots auf. Darauf wird in großen Lettern "Danke Kumpel" zu lesen sein. 

Das Ruhrgebiet ist ohne Fußball nicht denkbar. Und der Fußball ohne Bergbau? Wohl nicht. Und das liegt gar nicht so sehr an den wenigen Bergleuten, die zu absoluten Stars auf dem Platz wurden. Die hatten schon in den 1930er Jahren unter Tage ein vergleichbar bequemes Leben. Im Revier-Gedinge, also im Gruppen-Akkord, arbeiteten ihre Kollegen fleißig für sie mit.

Fußball profitiert vom Bergbau

Es war also nie so, wie Uwe Lyko, vielen besser bekannt als Herbert Knebel, die Sache mal beschrieben hat: „Tagsüber haben die unter Tage die Kohle weggekloppt und nachts hart trainiert. Sonntags, wenn die nicht einfahren mussten, da haben die gespielt. Dann sind die blind wie so ein Rudel Maulwürfe über den Platz gekreist, so ist der berühmte Schalker Kreisel entstanden.“

Im Gegenteil: Der Fußball profitierte davon, dass der Acht-Stunden-Tag auch (Berg-) Arbeitern Zeit zum Sporttreiben ließ. Und die Zechenbesitzer bauten ihren Belegschaften sogar Bolzplätze. Die besten der Hobby-Kicker landeten dann auf dem Rasen der Glückauf-Kampfbahn oder dem Spielfeld der Kampfbahn Rote Erde. Die anderen standen als treue Fans auf den Stehplätzen ringsum.

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Gefragt sind Kampf, Einsatz und Ausdauer

Mit den Namen der Arenen ist übrigens die größte Fußball-Tugend im Kohlenpott schon genannt. Trotz Schalker Kreisel, der nichts anderes war als ein frühes Tiki-Taka: Gefragt sind vor allem Kampf, Einsatz und Ausdauer; hier muss auch der Fußball malocht werden. Über Jahre hat Schalke seine Spieler immer wieder an die Ursprünge erinnert – einmal im Jahr fuhren die hochbezahlten Profis ins Bergwerk ein.

In den letzten Spielen vor Weihnachten bedanken sich die beiden großen Ruhrgebietsclubs jetzt für die jahrzehntelange Treue. Und tragen Trikots, die „Danke, Kumpel“ sagen und an die Namen der stillgelegten Bergwerke erinnern. Selbst die Hauptsponsoren spielen mit. Kein Wunder in Dortmund – Borussia-Partner Evonik gehört weitgehend der Ruhrkohle-Stiftung. In Schalke ist das nicht ganz so selbstverständlich – irgendwie ist die Gazprom ja sowas wie ein Kohle-Konkurrent.

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