Fußball: Bundesliga
Keine Zeit für Lippenbekenntnisse auf Schalke

Gelsenkirchen -

Der neue Mann hat seinen Antrittsbesuch auf Schalke absolviert und weitere Personalentscheidungen angekündigt: Die Trainerposition bleibt davon vorerst ausgenommen. Zumindest bis zum Freitagsspiel in Bremen setzt der neue Sportvorstand, Jochen Schneider, auf den alten Trainer, Domenico Tedesco.

Dienstag, 05.03.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 19:03 Uhr
Herausforderungen ohne Ende: Der neue Sportvorstand des FC Schalke 04, Jochen Schneider (l.) und Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies
Herausforderungen ohne Ende: der neue Sportvorstand des FC Schalke 04, Jochen Schneider (l.) und Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies Foto: dpa

Der Sportdirektor: kommt neu. Der Sportliche Leiter: kommt auch neu. Der Sportchef: ebenfalls neu, aber seit Dienstag offiziell vorgestellt. Der FC Schalke setzt auf neue Kräfte in der sportlichen Leitung, verharrt allerdings in der Trainerfrage: Domenico Tedesco bleibt Coach des Bundesligisten, das stellte Jochen Schneider am Dienstagnachmittag unmissverständlich klar. Der „Neue“ am Schalker Regiepult sagte aber auch: „Im Spiel am Freitag in Bremen muss die Mannschaft ein anderes Gesicht zeigen“. Was so gedeutet werden kann: Sonst ist der Trainer weg.

Jochen Schneider kommt zusammen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies „in großem Staat“ in die Pressekonferenz. Nachtblaues Sakko und Pullover, weißes Hemd: Der Auftritt hat etwas Würdevolles, ehe der Club-Boss das Wort ergreift: Mit „Mahlzeit, meine lieben Damen und Herren“, begrüßt Tönnies die bemerkenswert große Medienschar, die zur offiziellen Berufung Schneiders als Nachfolger des zurückgetretenen Christian Heidel erschienen ist.

Ritt auf der Rasierklinge

Bereits am Montag, während der Aufsichtsratssitzung war durchgesickert, dass das Gremium und Schneider am Coach festhalten werden. Bis Freitag. Der Ritt auf der Rasierklinge geht für die abstiegsbedrohten Schalker weiter. Tedesco muss unter Druck liefern. „Wir haben eine schwierige Situation, wer jetzt nicht von einer Krise redet, redet an der Realität vorbei“, sagt Tönnies. Und Schneider, der so souverän scheint, als sei er nach drei Tagen in Gelsenkirchen schon mitten im Geschehen, fügt hinzu: „Es geht um eine Trendwende“, und: „Keine Zeit für Lippenbekenntnisse!“ Schneider hat sich einen Eindruck von der Mannschaft gemacht: „Gute Jungs“ seien das.

Er wiederholt das im Lauf des Gesprächs vielleicht ein wenig zu oft und begründet seine Meinung mit Tabellenplatz zwei im vergangenen Jahr und dem Erreichen des Achtelfinals in der Champions League. Er hat aber auch das 0:4 zuletzt gegen Fortuna Düsseldorf gesehen, das für viele das Fass an den Rand des Überlaufens gebracht hatte.

Neuer Sport- und neuer technischer Direktor

Schneider betont auch, dass er viel von Tedesco hält, den auch Tönnies immer gestützt hat. „Er ist immer fokussiert, kämpferisch, ehrgeizig und er hat große Verdienste mit der Vizemeisterschaft“. Der 48-Jährige lenkt energisch den Blick auf den Freitag: „Wir müssen alles in das Werder-Spiel legen. Das ist ein ganz wichtiger Tag für uns.“ In die Arbeit des Coaches redet Schuster nicht rein. Und verspricht ihm „Handlungsfreiheit“. Schneider: „Er lässt spielen, was der Kader hergibt. Die letzte Saison hat ihm Recht gegeben.“ Der Trainer brauche eine Mannschaft, die „voll mitzieht“. Tedesco muss sie finden und aufstellen. Bis dahin habe er freie Hand. Ob danach auch noch, liegt an der Mannschaft – und am Ergebnis.

Zur Person: Jochen Schneider

 ► Geboren am 13. 9. 1970 in Mutlangen

► Sportdirektor beim VfB Stuttgart (1998 bis 2015), danach bei RB Brasil, RB Salzburg und RB Leipzig (bis 2019)

► Kennt Domenico Tedesco „seit 15 Jahren“, als der in Stuttgart Jugendtrainer war.

► Schalkes „Jahrhunderttrainer“ Huub Stevens sagte über Schneider: „Das ist ein Guter. Wenn wir den kriegen könnten ...“

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Derweil stellt Schneider die Weichen im Vorstand neu: Ein Sportdirektor und ein technischer Direktor (bislang Axel Schuster, dessen Tätigkeitsfeld neu definiert wird) sollen kommen: „Wir müssen breiter aufgestellt sein“, betont er. Das hatte Christian Heidel laut Tönnies immer abgelehnt.

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