Fußball: Bundesliga
„Im Spiel war die Mannschaft tot“ – auf Schalke türmen sich die Probleme

gelsenkirchen -

Noch ist Trainer Domenico Tedesco bei Schalke 04 im Amt. Der noch gar nicht eingesetzte Sportvorstand Jochen Schneider muss über das weitere Vorgehen entscheiden.

Montag, 04.03.2019, 18:18 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 18:27 Uhr
Nach der 0:4-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf stellen sich die Schalker Spieler den Fans. Benjamin Stambouli (Mitte, mit Maske) muss seine Kapitänsbinde einem der Ultras (2. v. l.) überlassen.
Nach der 0:4-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf stellen sich die Schalker Spieler den Fans. Benjamin Stambouli (Mitte, mit Maske) muss seine Kapitänsbinde einem der Ultras (2. v. l.) überlassen. Foto: dpa

Die Grenze des Zumutbaren war am Samstag auf Schalke gleich mehrfach überschritten: Erst das Bundesligaspiel, das die „Knappen“ sang- und klanglos gegen Fortuna Düsseldorf mit 0:4 verloren, dann der unsägliche und schwer erträgliche Auftritt zweier Ultra-Fans vor der Nordkurve. Die beiden nahmen Mannschaftsführer Benjamin Stambouli die Kapitänsbinde ab: Ein symbolischer Akt, ein arrogantes Übertreten sämtlicher roter Linien, mit großer Außenwirkung. Die Binde hatten die Fans der Nordkurve einst Ralf Fährmann in einem Akt übergroßer Verbundenheit auf dem Trainingsplatz überreicht. Nun wurde dem Team diese Verbundenheit entzogen. Stambouli ist einer, der sich, so sagt er immer wieder, voll mit dem Verein und seinen Fans identifiziert, der beim Kurvenlied „assoziale Schalker, wir schlaf’n unter Brücken und in der Bahnhofsmission...“ immer wieder eine Gänsehaut bekommt und der die Größe des Vereins anerkennt. Er sagt: „Der Verein ist immer da, aber wir sind nur kleine Spieler.“ Da hat er Tränen in den Augen und schildert, wie er die Situation vor der Nordkurve empfunden hat nach dem desolaten Spiel. „Ich werde mein Gesicht zuerst in den Spiegel halten.“

Nach dem 0:4 und dem 0:3 davor gegen Mainz, den blutleeren Schalker Auftritten gegen Mönchengladbach (0:2), SC Freiburg (0:0) und so weiter, dem miesen Saisonstart sowieso mit fünf Saisonniederlagen hintereinander türmt sich nun am 24. Spieltag die Welle der Entrüstung auf: Der Vizemeister im Abstiegskampf – kann das, darf das denn wahr sein?

Im Mittelpunkt der Kritik steht der Trainer, aber beileibe nicht ungeteilt. Domenico Tedesco (33). Manchmal wird er als „Ingenieur“ bezeichnet, also einer, der technokratisch zu Lösungen kommen will – und sie zu selten erreicht. Gegen Düsseldorf, sagte Tedesco, sei der Plan gewesen, „offensiv zu verteidigen: sechs greifen an, vier sind hinterm Ball“. Stellt sich die Frage, warum sich seine Schalker Spieler nicht daran gehalten haben. „Die Mannschaft war nach der guten Trainingswoche lebendig. Im Spiel war sie tot. Wir haben extreme Fehler gemacht, den Gegnern die Bälle 20 oder 30 mal in die Füße gespielt“, sagte der Coach. „Ich habe mich bei den Fans entschuldigt, das war das Mindeste, mehr kann ich nicht tun. Die bewerten ein 0:4 gegen Fortuna Düsseldorf.“

Klar ist, dass der Trainer diskutiert wird: Unter Tedesco haben die Schalker – auch in der Saison als Vizemeister – selten einmal attraktiven Fußball gespielt. Nun ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz auf vier Zähler zusammengeschrumpft.

Eine viel diskutierte Trainerentlassung könnte an diesem Dienstag erfolgen. Wer aber trifft diese? Der neue Sportvorstand Jochen Schneider stellte sich am Montag dem Aufsichtsrat vor, wird aber erst am 14. März offiziell berufen. Muss der 48-Jährige als erste Amtshandlung den Trainer entlassen? Kann er noch nicht, Peter Peters und Marketing-Direktor Alexander Jobst müssten Tedescos Papiere unterschreiben. Und Schneider dürfte kaum so tief in die ganz spezielle Schalker Materie eingedrungen sein, um sich objektiv ein Bild – auch über die Arbeit Tedescos – zu machen. Möglich, dass der Coach aus dieser Konstellation heraus seine Arbeit doch fortsetzen kann, wurde am Montag am Berger Feld gemutmaßt. Es gebe kein Machtvakuum, sagen die Verantwortlichen und verstärken mit dieser Aussage doch nur die Vermutung, dass die Grenze des Zumutbaren tatsächlich erreicht ist.

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